Nachrichten aus der Antike (3)

Kommentar

Nachrichten aus der Antike (2)

„Die Demokratie, unlöslich mit dem Widerstand gegen Makedonien verbunden, wird jedesmal, wenn ein neuer Herr in Erscheinung tritt, geächtet.“[1]

Das ist eine Seite der Betrachtung. Die andere: Die Demokraten waren im Gegensatz zu den Oligarchen mehr an externer statt an interner Ausbeutung interessiert. Deswegen verbesserten sie im 5. Jahrhundert die Lage der attischen Theten, unterjochten aber die Ägäis – z.B. in Form des Delisch-attischen Seebundes. Selbst Hermann Bengtson, dem wahrlich keine übertriebene Kritik an Athen vorgeworfen werden kann, berichtet, dass die Diäten für ca. 20.000 Empfänger des attischen “Sozialstaates” von den Verbündeten aufgebracht werden mussten.

Insofern ging es den außenpolitischen Gegnern Athens, wie Sparta am Ende des Peleponnesischen Krieges oder wie den Diadochen nach der Niederschlagung der antimakedonischen Aufstände Athens naheliegenderweise darum, die expansiven Demokraten auf die Strafbank zu setzen. Im Übrigen blieben sie dort meist nicht lange: Sobald die internen Kräfte wieder stärker als die externen waren, setzten sich die Profiteure der perikleische Verfassung wieder durch.

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Nachrichten aus der Antike (1)

Bust of a Lagid queen as Isis: Cleopatra II or III. The braids are characteristic of Isis and the headband of royal status.

Hier die Stelle, die die unterschiedliche Produktionsweise zwischen Hellas und Persien an Hand der Funktion des Golds belegt:

„Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte der Gesellschaften, daß eine tiefreichende Verarmung der Volksmassen von der Entwicklung einer oberflächlichen Aktivität begleitet und verschleiert worden ist, da der Umfang des Handels eine regelrechte Inflation hervorruft, die die Mittel der Kaufläute vergrößert und die der kleinen Produzenten verringert. So verschaffen sich zum Beispiel die Soldaten und Kaufläute, die das Heer begleiten, große Mittel, indem sie versklavte Gefangene verkaufen oder Gegenstände, die aus Plünderungen stammen. Die im Laufe der Jahrhunderte vom persischen Reich angesammelten Schätze wurden durch den Bedarf des Krieges und der Diplomatie in Umlauf gebracht. Die Menge des Geldes wächst; die neuen Hauptstädte schreiten zu massenhafter Geldschöpfung. Das alles schafft keinen echten Reichtum, wohl aber die Illusion des Reichtums und führt vor allem zu einer Neuverteilung des vorhandenen Reichtums. Bankwesen und Geldhandel spielen eine große Rolle, und selbstverständlich sichern sich das Bürgertum der Städte vorweg den besten Teil dieser Zahlungsmittel, die es gegen gewerbliche Erzeugnisse eintauscht, deren Preis rasch steigt. Die hellenistische Periode, die zu Anfang des 3. Jahrhunderts einsetzt, wird zur belle Époque des Luxus, der Kunst, (einer Kunst, die ein bißchen ins Kunstgewerbliche geht, um einer bürgerlichen und kolonialen Kundschaft zu gefallen), (…)“[2]

An diesen Passus sind mehrere Punkte interessant.

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Kommentar

Hellas vs. Makedonien

Makedonien hatte im Gegensatz zu dem eigentlichen Kosmos der griechischen Polis eine noch weitgehend ursprüngliche Sozialverfassung. Pella war nicht mehr als ein Verwaltungssitz, aber keine Polis und Makedonien zuerst bloß Holz- und Pechlieferant für die schiffshungrigen mittelgriechischen Staaten. Zuerst scheint es, als wäre der makedonische König weit mächtiger als ein Beamter Athens, sagen wir eines Archonten. Die tatsächlichen Verhältnisse sehen wir aber in den Diadochenkämpfen nach 323 v. Chr. deutlicher. Die Heeresversammlung ist eigentlich das oberste Organ, die Könige eher die primi inter pares, die von der Heeresfolge abhängig sind.[i] Unter Philipp und Alexander war diese Tatsache nur deswegen nicht deutlich sichtbar, weil hier die Könige als Heerführer erfolgreich waren – also keinen Anlass zum Einspruch bestand. Die Gefolgschaft hatte jedenfalls einen anderen Charakter, als das Zweckbündnis, das die eigentlichen Griechen mit Alexanders Anabasis verbanden und diese Gefolgschaft hatte einen proto-feudalen Charakter. So ist das rückständige Makedonien, das noch nicht zur Sklavenhalter-Polis und zur Beherrschung des Welthandels fand, der Vorbote der Ablösung ebendieser antiken Sklavenhalter-Antike durch den Feudalismus.

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Die römischen Bürgerkriege und Wikipedia (2)

Kommen wir kurz zu dem interessanten Paragraphen zurück:

„Nachdem Caesar 45 v. Chr. siegreich nach Rom zurückgekehrt war, scheiterte er jedoch an der politischen Aufgabe, die neu errungene, in der römischen Geschichte noch nie dagewesene Machtstellung dauerhaft zu sichern. Ob er tatsächlich die Königsherrschaft anstrebte, war zu seiner Zeit und ist bis heute umstritten.“

Gerade an die vor-republikanischen Könige wollte und konnte Rom nicht erinnert werden – das war das Kindheitsstadium, das der Staatskörper bereits überwunden hatte. Nicht nur das sollte vermieden werden, um die Auflösung der Republik zu verschleiern, die Republik löste sich von selbst auf, die wurde nicht aufgelöst. Die sozialen Bande, die die Republik als natürliche Staatsform schuf, waren so weit gelockert wie ein ausrangiertes Gummiband.

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Kommentar

Die römischen Bürgerkriege und Wikipedia (1)

Der Wikipedia-Artikel zum „Römischen Bürgerkrieg“ beginnt recht gut. Bis zu der finalen Einschätzung Caesars sind alle Bausteine vorhanden, um den Bürgerkrieg als Klassenkampf zu erzählen:

„Die Krise der Römischen Republik hatte ihre Ursache paradoxerweise hauptsächlich in den militärischen Erfolgen. Der Aufstieg Roms zur beherrschenden Macht des Mittelmeerraums und die enorme Vergrößerung seines Staatsgebiets erzeugte tiefgreifende soziale Spannungen zwischen verschiedenen Interessengruppen des Reiches: (…) Teile des römischen Adels, im Senat vertreten durch die Gruppierung der Optimaten, gelangten durch das Anwachsen ihres Landbesitzes und den Zustrom an Sklaven aus den eroberten Gebieten zu enormem Reichtum, der durch Geldgeschäfte noch weiter vermehrt wurde. Die Bauern, die als Legionäre die Eroberungen erst ermöglicht hatten, verarmten dagegen zunehmend. Sie konnten ihre Höfe wegen des Dienstes in den Legionen entweder gar nicht bewirtschaften oder waren, weil sie sich keine Sklaven leisten konnten und nur über geringe Anbauflächen verfügten, gegenüber den Latifundien-Besitzern nicht konkurrenzfähig. Viele von ihnen stiegen ins städtische Proletariat ab und wurden so zu einem interessanten Wählerreservoir innerhalb Roms. Ihrer Interessen nahm sich die Gruppierung der Popularen an, zu der sowohl Angehörige plebejischer Familien als auch reformwillige Patrizier, also Mitglieder des Senatsadels gehörten. Sie strebten zum Teil tatsächlich nach einer gerechteren Verteilung des Landbesitzes, zum Teil nur danach, das proletarische Wählerpotenzial auszuschöpfen und mit Hilfe einer Heeresclientel ihre eigene Macht zu steigern. Zudem wurden die Heerführer des Reiches, insbesondere die Prokonsuln und Propraetoren, durch die ausgedehnteren Feldzüge und dank der auf sie eingeschworenen Legionen zu immer mächtigeren Personen, die sich nach ihrer Rückkehr nach Rom nicht mehr mit dem Verlust all ihrer Machtbefugnisse abfinden mochten.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_B%C3%BCrgerkriege)

Das ist alles richtig, bis auf den letzten Satz.

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Genau verkehrt

Amphora olive-gathering BM B226

Bei Wikipedia heißt es unter dem Suchbegriff Sklaverei:

„Sklaverei als Gesellschaftsform

In der Gesellschaftstheorie des Marxismus und Leninismus wird unter „Sklaverei“ eine ökonomische Gesellschaftsform verstanden, die auf dem Eigentum des Sklavenhalters an den Produktionsmitteln (Nutzflächen, Maschinen usw.) und an den unmittelbaren Produzenten (Sklaven) beruht. Karl Marx, der die Sklaverei für die roheste und primitivste Form der Ausbeutung und den Gegensatz zwischen Sklaven und Sklavenhalter für einen archaischen Klassengegensatz hielt, bezog den Begriff Sklavenhaltergesellschaft ausschließlich auf die antiken Gesellschaften. Marx beschrieb jedoch (…)

… weshalb „jedoch“? …

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Finland

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Die politische Form des Sozialismus

Die Frage nach der politischen Form des Sozialismus zu stellen, wirft zuerst einmal die Frage auf, ob zwischen Form und Inhalt ein Gegensatz besteht oder ein Widerspruch oder weder noch. Handelt es sich nicht insgesamt um eine Struktur im Sinne des Strukturalismus? Dieser Ansatz ist fruchtbar und wenn hie in weiterer Folge von „Form“ und „Inhalt“ die Rede ist, dann ja gerade in dem Sinne, dass beides zueinander in einer bestimmten Beziehung steht. Genau das ist eine Struktur. Wer dem nicht folgen mag, kann sich aber damit behelfen, statt Form Politik / Überbau und statt Inhalt Ökonomie /Basis zu verstehen. Auch mit dieser Grammatik geht die Rechnung auf.

Jede Produktionsweise hat ihre eigene, spezifische politische Form. Oder doch nicht? Im Kapitalismus haben wir eine Spannbreite vom Parlamentarismus bis zum Bonapartismus, im Sozialismus die Rätestruktur. Oder doch nicht? Es geht an dieser Stelle nicht darum, welche politische Form für eine nachkapitalistische Produktionsweise wahrscheinlich ist, sondern welche sich notwendig aus der Produktionsweise ergibt. Negativ ist die Frage natürlich leichter zu beantworten: Ein Parlamentarismus passt genauso wenig wie ein Bonapartismus (Diktatur mit bürgerlichem Staatsapparat) zu dieser Produktionsweise. Nur aufzuzählen, welche Vorzüge das Rätesystem in dieser hätte – geht, selbst wenn alles sachlich stimmt – komplett an der Frage vorbei. Aus der ökonomischen Logik der Planwirtschaft folgt weder zwingend eine Rätestruktur noch schließt sie diese aus. Auf die Frage nach der passenden politischen Struktur antwortet die Logik der Planwirtschaft mit einem undefinierbaren „Rauschen“. Vielleicht ist die Frage falsch gestellt? Die Wirtschaft ist nicht ein nackter Körper, der das Gewand einer x-beliebigen politischen Form wie aus einem Kleiderkasten aussucht. Die Schwierigkeit besteht indes darin, dass zumindest für eine bestimmte Zeitspanne eine Gesellschaft sich tatsächlich eine Verkleidung zulegen kann. Diese Mimikry der politischen Form bezieht sich immer auf das Arsenal an Formen, die bereits in der Vergangenheit gedient hatten. So warfen sich die französischen Revolutionäre 1789 in die Pose der antiken römischen Republik – wiewohl objektiv der Senat eine ganz andere Klasse versammelte als die Nationalversammlung in Paris. Das Thema lässt sich fortspinnen: Die Räte vom Februar / März 1917 hatten einen anderen – klassenübergreifenden – Charakter als jene von 1905, wollten aber an das Prestige von 1905 anknüpfen.

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soviétisme (3)

Alec Nove – eigentlich im Gegensatz zu Victor Serges “Year One of the Russian Revolution”:

„(…) in 1900 about 28 ½ per cent of the capital of private companies were foreign owned, in 1913 about 33 per cent. During these years foreign capital invested in Russia increased by 85 per cent, while Russian capital increased by 60 per cent. While the growth of foreign investment thus somewhat exceed that of native investments, the latter were none the less rising by a very substantial percentage at that time.“ (Alec Nove, An Economic History of the U.S.S.R., 1969, 1988, Seite 18.)

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soviétisme (2)

„In 1900 (…) seventy-nine per cent of her capital invested is of foreign origin (…) In 1914 the French capitalists had control of 60.7 per cent of Russia´s output of pig-iron an of 50.9 per cent of coal (…) the banks of Petrograd disposed of a capital of 8.500 million roubles, fifty-five per cent of which belonged to French banks.“

Victor Serge, Year One of the Russian Revolution, 1930, 1972, Seite 46. Serge spricht von einem franko-russischen Imperialismus – eine wohl eher weniger gelungene Etikettierung, da ein kapitalarmes Land wie Russland eine andere Stellung einnimmt als ein kapitalreiches wie Frankreich. Außerdem war Russland in technologischen Schlüsselbranchen – wie der Elektroindustrie – weit mehr von deutschem Kapital als von französischem abhängig. Jedenfalls lohnt es sich aus historischer Sicht, unterschiedliche Daten unterschiedlicher Darstellungen miteinander zu vergleichen, denn die Frage des Kapitalimports wurde im Nachhinein oft ideologisch betrachtet. So, nur um ein Beispiel anzuführen, bei der Frage, ob Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg einen halbkolonialen Status gegenüber Österreich gehabt habe oder nicht. Die unter den Stalinisten forschenden Historiker änderten ihre Position nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstandes 1956. Mit einer bestimmten ökonomischen Einschätzung verband die Geschichtsschreibung ein bestimmtes Kalkül. Der Wirtschaftshistoriker John Kolmos berichtete, dass die ungarischen Historiker vor 1956 Ungarn zur Zeit der Monarchie als Kolonie Österreichs auffassten. Vgl. John Kolmos, Die Habsburger-Monarchie als Zollunion. Die Wirtschaftsentwicklung Österreich-Ungarns im 19. Jahrhundert, 1983, 1986, Seite 15. Später wurde Ungarn als imperialistisches Land eingeschätzt. Vgl.: Institut für Parteigeschichte beim Zentralkomitee der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei, Geschichte der ungarischen revolutionären Arbeiterbewegung, Von den Anfängen bis 1962, 1976, deutsch 1983, Seite 38 ff.

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soviétisme (1)

Alec Nove (1969) führt Russlands industrielle Wachstumsraten 1860-1913 an:

“… a growth rate of just about 5 per cent per annum. This was fairly high – higher on a per capita basis than in either the United States or Germany. However, much slower rate of increase in agriculture, and the high share of agriculture in Russias employment and national income, made the overall performance appear much more modest.” (p. 12)

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Planwirtschaft: Wirtschaftspolitik vs. Ökonomische Struktur

Alec Nove, An Economic History oft he U.S.S.R., 1969, 1988, Seite 7-8:

„One issue is bound to loom large: the relative importance of politics. (…) Yet Lenin once wrote: ‚Politics cannot have dominance over economics. To argue otherwise ist o forget the ABC of Marxism. ‘ This may surprise those who believe that the dominance of economics ist he ABC of Marxism, but it does illustrate the proposition that Soviet dominate, and altered, economic ralations. Out oft he horse´s mouth, too. It is undeniable that politics have, in an importance sense, been dominate. (…) Being for most oft he period in command oft he major part of economic live, the politicans were, for most of their waking hours, the board of directors oft he great firm U.S.S.R. Ltd. In other words, their actions as politicans were interpenetrated by their function as super-managers.“

Hier vermischt Nove zwei unterschiedliche Aspekte. Die eine Sache ist die, welchen Spielraum die Wirtschaftspolitik gegenüber der Struktur der Wirtschaft hat, also – sehr pauschal formuliert – das Verhältnis des Überbaus im Verhältnis zur Basis mit der Frage, wer Akteur der Wirtschaftspolitik sei.

Im Kapitalismus ist das Kapital und das politische Personal meist zwei getrennte Subjekte. Und die Wirtschaftspolitik wird einerseits durch auf der politischen Sphäre festgelegt und andererseits von den Wirtschaftssubjekten, den Unternehmern, mit lebendigen Handlungen ausgefüllt. Oder anders gesagt: Der Rahmen, den die eigentliche Politik definiert, wird durch die Unternehmer materialisiert. Aber diese beiden Rollen tangieren nicht die bereits vorhandene ökonomische Struktur. Weder der Premierminister noch die Vorstände der größten Konzerne können beschließen, dass das Wertgesetz nicht mehr gelten soll, dass der Preis der Waren ungefähr um deren Wert kreist, dass eine Zunahme des konstanten Kapitals gegenüber der Mehrwertmasse die Profitraten sinken lässt und so weiter. Hier endet die Macht der Mächtigen ungefähr genauso wie in der Vorstellung des Spätmittelalters die mächtigen Päpste und Kaiser sich in einer ungemütlichen Reihe mit den Bettlern und Aussätzigen sich vor dem unerbittlichen Jüngsten Gericht anstellen müssen.

In den Planwirtschaften ist das politische Personal gleichzeitig Vorstände der „great firm U.S.S.R. Ltd.“, wie Nove treffend sagte. Aber das bedeutet nur, dass hier die Definition des wirtschaftspolitischen Rahmens und die Umsetzung dieses Rahmens an der Spitze des Unternehmens nicht mehr in zwei unterschiedliche Rollen getrennt ist. Aber auch die mächtigsten Lenker der Planwirtschaften können die der Planwirtschaft zugrundeliegenden ökonomische Gesetze nicht eliminieren. Diese Gesetze sind zu einer ökonomischen Struktur verdichtet, die erst der Wirtschaftspolitik den Spielraum gibt.

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Das Private

Die Tauschwertproduktion schafft erstmals die private Welt als Gegensatz zur Öffentlichkeit. Warenhandelnde Menschen sind Individuen und haben notwendigerweise Privatheit. Die „Erfindung der Privatheit” ist nicht das Produkt einer Ideologie, sondern das Produkt der bürgerlichen Produktionswiese. Die Planwirtschaften des 20. Jahrhunderts sahen zuerst ein Verblassen des Privaten, aber mit der Stärkung der Bürokratie wurde das Private rehabilitiert. Ungefähr in dem gleichen Maße, wie die die Planwirtschaften die Warenzirkulation nachspielten – vgl. den Begriff der „warensozialistischem Ökonomie“) – und die Entfremdung der Produzenten von der Produktion nicht aufheben konnten.

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Kommentare (2)

Der Ausgangspunkt der Planwirtschaft

Der Ausgangspunkt der Planwirtschaft:

„Die universelle Tendenz des Kapitals erscheint hier, die es von allen früheren Produktionsstufen unterscheidet. Obgleich seiner Natur nach selbst borniert, strebt es nach universeller Entwicklung der Produktivkräfte und wird so die Voraussetzung neuer Produktionsweise, die gegründet ist nicht auf die Entwicklung der Produktivkräfte, um einen bestimmten Zustand zu reproduzieren und höchstens auszuweiten, sondern wo die – freie, ungehemmte, progressive und universelle Entwicklung der Produktivkräfte selbst die Voraussetzung der Gesellschaft und daher ihrer Reproduktion bildet; wo die einzige Voraussetzung das Hinausgehn über den Ausgangspunkt. Diese Tendenz – die das Kapital hat, aber die zugleich ihm selbst als einer bornierten Produktionsform widerspricht und es daher zu seiner Auflösung treibt – unterscheidet das Kapital von allen frühren Produktionsweisen und enthält zugleich das in sich, daß es als bloßer Übergangspunkt gesetzt ist. Alle bisherigen Gesellschaftsformen gingen unter an der Entwicklung des Reichtums – oder, was dasselbe ist, der gesellschaftlichen Produktivkräfte. Bei den Alten, die das Bewußtsein hatten, wird der Reichtum daher direkt als Auflösung des Gemeinwesens denunziert. Die Feudalverfassung ihrerseits ging unter an städtischer Industrie, Handel, moderner Agrikultur. (Sogar an einzelnen Erfindungen, wie Pulver und Druckerpresse.)“ (Grundrisse, Seite 445-446).

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Zirkulationskosten

“Indes kommt hier ein Moment hinzu: die Zirkulationskosten, die nicht im einfachen Begriff der Zirkulation liegen und uns hier noch nichts angehn. Von den Zirkulationskosten, die aus der Zirkulation als ökonomischem Akt – als Produktionsverhältnis, nicht als unmittelbar Produktionsmoment wie bei den Transport- und Kommunikationsmitteln hervorgehn, kann erst beim Zins und namentlich beim Kredit die Rede sein. Die Zirkulation, wie wir sie betrachten, ist Verwandlungsprozeß, qualitativer Prozeß des Werts, wie er in der verschiednen Form von Geld, Produktionsprozeß, Produkt, Rückverwandlung in Geld und Surpluskapital erscheint. Soweit innerhalb dieses Verwandlungsprozesses als solchen – in diesem Übergehn aus einer Bestimmung in die andre neue Bestimmungen sich erzeugen. Die Kosten der Zirkulation sind nicht notwendig eingeschlossen z.B. in dem Übergang von Produkt zu Geld. Sie können = 0 sein. Insofern indes die Zirkulation selbst Kosten macht, selbst Surplusarbeit erheischt, erscheint sie selbst als in den Produktionsprozeß eingeschlossen. Nach dieser Seite erscheint die Zirkulation als Moment des unmittelbaren Produktionsprozesses.” (Grundrisse, 430)

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Verhältnis vs. Sache in den “Grundrissen”

“Geld bleibt immer dieselbe Form in demselben Substrat und kann so leichter als bloße Sache aufgefaßt werden. Aber dasselbe, Ware, Geld etc. können Kapital vorstellen oder Revenu etc. Es ist so selbst den Ökonomen klar, daß Geld nichts Handgreifliches ist; sondern daß dieselbe Sache bald unter der Bestimmung Kapital, bald unter einer andren und entgegengesetzten Bestimmung subsumiert sein kann und danach Kapital ist oder nicht ist. Es ist offenbar so ein Verhältnis und kann nur ein Produktionsverhältnis sein.” (Grundrisse, Seite 421)

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Ökonomische Literatur des Ostblocks

Die Literatur zur politischen Ökonomie und zur Planwirtschaft, die in den Planwirtschaften des 20. Jahrhunderts, sagen wir ab den 1930er Jahren, geschrieben wurde, hatte einen widersprüchlichen Charakter. Die dauerhaften wissenschaftlichen Leistungen sind rasch besprochen: Hier ging es um die Herausgabe der Werke von Marx und Engels. Aber so nützlich und bleibend diese Leistung ist, sie hat mit dem eigenen Tun des bürokratischen Apparates in den besagten Planwirtschaften wenig zu tun.

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Das Eigentum (4)

Wir denken bei dem Begriff „Eigentum“ zuerst an ein Ding, da jemand hat – also an eine verdinglichte Form, sei es in Form von Geld, Münze oder Gebrauchsgegenstand. In der Analyse von Marx ist der Begriff Eigentum aber etwas ganz anderes. Der Ursprung des Eigentums liegt im Zusammentreffen von der Erde als „Laboratorium“ des Menschen und dessen Gattungswesen, die eigene Umwelt zur verlängerten Hand zu machen, als Werkzeug.

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Endlichkeit der Bedürfnisse im Kommunismus?

Ein beliebtes Thema, von Ernst Mandel bis Alex Callinicos, um nur zwei zu nennen. Ihr Tenor: Bedürfnisse sind endlich, weil vernünftig, weil anthropologisch definiert. Auch Marx kam in seinen Schriften immer wieder zu der “Natur des Menschen”, aber er stolperte dabei nicht in eine Art Biologismus, wie einige seine Nachfolger im 20. Jahrhundert.  Der einzige Absolutpunkt des Menschen, also jener Punkt, wo er nicht bloß seine geschichtliche Bestimmtheit als Produktionsverhältnis reproduziert … ist sein Gattungswesen, die gemeinsame Aneignung der “sog. Natur”, wie Marx in den Grundrissen die Natur im Gegensatz zum Menschen, zu der auch der Mensch gehört, sehr clever benennt. Ansonsten aber ist der Mensch, soweit er nicht selbst seine Beschränktheit durch die jeweiligen Produktionsverhältnisse reproduziert, unbeschränkt, universell. Es gibt daher auch keine Endlichkeit der Bedürfnisse, außer eben jene, die die Produktionsweise dem Menschen aufzwingt.

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Das Eigentum (3)

Welche Form das Eigentum in den alten Gesellschaften annahm, ob als der Besitz der eigentumslosen Massen wie in der asiatischen Produktionsweise, oder ob das Gemeineigentum bloß die Vermittlung des Privateigentums oder genau umgekehrt ist, hängt nach Marx mit der initialen Geschichte einer Gemeinschaft und mit der Naturausstattung, die diese für die Agrarwirtschaft vorfindet, zusammen. Es ist das – anthropologisch gesehen – Gattungswesen Mensch (vgl. die Frühschriften von Karl Marx bis 1846), das ihn nur als Gesellschaft existieren lässt und es ist die Historie der Gesellschaft, die die Eigentumsform für den Einzelnen festschreibt.

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Das Eigentum (2)

Der Gegensatz zwischen Land und Stadt ist bei Marx kein Gegensatz zwischen unterschiedlichen Lebenschancen, also nicht aus dem Blickwinkel des angeblich isolierten Individuums mit einem Set an Wahlmöglichkeiten betrachtet. Es ist kein Gegensatz zwischen Schmutz und Grün, zwischen Hektik und Idylle.

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Das Eigentum (1)

Das Eigentum ist eines der interessantesten Phänomene der Geschichte. Zuerst erscheint im bürgerlichen Bewusstsein das Eigentum als eine Beziehung des Eigentümers zu einer Sache, die Sache selbst kann auch wieder ein Mensch sein, wie in der Sklaverei. Beim genaueren Hinsehen würde man diesen Satz umformulieren in ein: Das Eigentum ist eine Beziehung zwischen Menschen über eine Sache. Es ist also kein Phänomen, das in der Natur des Gegenstandes, der das Eigentum darstellt, liegt, sondern in der Natur der Gesellschaft. Wir sagen daher nicht: Wasser eignet sich zu der Eigenschaft, Eigentum von jemanden zu sein; sondern wir sagen: Unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen wird Wasser zum Eigentum. Eine bürgerliche Theorie meint nun, Sachen, die knapp sind, eignen sich als Eigentum; Sachen die im Überfluss existieren, nicht. Aber Knappheit und Überfluss selbst sind keine Eigenschaften einer Sache, sondern in Bezug auf eine bestimmte Gesellschaft, in Bezug auf eine bestimmte Produktion. So

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Ware, Austausch und Zirkulation

http://wirtschaftskrise.blogworld.at/2016/12/01/2007/


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Der Neuwert (4)

Der Neuwert ist hier der realisierte Mehrwert:

„Das Kapital ist jetzt also wieder als Geld gesetzt und das Geld daher in der neuen Bestimmung von realisiertem Kapital, nicht bloß als realisierter Preis der Ware. Oder die im Preis realisierte Ware ist jetzt realisiertes Kapital. Diese neue Bestimmung des Geldes oder vielmehr des Kapitals als Geld werden wir später betrachten. Zunächst, der Natur des Geldes nach erscheint am Kapital – indem es in Geld verwandelt ist – nur gemessen der Neuwert, den es geschaffen; d.h., es wiederholt sich die erste Bestimmung des Geldes als des allgemeinen Maßes der Waren; jetzt als Maß des Mehrwerts – der Verwertung des Kapitals.“

(…)

„In der ersten Bestimmung, dem Maß, erscheint der Neuwert zwar Reproduktion und Akkumulation des Kapitals gemessen; aber der Unterschied nur formell; statt Surplusarbeit Geld – in einer bestimmten Ware vergegenständlichte Surplusarbeit“ (Grundrisse 361)

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Surpluslohn

Der Surpluslohn

Marx beschäftigt sich in den Grundrissen mit dem Thema Surpluslohn in Auseinandersetzung mit Proudhon. Und auch heute noch taucht mitunter das Argument auf, fallende Preise, die auch der Arbeiterklasse als Konsument zugutekommen, die Tatsache, dass ihre Surplusarbeit den Profit des Kapitals bilden, ausgleichen könnten.

„Und auf solche Proportionen reduziert sich der Surpluslohn, den der Arbeiter im besten Fall macht durch das Sinken des Preises in dem Geschäftszweige, worin er selbst beschäftigt ist, unter den notwendigen Wert. (…) im besten Fall ist sein Surpluslohn bestimmt durch das Verhältnis der notwendigen Arbeitszeit zur Surplusarbeitszeit. In eigentlichen Luxusindustrien, von deren Konsum er selbst ausgeschlossen ist, ist er immer = 0. (…)“ (Grundrisse, 350)

„Es folgt hieraus, daß, wenn der Kapitalist, etwa aus Rücksicht auf Herrn Proudhon, seine Waren zu den Produktionskosten verkaufte, die sie ihm machten, und sein Gesamtprofit = 0, dies nur ein Transfer des Surpluswerts oder Surplusarbeitszeit vom Kapitalisten A auf B, C, D etc. wäre und in bezug auf seinen Arbeiter im besten Fall der Gewinn – d.h. sein Anteil an seiner eignen Surplusarbeit – sich beschränken würde auf den Teil des Salairs, den er konsumiert in der depreziierten Ware; und wenn er seinen ganzen Arbeitslohn in ihr spendete81, nicht größer sein könnte als im Verhältnis, worin die notwendige Arbeit zum Gesamtprodukt steht (im obigen Beispiel 20:200 = 1/10, 1/10 auf 20 = 2 Taler).“ (Grundrisse, 353)

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Die Methode Marx

Klingt logisch: wir müssen uns auch die Abstraktion von Zufälligem bei der Analyse der sozialistischen Ökonomie zu eigen machen. Marx jedenfalls –und das ist nur eine Passage von vielen –:

“Daß (…) das Kapital die notwendige Arbeit zu betrügen sucht und sie unter ihren Maßstab sowohl natürlichen als in einem bestimmten Gesellschaftszustand gegebnen herabzusetzen, gehört nicht hierher. Wir haben hier überall zu unterstellen, daß der ökonomisch gerechte, d.h. durch die allgemeinen Gesetze der Ökonomie bestimmte Arbeitslohn bezahlt wird. Die Widersprüche müssen hier aus den allgemeinen Verhältnissen selbst folgen; nicht aus Prellereien der einzelnen Kapitalisten. Wie in der Realität sich das weiter gestaltet, gehört in die Lehre vom Salair.” (Grundrisse 340)

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Überproduktion hier und dort

Marx an einer Stelle in den “Grundrissen”:

“(Die Dummheit von der Unmöglichkeit der Überproduktion (in andren Worten, die Behauptung der unmittelbaren Identität des Produktionsprozesses und Verwertungsprozesses des Kapitals) ist sophistisch wenigstens, d.h. geistreich, wie oben erwähnt, so von James Mill ausgedrückt worden, daß die Zufuhr = ihrer eignen Nachfrage, also Nachfrage und Zufuhr sich decken, was in andren Worten nur dasselbe heißt, als daß der Wert durch die Arbeitszeit bestimmt ist, also der Austausch nichts zu ihm hinzufügt, wobei nur vergessen ist, daß der Austausch stattfinden muß und dieses vom Gebrauchswert abhängt (in letzter Instanz). Also, wie Mill sagt, wenn Nachfrage und Zufuhr sich nicht decken, dies daher rührt, daß von einem bestimmten Produkt (dem zugeführten) zu viel, und vom andren (dem nachgefragten) zu wenig produziert ist. Dies Zuviel und Zuwenig betrifft nicht den Tauschwert, sondern den Gebrauchswert. Es ist mehr von dem zugeführten Produkt als davon „gebraucht“ wird; darauf kömmt der Witz heraus. Also, daß die Überproduktion vom Gebrauchswert und daher vom Austausch selbst herrührt. Bei Say dies stultifiziert, Produkte tauschen sich nur um gegen Produkte; es ist also höchstens von einen zu viel, von andren zu wenig produziert. Dabei vergessen, 1. daß Werte sich gegen Werte austauschen und ein Produkt sich nur gegen das andre austauscht, soweit es Wert ist; d.h., soweit es Geld ist oder wird; 2. sich gegen Arbeit austauscht. Der brave Mann tritt auf den Standpunkt des einfachen Austauschs, auf dem in der Tat keine Überproduktion möglich ist, weil es sich in der Tat nicht um den Tauschwert, sondern um den Gebrauchswert handelt. Die Überproduktion findet statt in bezug auf die Verwertung, not else.)”

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Proportionen – heute und morgen

Proportionen der globalen Gesamtwirtschaft, auch zwischen Konsumgüter- und Investitionsgüterindustrie (bei Marx: Abteilung II und Abteilung I):

Im Kapitalismus: Wenn wir unterstellen, dass in Summe gesehen die Konsumgüter identisch mit der notwendigen Arbeit sind, also wenn alle Menschen entweder zu der Arbeiterklasse gehören würden oder zu den Kapitalisten und dass die persönliche Renevue der Kapitalisten trotz Luxusproduktion verschwindend gering ist gegenüber dem bescheidenen Konsum der Arbeiterklasse, die aber durch ihre große Zahl die Größe des Konsums bestimmt.

Freilich, die notwendige Arbeit der Gesamtklasse ist als Wertrealisation auch die Surplusarbeit der konsumgüterherstellenden Industrie:

“Das Kapital zwingt die Arbeiter hinaus über die notwendige Arbeit zur Surplusarbeit. Nur so verwertet es sich und schafft Surpluswert. Aber andrerseits setzt es die notwendige Arbeit nur, soweit und insofern sie Surplusarbeit ist und diese realisierbar ist als Surpluswert. Es setzt also die Surplusarbeit als Bedingung für die notwendige und den Surpluswert als Grenze für vergegenständlichte Arbeit, Wert überhaupt. Sobald es die erstre nicht setzen kann, setzt es die letztre nicht, und auf seiner Grundlage kann nur es sie setzen. Es beschränkt also – wie die Engländer sich ausdrücken durch artificial check – Arbeit und Wertschöpfung, und zwar aus demselben Grunde, warum und insofern es Surplusarbeit und Surpluswert setzt.” (Grundrisse, 336)

In der Planwirtschaft ist das Verhältnis zwischen Konsumgüter- und Investitionsgüterindustrie die wichtigste Relation, deren Verschiebung Quelle der Querproduktion ist, dem Stoff der Akkumulation. Aber dieses Verhältnis ist nicht mehr gleich jenem zwischen Landwirtschaft und Industrie, da erstere auch industriell betrieben und erst recht kein Verhältnis zwischen Bioproduktion und abiotische Produktion.

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Ein gemeinsamer Fehler

Wie  Cliffs Theorie des Staatskapitalismus und Stalins Konzept der sozialistischen Ware zusammenhängen

Tony Cliff nahm sicher an, sein Buch „Staatskapitalismus in Russland“ (1955) füge der Kritik Trotzkis an den Stalinisten noch eine gute Portion hinzu, wird doch Stalins Russland als kapitalistisch geschmäht. Zuerst einmal: Was ist daran so bemerkenswert? Sprach nicht bereits Lenin von „unserem Staatskapitalismus“? Und sprach nicht Preobrazenskij von „unserer warensozialistischen Ökonomie“? Gewiss, aber als Lenin von Staatskapitalismus sprach, steckte die Planwirtschaft noch in den Kinderschuhen und auch Preobrazenskij bezog sich darauf, dass zwar die Industrie sozialistisch sei, aber die gesamte Landwirtschaft und der Großteil des Handels kapitalistisch. Sein berühmtes Buch „Die neue Ökonomik“ (1926) handelte eben von genau der Beziehung zwischen dem sozialistischen Sektor und dem kapitalistischem, der vor der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und des Handels (1928-1932) tatsächlich noch riesig war. Das wusste freilich auch Tony Cliff. Er bezog sich nicht auf diese Phase, sondern auf die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg und in dieser gab es de facto kein Privatkapital mehr. Übrigens: In den 1950er Jahren erschien nicht nur Cliffs Buch, sondern auch Stalins Artikel zu der Weiterexistenz der Ware „in unserem System“ (Josef Stalin, Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR, Moskau 1952).

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Herrschaftsverhältnis vs. Kapitalverhältnis

“Es unterscheidet eben das Kapital von dem Herrschaftsverhältnis, daß der Arbeiter ihm als Konsument und Tauschwertsetzender gegenübertritt, in der Form des Geldbesitzenden, des Geldes, einfaches Zentrum der Zirkulation – eines der unendlich vielen Zentren derselben wird, worin seine Bestimmtheit als Arbeiter ausgelöscht ist.” (Grundrisse 335)

Im Feudalismus hingegen ist Schein und Wirklichkeit eins, ein Herrschaftsverhältnis.

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Grundrisse 327

„Die freie Konkurrenz, wie Herr Wakefield in seinem Kommentar zu Smith richtig herauswittert, ist noch nie entwickelt worden von den Ökonomen, soviel von ihr geschwatzt wird und sosehr sie die Grundlage der ganzen bürgerlichen, auf dem Kapital beruhenden Produktion. Sie ist nur negativ verstanden worden: d.h. als Negation von Monopolen, Korporation, gesetzlichen Regulationen etc. Als Negation der feudalen Produktion. Sie muß aber doch auch etwas für sich sein, da bloß 0 leere Negation ist, Abstrahieren von einer Schranke, die z.B. in der Form von Monopol, natürlichen Monopolen etc. sofort wieder auf -ersteht. Begrifflich ist die Konkurrenz nichts als die innre Natur des Kapitals, seine wesentliche Bestimmung, erscheinend und realisiert als Wechselwirkung der vielen Kapitalien aufeinander, die innre Tendenz als äußerliche Notwendigkeit.)“ (Grundrisse 327)

Hier wird deutlich, dass die innere Gesetzmäßigkeit des Kapitalismus und die äußere Form (z.B. das Monopol) durchaus nicht auf einer Ebene liegen. Es kann also keine Phase des Konkurrenzkapitalismus geben, die einer Phase des Monopolkapitalismus gegenübersteht.

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Thomas Hogdskin 1827

Thomas Hogdskin wurde von der Nachwelt sowohl als Liberaler, als auch als Sozialist oder auch als Anarchist gehandelt. Wir sehen ihn als Vertreter der fortschrittlichen politischen Ökonomie der 1820er Jahre.

Marx zitierte in den 1851 angelegten Exzerpthefte u.a. Malthus, Ricardo und Hodgskin. und verwendet Passagen aus den Exzerptheften 1858 in den Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie:

„In dem gegenwärtigen Zustand vermehrt jede Akkumulation von Kapital die Masse Profit, die dem Arbeiter abgefordert wird, und beseitigt alle jene Arbeit, die bloß Arbeiter eine bequeme Existenz verschaffen würde … Profit als Schranke der Produktion.“ (IX, p.46.)

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Einige Korrekturen

Einige Korrekturen zu dem Beitrag “Mehrarbeit in der Planwirtschaft?” von 2012 (http://plannedeconomy.blogworld.at/2012/10/20/mehrarbeit-in-der-planwirtschaft/)

Dass es inkonsequent ist, die Kategorie “Mehrarbeit” für die Planwirtschaft abzulehnen, aber dennoch ein “Mehrprodukt” auszumachen, ist in einigen Blog-Beiträgen mit dem Titel “Mehrprodukt – Querprodukt” aufgezeigt worden.

Die Terminologie war aber nicht der einzige Fehler in dem Beitrag “Mehrarbeit in der Planwirtschaft?”. Respektive eine Passage aus Karl Marx, Das Kapital, Band III, Seite 654 wurde falsch interpretiert.

Hier nun die fehlerhafte Passage korrigiert:

a) Der Begriff Mehrarbeit

Wiederholen wir den initialen Vorgang für die Akkumulation: Ein Anstieg der Produktivität ist nur möglich, indem – zumindest vorübergehend – eine Verlagerung der ökonomischen Ressourcen von der Konsumgüterabteilung in die Produktionsmittelabteilung stattfindet: also – wiederum zumindest vorübergehend – relativ weniger Konsum pro Arbeitszeit möglich ist. Die gängige Vorstellung ist nun, dass sobald der Konsum im Verhältnis zur Arbeitszeit bzw. Arbeitsintensität fällt, „Mehrarbeit“ stattfinde. Ist es nicht so im Kapitalismus wie auch in den alten Produktionsweisen (Feudalismus, Sklaverei, asiatische Produktionsweise)? Weshalb sollte es in der Planwirtschaft anders zugehen: Es wird zwar kein Mehrwert produziert, weil die Wirtschaft nicht um einen Tauschwert kreist, aber immerhin doch ein Mehrprodukt! Und die Quelle des Mehrprodukts ist doch Mehrarbeit, oder?

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Antwort an Gerhard zu dem Artikel “Der blinde Fleck”

Das Buch von Preobrazenskij spricht beides an: Ökonomie des sozialistischen Sektors (oder perspektivisch: des Sozialismus) und andererseits Ökonomie der Übergangsgesellschaft, nur letzteres könnte man auch als Theorie der ursprünglichen sozialistischen Akkumulation bezeichnen. Diese bedeutet, dass der Austausch zwischen kapitalistischen und sozialistischen Sektor nicht nach dem Wertgesetz stattfindet, sondern dass der Arbeiterstaat die Austauschbeziehungen bestimmen kann – also immer vorausgesetzt, er hat genügend “Marktmacht” dazu. Die Ursprüngliche … bedeutet aber auch, dass Kapitalismus neben der Planwirtschaft existiert und dass letztere noch nicht eine kritische Masse erreicht hat, die ein rein ökonomisches Überholen des Kapitalismus in Sachen Arbeitsproduktivität ermöglicht. Deswegen ist das Brechen des Wertgesetzes zugunsten der Planwirtschaft notwendig.
Umgekehrt bedeutet dies: Dort, wo dies nicht mehr notwendig, hat die Planwirtschaft den Kapitalismus (auch den der Vergangenheit) in Sachen Arbeitsproduktivität überholt. Erst an diesem Punkt beginnt der Sozialismus und endet die Übergangsgesellschaft. Das ist auch der Grund, weshalb es im Sozialismus keinen Klassenkampf gibt, sondern nur noch Auseinandersetzungen zwischen Gruppen, die auf dem Boden der sozialistischen Produktionsweise stehen. Wenn letztere mehr Güter in besserer Qualität und in geringerer Arbeitszeit als in allen früheren Epochen herstellen kann, gibt es auch keinen Sog zurück zu einer früheren Produktionsweise.

Das Buch von Preobrazenskij spricht beides an: Ökonomie des sozialistischen Sektors (oder perspektivisch: des Sozialismus) und andererseits Ökonomie der Übergangsgesellschaft, nur letzteres könnte man auch als Theorie der ursprünglichen sozialistischen Akkumulation bezeichnen. Diese bedeutet, dass der Austausch zwischen kapitalistischen und sozialistischen Sektor nicht nach dem Wertgesetz stattfindet, sondern dass der Arbeiterstaat die Austauschbeziehungen bestimmen kann – also immer vorausgesetzt, er hat genügend “Marktmacht” dazu. Die Ursprüngliche … bedeutet aber auch, dass Kapitalismus neben der Planwirtschaft existiert und dass letztere noch nicht eine kritische Masse erreicht hat, die ein rein ökonomisches Überholen des Kapitalismus in Sachen Arbeitsproduktivität ermöglicht. Deswegen ist das Brechen des Wertgesetzes zugunsten der Planwirtschaft notwendig.

Umgekehrt bedeutet dies: Dort, wo dies nicht mehr notwendig, hat die Planwirtschaft den Kapitalismus (auch den der Vergangenheit) in Sachen Arbeitsproduktivität überholt. Erst an diesem Punkt beginnt der Sozialismus und endet die Übergangsgesellschaft. Das ist auch der Grund, weshalb es im Sozialismus keinen Klassenkampf gibt, sondern nur noch Auseinandersetzungen zwischen Gruppen, die auf dem Boden der sozialistischen Produktionsweise stehen. Wenn letztere mehr Güter in besserer Qualität und in geringerer Arbeitszeit als in allen früheren Epochen herstellen kann, gibt es auch keinen Sog zurück zu einer früheren Produktionsweise.

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Übergangsgesellschaft (1)

Jede Übergangsgesellschaft befindet sich notwendigerweise im Konflikt mit dem Kapitalismus – “friedliche Koexistenz” kann es nicht geben:

“Erschien die Zirkulation zunächst als gegebene Größe, so erscheint sie hier als bewegte und durch die Produktion selbst sich ausdehnende. Danach erscheint sie schon selbst als ein Moment der Produktion”. (Grundrisse, 321)

Die Idee der “orthodoxen Marxisten”, die Produktionssphäre vor die Distributionssphäre zu stellen, ist falsch – es handelt sich um einen Prozess.

Marx weiter:

“Die Tendenz, den Weltmarkt zu schaffen, ist unmittelbar im Begriff des Kapitals selbst gegeben.” (ibid)

weil:

“Die Schöpfung von absolutem Mehrwert durch das Kapital – mehr vergegenständlichte Arbeit – hat zur Bedingung, daß sich der Zirkel der Zirkulation erweitert, und zwar beständig erweitert.” (Ibid)

Die Nationalökonomie behandelt hingegen den “auswärtigen Handel” als Sonderfall zur inneren Produktion.

“Der Handel erscheint hier nicht mehr als zwischen den selbstständigen Produktionen zum Austausch ihres Überflusses vorgehende Funktion, sondern als wesentlich allumfassende Voraussetzung und Moment der Produktion selbst.” (ibid.)

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Der “Neuwert” (3)

in den Grundrissen, MEW 42, Seite 310, ist der Neuwert der Wert der in einem Produktionszyklus neu hinzugekommenen Werte, zuerst in zusätzlichen Waren.  Er ist aber nicht identisch mit dem Warenwert dieser Waren, da in diesen auch die von den Produktionsmitteln übertragenen Werte. Neuwert = nur die neuen Werte, daher identisch mit dem Mehrwert.

Ein direktes Äquivalent in der Planwirtschaft gibt es nicht. Hier kann folgendes zählen:

0) Menge oder Aufwand für die Herstellung der Produkte

1) Summe der Arbeitszeit (oder ähnlicher Einheiten), die für die Produktion und Erhalt der Produktionsmittel aufgewendet wurde.

2) Verhältnis von Arbeitszeit (oder ähnlicher Einheiten) / aktuell bzw. historisch zu Output in Stück / Qualität gemessen.

3) Das Querprodukt / Querarbeit (von Konsumgüterindustrie in Produktionsmittelindustrie)

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Der blinde Fleck

Die revolutionäre, kommunistische Linke hat seit fast hundert Jahren an einem Punkt ihrer Theorie-Produktion einen blinden Fleck, noch dazu zu allem Unglück an einer Stelle, wo sie sich mit der Theorie-Produktion des Stalinismus überschneidet. Dieser blinde Fleck befindet sich auf dem Gebiet der ökonomischen Theorie der Planwirtschaft.

Das soll an einem Beispiel verdeutlicht werden. Auf die Frage, wann denn das Geld nach der Überwindung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse von der Bühne abtritt, antwortet die revolutionäre Linke: „Das Geld wird nicht abgeschafft, es stirbt irgendwann einmal von selbst ab – so wie der Staat. Versuche, das Geld vor seiner Zeit abzuschaffen, ist eine ultralinke, subjektivistische Ansicht.“

Der Punkt ist nun der, dass diese Antwort zwar an sich sachlich richtig ist. Aber dennoch eine falsche Theorie bildet. Denn sie macht aus einer ökonomischen Frage eine politische. Das allein ist ganz bezeichnend für die Methode, mit der revolutionäre Kommunisten an die Frage herangehen. Sie fühlen sich verantwortlich für das Handeln in einer (zukünftigen) postkapitalistischen Gesellschaft, deswegen gehen sie von der Frage des richtigen Handelns aus. Indes, sie müssten als Anhänger des dialektischen Materialismus zuerst die Frage ökonomisch beantworten – und von dieser Grundlage aus Optionen des Handelns definieren. Alles andere hat eine Schieflage in Richtung eines „kommunistischen Idealismus“.

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Der “Neuwert” (2)

“Vermindert sich nicht der absolute Neuwert, obgleich der relative wächst, sobald in die Bestandteile des Kapitals verhältnismäßig mehr Material und Instrument zur Arbeit eingeht? Es wird im Verhältnis zu einem gegebnen Kapital weniger lebendige Arbeit angewandt; also wenn auch der Überschuß dieser lebendigen Arbeit über ihre Kosten größer ist und daher der Prozentsatz eben in bezug auf den Arbeitslohn sich vergrößert, d.h. der Prozentsatz in bezug auf das wirklich konsumierte Kapital, wird der absolute Neuwert nicht notwendig relativ kleiner als bei dem Kapital, das weniger Arbeitsmaterial und Instrument (dies namentlich ist der Hauptpunkt in der Veränderung des unveränderten, i.e. durch den Produktionsprozeß als Wert unveränderten Werts) anwendet und mehr lebendige Arbeit; eben weil mehr lebendige Arbeit relativ angewandt wird?” (Grundrisse 294)

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Nocheinmal zur Frage der “Grundbedürfnisse”

Denn selbst wenn die Geschichte, die Kultur, das Bewusstsein, die Politik und so weiter im Großen und Ganzen – samt existierenden Wechselwirkungen zwischen Basis und Überbau – auf letzteren zurückzuführen ist und die Ideologie auf ihre wahren Interessen entzaubert werden kann, muss, wie Ludwig Feuerbach bemerkte, die Philosophie doch irgendwo beginnen, eine nicht zu hinterfragende erste Voraussetzung haben.1 Eben das ist für die spätere Philosophie kein Problem mehr, ja, sie legt eben genau auf ihre jeweilige Voraussetzung den größten Wert und definiert sich über diesen – wie etwa der Strukturalismus oder der Postmodernismus. Diese Philosophie gibt sich von Haus aus bescheiden. Aber der deutschen Idealismus und den dialektischen Materialismus geht im Gegensatz dazu davon aus, dass sie die ganze Welt erklären können.

Was sind nun die Voraussetzungen für Marx und Engels gewesen? Marx selbst sagt ja, dass sein Geschichtsverständnis nicht völlig voraussetzungslos sei. Zuerst knüpft es bei der physischen Existenz des Menschen selbst an und kann diese nicht in Frage stellen. Diese ist, wenn man so will, die Substanz der Geschichte, „ihre DNA“. Insofern ist Geschichte immer die des Lebens. Und die unbelebte Materie, die etwa Friedrich Engels in den 1880er Jahren in die Geschichte miteinbezog, ist genauso der Veränderung unterworfen wie die lebendige und untrennbar Teil der lebendigen Vgl. aber auch bereits: Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, 1844, MEW 40. Hier wird die unbelebte Natur als zweite Körperhülle der Gattung Mensch gesehen, die durch Arbeit zum Körper wird.

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Absoluter und relativer Mehrwert

Marx führt in den Grundrissen, Heft 3, absoluter und relativer Mehrwert, aus, dass bei einem allgemeinen Anstieg der Arbeitsproduktivität der Mehrwert, der Profit und somit der Gesamtwert des Kapitals steigen kann, ohne dass mehr Güter produziert werden – dank des relativen Mehrwerts. Es ist auf den ersten Blick nicht ganz leicht, dies als Analogie auf die Planwirtschaft zu übertragen. Aber es geht:

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Der vergessene Gebrauchswert (4)

Die konkret nützliche Arbeit hat im Kapitalismus noch eine andere, ebenfalls in der Literatur oft vergessene Eiegnschaft. Sie ist als Werterhalterin Objekt der unendgeldlichen Aneignung durch das Kapital. Es wird also nicht nur der Mehrwert angeeignet:

Es zeigt sich also, daß vermittelst des Austauschprozesses mit dem Arbeiter der Kapitalist – indem er in der Tat dem Arbeiter ein Äquivalent zahlt für die in seinem Arbeitsvermögen enthaltnen Produktionskosten, d.h. ihm die Mittel gibt, sein Arbeitsvermögen zu erhalten – sich aber die lebendige Arbeit aneignet, zweierlei gratis erhält, erstens die Surplusarbeit, die den Wert seines Kapitals vermehrt, aber zugleich zweitens die Qualität der lebendigen Arbeit, die die in den Bestandteilen des Kapitals materialisierte vergangne Arbeit erhält und so den vorher existierenden Wert des Kapitals erhält.” (Grundrisse, 282)

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Der vergessene Gebrauchswert (3)

In der Literatur wird der Widerspruch – sagen wir hier im Folgenden einfach Gegensatz – zwischen Tauschwert und Gebrauchswert mitunter mit einem anderen Gegensatz gekreuzt: Mit jenem zwischen Privatarbeit und gesellschaftlicher Arbeit. Dabei wird angenommen, dass letztlich nur gesellschaftliche Arbeit in den Kapitalzyklus eingeht, nur jene Produktionswerte vom Markt anerkannt werden, die der „gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit“ entsprechen und dass die Vermittlung von ursprünglicher Privatarbeit zur gesellschaftlichen Arbeit über den Tauschwert erfolgt. Die Vermittlung setzt also bei der abstrakten Arbeit an und nicht bei der konkret nützlichen Arbeit.

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Der vergessene Gebrauchswert (2)

Der Zusammenhang zwischen Tauschwert und Gebrauchswert bzw. abstrakter Arbeit und konkret-nützlicher Arbeit sehr deutlich bei Marx:

Das Quantum der vergegenständlichten Arbeit wird erhalten, indem ihre Qualität als Gebrauchswerte für fernere Arbeit erhalten wird durch den Kontakt mit der lebendigen Arbeit. Der Gebrauchswert der Baumwolle wie ihr Gebrauchswert als Garn wird dadurch erhalten, daß sie als Garn verwebt wird; dadurch, daß sie als eines der gegenständlichen Momente (neben dem Spinnrad36) im Weben existiert. Dadurch erhält sich also auch das Quantum Arbeitszeit, das in der Baumwolle und Baumwollgarn enthalten war. Was im einfachen Produktionsprozeß als Erhalten der Qualität der vorhergegangnen Arbeit – und dadurch auch des Materials, worin sie gesetzt ist – erscheint, erscheint im Verwertungsprozeß als Erhalten des Quantums der schon vergegenständlichten Arbeit.” (Grundrisse, Seite 280)

Und:

Die lebendige Arbeit setzt ein neues Arbeitsquantum zu; aber nicht durch dieses quantitative Zusetzen erhält sie das schon vergegenständlichte Arbeitsquantum, sondern durch ihre Qualität als lebendige Arbeit oder dadurch, daß sie sich als Arbeit zu den Gebrauchswerten verhält, worin die vergangne Arbeit existiert” (Grundrisse, Seite 281)

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Der vergessene Gebrauchswert (1)

Die Trennung des Wertes einer Ware in Tauschwert und Gebrauchswert war die wichtigste Entdeckung der klassischen politischen Ökonomie. Umso eher sollten wir uns vergegenwärtigen, wie die vulgäre Lesart dieser Entdeckung lautet: Im Kapitalismus zählt nur der Tauschwert, in der Planwirtschaft nur der Gebrauchswert. Das ist falsch. Die Sache wird darauf reduziert, dass im Kapitalismus nur der Tauschwert zählt und man den Leuten den Gebrauchswert der Waren, die wegen des Tauschwertes hergestellt wurden, nachträglich schon noch einbläuen könne.

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Politische Ökonomie des Altertums: Ägypten

Manche Elemente der Urgesellschaft hielten sich im alten Ägypten länger als sonst wo im Mittelmeerraum, wie etwa die weitaus bessere Stellung der Frau oder die verzögerte Bildung eines eigenen, von der Güterproduktion befreiten Militärstandes. In dieser Hinsicht wirkte die Naturgunst der Nilschwemme konservativ. Die Entwicklung vom Gemeineigentum zum Privateigentum, wie etwa im griechischen Raum, war gehemmt. Auch deswegen, weil die Produktion des Gesamtproduktes nur durch eine gemeinschaftliche Leistung möglich war: einerseits die Bewässerungsanlagen, die das Nilwasser bzw. den Nilschlamm normal zum Flusslauf auf die Felder leitete, andererseits indem der Rhythmus der Agrarproduktion mittels astronomischer Beobachtungen in Korrelation zum Datum der Nilschwemme geplant werden konnte. So entstand einerseits die Beamtenkaste und andererseits die Priesterkaste. Offensichtlich in vordynastischer Zeit zuerst die Beamtenkaste, indem die „Gaufürsten“ die Bewässerungsanlagen organisierten. Diese Stellung muss zu Beginn noch keine soziale Arbeitsteilung bedeutet haben, sondern ein periodisch zu vergebendes Amt. Erst mit der Vereinigung der Gaue jeweils in dem oberen und unteren Reich und erst recht mit der Vereinigung des oberen mit dem unteren Reich in der ersten Dynastie war eine über die „Gaufürsten“ sich abhebende dauerhafte Beamtenkaste entstanden, an deren Spitze der Pharao stand und die Verbindung mit der Priesterkaste herstellte. Der religiöse Konflikt im 14. vorchristlichen Jahrhundert – Echnatons Erhöhung zum Amun-Re – war keine soziale Revolution, sondern bloß ein Konflikt um die Verwendung des Mehrproduktes unter dem veränderten Rhythmus des Nilhochwassers.

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Der “Neuwert” (1)

Der Neuwert im Kapitalismus (Marx, Grundrisse) und in der Planwirtschaft

“Aber es ist in der Tat auch ein Neuwert entstanden; nämlich 20 Taler mehr sind als selbständiger Wert gesetzt, als vergegenständlichte Arbeit, die freigeworden, entbunden ist davon, nur zum Austausch für die frühere Arbeitskraft zu dienen.” (Grundrisse 263)

Vgl. dazu die Verwendung des Begriffes “Neuwert” in planned economy nr. 9, wo der im Vergleich zur Reproduktion zusätzlich geschaffenes Produkt gemeint war – freilich nicht gemessen als Tauschwert, aber als Wert (Aufwand). Wüder man indes dies nur von der Ebene des Gebrauchswertes bzw. Stück/Qualität sehen, ließe sich die Akkumulation nicht messen, da ja mit einer Vergrößerung der Produktivkraft der Arbeit selbst bei gleicher Arbeitszeit mehr Produkte herstellen ließen.

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Die Frage der Akkumulation in der Planwirtschaft

Bei Marx heisst es in den Grundrissen:

Die Vermehrung der Produktivkraft der lebendigen Arbeit vermehrt den Wert des Kapitals (oder vermindert den Wert des Arbeiters) nicht dadurch, daß sie das Quantum der mit derselben Arbeit geschaffnen Produkte oder Gebrauchswerte vermehrt – Produktivkraft der Arbeit ist ihre Naturkraft –, sondern weil sie die notwendige Arbeit vermindert, also in demselben Verhältnis, worin sie diese vermindert, Surplusarbeit oder, was dasselbe ist, Surpluswert schafft; weil der Mehrwert des Kapitals, den es durch den Produktionsprozeß erlangt, überhaupt nur in dem Überschuß der Surplusarbeit über die notwendige Arbeit besteht. Die Vermehrung der Produktivkraft kann die Surplusarbeit nur vermehren – d.h. den Überschuß der im Kapital als Produkt vergegenständlichten Arbeit über die in dem Tauschwert des Arbeitstags vergegenständlichte Arbeit, soweit sie das Verhältnis der notwendigen Arbeit zur Surplusarbeit vermindert, und nur in dem Verhältnis, worin sie dies Verhältnis vermindert.” (Grundrisse 257)

Dieser Passus ist deswegen interessant, weil er zeigt: eine relative Verminderung der notwendigen Arbeit, d.h. eine Erhöhung der Mehrwertrate, muss nicht zu einer Vermehrung der Wertsumme der Produktion bzw. überhaupt zu einer Vermehrung der Produktion führen. Vermehrt hat sich bloß der Mehrwert.

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Das Arbeitsgeld bei Marx (21)

David Ricardo(1).jpg

David Ricardo(1)“ von Das Original wurde von Proesi in der Wikipedia auf Deutsch hochgeladen - Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch Stefan Bernd. Also http://www.global2000.at/images/ricardo.jpg. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Eigentlich geht es um Ricardo.

Ricardos Gedankengang ist einfach der: Produkte tauschen sich aus – also Kapital gegen Kapital – nach den Quanten vergegenständlichter Arbeit, die in ihnen enthalten sind. Arbeitstag tauscht sich immer aus gegen Arbeitstag. Dies ist Voraussetzung. Der Austausch selbst kann also ganz beiseite gelassen werden. Das Produkt – das Kapital als Produkt gesetzt – ist an sich Tauschwert, wozu der Austausch nur Form hinzufügt, bei ihm formelle Form. (…)  Ja, da der Austausch als solcher bloße Zirkulation ist – Geld als Zirkulation –, so ist es besser, ganz von ihm zu abstrahieren und bloß die Quota des materiellen Reichtums zu betrachten, die innerhalb des Produktionsprozesses oder als Resultat desselben an die verschiednen Agenten verteilt werden. (…) Der ganze Austausch, soweit er nicht größre materielle Varietät schafft, ist nominell. Da immer ein ganzer Arbeitstag gegen einen ganzen Arbeitstag ausgetauscht wird, bleibt die Summe der Werte dieselbe – das Wachstum der Produktivkräfte wirkt nur auf den Inhalt des Reichtums, nicht seine Form. Vermehrung der Werte kann daher nur entstehn durch vergrößerte Schwierigkeit der Produktion – und diese kann nur stattfinden da, wo die Naturkraft gleichen Quantis menschlicher Arbeit nicht mehr gleichen Dienst leistet, also die Fruchtbarkeit der natürlichen Elemente abnimmt – in der Agrikultur. Du Fallen der Profite wird daher verursacht durch die Rente.” (Grundrisse 251, 252)

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Mehrprodukt – Querprodukt (3)

Der duale Charakter der Mehrarbeit, nämlich Ausbeutung einerseits und Stoff aus dem die Zivilisation und damit auch die zukünftige Zivilisation gemacht ist, der ganze historische Charakter, den die Merharbeit auch auf die Arbeitskraft als Disziplinierung hat, beschreibt Marx in folgenden grundlegendem Passus:

Die große geschichtliche Seite des Kapitals ist, diese Surplusarbeit überflüssige Arbeit vom Standpunkt des bloßen Gebrauchswerts, der bloßen Subsistenz aus, zu schaffen, und seine historische Bestimmung ist erfüllt, sobald einerseits die Bedürfnisse so weit entwickelt sind, daß die Surplusarbeit über das Notwendige hinaus selbst allgemeines Bedürfnis ist, aus den individuellen Bedürfnissen selbst hervorgeht – andrerseits die allgemeine Arbeitsamkeit durch die strenge Disziplin des Kapitals, wodurch die sich folgenden Geschlechter durchgegangen sind, entwickelt ist als allgemeiner Besitz des neuen Geschlechts – endlich durch die Entwicklung der Produktivkräfte der Arbeit, die das Kapital in seiner unbeschränkten Bereicherungssucht und den Bedingungen, worin es sie allein realisieren kann, beständig voranpeitscht so weit gediehen ist, daß der Besitz und die Erhaltung des allgemeinen Reichtums einerseits nur eine geringre Arbeitszeit für die ganze Gesellschaft erfordert und die arbeitende Gesellschaft sich wissenschaftlich zu dem Prozeß ihrer fortschreitenden Reproduktion, ihrer Reproduktion in stets größrer Fülle verhält; also die Arbeit, wo der Mensch in ihr tut, was er Sachen für sich tun lassen kann, aufgehört hat.” (Grundrisse 244)

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Mehrprodukt – Querprodukt (2)

Wie heißt es in den Grundrissen zu dem Wert der Ware Arbeitskraft – die hier noch nicht Arbeitskraft heißt, aber gemeint ist -

Wie ist nun sein Wert bestimmt? Durch die vergegenständlichte Arbeit, die in seiner Ware enthalten ist. Diese Ware existiert in seiner Lebendigkeit. Um sie von heute auf morgen zu erhalten- von der Arbeiterklasse, also dem Ersatz für wear und tear, damit sie sich als Klasse erhalten kann, haben wir es noch nicht zu tun, da der Arbeiter hier als Arbeiter, daher als vorausgesetztes perennierendes Subjekt dem Kapital gegenübersteht, noch nicht als vergängliches Individuum der Arbeiterart – muß er bestimmte Masse Lebensmittel verzehren, das aufgezehrte Blut ersetzen etc. Er erhält nur ein Äquivalent. Also morgen, nach vollbrachtem Austausch – und wenn er den Austausch formell beendigt hat, führt er ihn erst aus im Produktionsprozeß, -existiert seine Arbeitsfähigkeit in derselben Weise wie zuvor- Er hat ein exaktes Äquivalent erhalten, denn der Preis, den er erhalten hat, läßt ihn im Besitz desselben Tauschwerts, den er vorher hatte. Das Quantum vergegenständlichte Arbeit, das in seiner Lebendigkeit enthalten ist, ist ihm vom Kapital gezahlt worden. Er hat es konsumiert, und da es nicht als Ding existierte, sondern als Fähigkeit in einem Lebendigen, kann er von wegen der spezifischen Natur seiner Ware – der spezifischen Natur des Lebensprozesses – den Tausch von neuem eingehn.” (Grundrisse, 242, 243)

Der Passus ist deswegen interessant, weil hier der Begriff Lohn nicht im Wege steht und eine schöne Durchsichtigkeit der Produktionsverhältnisse deutlich wird.

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Das Arbeitsgeld bei Marx (20)

bleiben wir vorerst bei der Arbeitszeit, oder eigentlich bei der Arbeit als Quantität:

Der Mehrwert, den das Kapital am Ende des Produktionsprozesses hat – ein Mehrwert, der als höherer Preis des Produkts erst in der Zirkulation realisiert wird, aber wie alle Preise in ihr realisiert werden, dadurch, daß sie schon ideell ihr vorausgesetzt sind, bestimmt sind, ehe sie in sie eingehn – heißt, dem allgemeinen Begriff des Tauschwerts gemäß ausgedrückt, daß die im Produkt vergegenständlichte Arbeitszeit – oder Quantum Arbeit (ruhend ausgedrückt, erscheint die Größe der Arbeit als Raumquantum, aber bewegt ausgedrückt, ist sie nur durch die Zeit meßbar) – größer ist als die in den ursprünglichen Bestandteilen des Kapitals vorhandne.” (Grundrisse, 240)

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Mehrprodukt – Querprodukt (2)

das ist bloß eine terminologische Frage: Wie soll jene Arbeit bzw. jenes Produkt heißen, dass in der Planwirtschaft den Akkumulationsbetrag ausmacht?

In diversen Ausgaben von planned economy wurde dies als Mehrprodukt bezeichnet, während der Begriff Mehrarbeit und nachtürlich erst recht “Mehrwert” vermieden wurde.

Das ist inkonsequent und nicht logisch. Denn Mehrarbeit schafft Mehrprodukt, welches in einer Warenwirtschaft auch Mehrwert ist. Mehrarbeit und Mehrprodukt sind nicht dasselbe (das eine ist Arbeit, das andere ist Produkt), stehen aber auch nicht in einen Gegensatz zueinander.

Die richtige Abgrenzung in planned economy, dass Mehrarbeit sich auf jenen Teil der Arbeit bezieht, der von der ausbeutenden Klasse den eigentlichen Produzenten entwendet wird, stimmt ja genauso für das Mehrprodukt.

An einer Stelle wurde mit dem Begriff “Neuprodukt” oder “Neuwert” experimentiert. Aber das trifft es nicht, denn Akkumulation in der Planwirtschaft wird nicht zwangsläufig durch eine zusätzliche Portion Arbeit oder Produkt eingeleitet, sondern bloß durch die Verlagerung einer Portion Arbeit oder Produkt von der Konsumgüterabteilung in die Produktionsmittelabteilung. Es ändert sich zwangsläufig das Verhältnis, nicht das Gesamtausmaß an Arbeit.

Daher wäre Querprodukt oder Querarbeit bzw. Transferprodukt oder Transferarbeit der passendere Begriff.

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Lohnarbeit ohne Kapital?

Diejenigen daher, die nachweisen, daß alle dem Kapital zugeschriebne Produktivkraft eine Verrückung ist, eine Transposition der Produktivkraft der Arbeit, vergessen eben, daß das Kapital selbst wesentlich diese Verrückung, diese Transposition ist und daß die Lohnarbeit als solche das Kapital voraussetzt, also auch ihrerseits betrachtet diese Transsubstantiation ist; der notwendige Prozeß, ihre eignen Kräfte als dem Arbeiter fremde zu setzen. Zugleich die Lohnarbeit bestehn lassen und das Kapital aufheben, ist daher sich selbst widersprechende und auflösende Forderung.” (Grundrisse 230)

Lohnarbeit ohne Kapital … da ist was faul im Staate Dänemark. Vgl. den Stalinismus.

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Unproduktives Kapital, unproduktive Arbeit?

Die Frage, ob das Kapital produktiv sei oder nicht, ist also absurd. Die Arbeit selbst ist nur produktiv als in das Kapital aufgenommen, wo das Kapital die Grundlage der Produktion bildet, und der Kapitalist also der Kommandeur der Produktion ist.” (Grundrisse, 229)

Die Frage der Produktivität ist nicht vom Gebrauchswert der Produkte abhängig, auch nicht ob der Kapitalist selbst sinnvoll tätig ist als Manager, aber von dem Grbrauchswert der Arbeitskraft, das ist nicht die spezifische Tätigkeit, sondern wie gut der Arbeiter das Kapital in Bewegung hält  es umsetzt:

Produktivkraft der Arbeit” (ibid)

Also wieder nichts mit sinnvoller Tätigfkeit.

Der Ansatz, dass in der Planwirtschaft “unproduktive Branchen”, “unproduktive Tätigkeiten”, “unproduktives Kapital” wie Luxusproduktion oder Destruktivkräfte wegfallen, sagt in Wirklichkeit nichts aus, aber unterstellt, dass die Produktivität vom Gebrauchswert der Produkte abzuleiten sei – eine Verkennung von dem was Kapital ausmacht. Indes, der Kapitalismus wird bereits vor der Planwirtschaft mit Unproduktiven fertig: Es geht bankrott.

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Das Kapital als Sache, nicht als Verhältnis

In den Grundrissen (MEW 24, Seite 224, 225):

Es ist hier am Ort auf ein Moment aufmerksam zu machen, das hier erst nicht nur vom Standpunkt der Beobachtung aus hervortritt, sondern im ökonomischen Verhältnis selbst gesetzt ist. Im ersten Akt, im Austausch zwischen Kapital und Arbeit, erschien die als solche, für sich existierende Arbeit notwendig als Arbeiter. Ebenso hier im zweiten Prozeß: Kapital überhaupt ist als für sich seiender, selbstischer Wert sozusagen gesetzt (was im Geld nur angestrebt war). Aber das für sich seiende Kapital ist der Kapitalist. Es wird wohl von Sozialisten gesagt, wir brauchen Kapital, aber nicht den Kapitalisten. Dann erscheint das Kapital als reine Sache, nicht als Produktionsverhältnis, das, in sich reflektiert, eben der Kapitalist ist. Ich kann das Kapital wohl von diesem einzelnen Kapitalisten scheiden, und es kann auf einen andern übergehn. Aber indem er das Kapital verliert, verliert er die Eigenschaft, Kapitalist zu sein. Das Kapital ist daher wohl vom einzelnen Kapitalisten trennbar, nicht von dem Kapitalisten, der als solcher dem Arbeiter gegenübersteht. So kann auch der einzelne Arbeiter aufhören, das Fürsichsein der Arbeit zu sein; er kann Geld erben, stehlen etc. Aber dann hört er auf, Arbeiter zu sein. Als Arbeiter ist er nur die für sich seiende Arbeit. (Dies nachher weiterzuentwickeln.)

In diesem Sinne, also Kapital als Sache, nicht als Verhältnis, verwendete etwa Trotzki den Begriff Kapital für die Sowjetunion in zahlreichen Schriften.

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Alex Callinicos

… ein bekannter Typ, der u.A. den Artikel “Die sozialistische Gesellschaft: Markt und Plan im Sozialismus” (1997) schrieb.

Auch dieser Text elaboriert an dem Problem der Grundbedürfnisse in einer kommunistischen Gesellschaft. Wobei wir Callinicos zugute halten, dass er es sich immerhin nicht leicht machen wollte. In der Auseinandersetzung mit Nove meinte Callinicos:

Die Voraussetzung dieses Arguments — die Unstillbarkeit der Wünsche — kann von Marxisten nicht einfach verworfen werden, da sie eine dynamische Auffassung der menschlichen Natur vertreten. Marx schrieb beispielsweise: “Der Mensch unterscheidet sich von allen anderen Tieren durch die Unbegrenztheit und Veränderlichkeit seiner Bedürfnisse.
Die Entwicklung der Produktivkräfte führt zur Ausweitung der menschlichen Möglichkeiten ebenso wie der menschlichen Bedürfnisse, auch wenn viele der letzteren in einer Klassengesellschaft unbefriedigt bleiben oder nur in einem begrenzten Maß erfüllt werden.”

Das ist ganz richtig. Aber Callinicos scheint bemerkt zu haben, sich zu weit aus dem Fenster hinausgelehnt zu haben, denn wenn die weitere Entfaltung von Bedürfnissen die Reaktion auf die Entwicklung der Produktivkräfte zur Befriedigung von Bedürfnissen ist, dann folgt daraus, dass der Kommunismus nie vollkommen ist oder sogar überhaupt nie als Epoche erreicht werden kann. Aber statt dies anzuerkennen und daraus den Schluss zu ziehen, dass somit zumindest der Sozialismus erreicht werden kann, bei dem die Menschen immerhin zum ersten Mal in ihrer mehr als 10.000jährigen Existenz frei entscheiden können, ob die Arbeit länger bzw. intensiver ist um neue Bedürfnisse zu befriedigen oder aber auf letztere zu warten und dafür kein Arbeitsleid zu erleben …

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Das Arbeitsgeld bei Marx (19)

Die Arbeitskraft ist also eine Ware, nicht mehr und minder als Zucker. Die erste mißt man mit der Uhr, die andere mit der Waage.” (Marx, Lohnarbeit und Kapital, 1850).

gemeint ist nicht der Tauschwert, aber eine Maßeinheit des spezifischen – und daher mit anderen Waren nicht vergleichbaren – Gebrauchswert. Ein wichtiger Hinweis für die Kritik an der deutschen Wertkritik.

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Die vulgäre Totalität vs. die Grundrisse und Engels (2)

In den Grundrissen:

Das Kapital seinem Begriff nach ist Geld, aber Geld, das nicht mehr in der einfachen Form von Gold und Silber auch nicht mehr als Geld im Gegensatz zur Zirkulation existiert, sondern in der Form aller Substanzen – Waren. Insofern steht es als Kapital daher nicht im Gegensatz zum Gebrauchswert, sondern existiert außer dem Geld eben nur in Gebrauchswerten.”

Dies also sehr deutlich. Kapitalismus ist nicht einfach nur Tauschwertproduktion. Das Kapital gibt bloß dem Tauschwert etwas Dauerhaftes, durch die Beständigkeit der Zirkulation. Aber für das Kapital sind Waren nicht einfach nur Tauchwerte. Weiter:

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Der Begriff “Gesellschaft” in der Planwirtschaft

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Die vulgäre Totalität vs. die Grundrisse und Engels (1)

Wir haben uns angewöhnt, Warengesellschaft mit Kapitalismus mit Tauschwertproduktion mit Profitwirtschaft gleichzusetzen.

Aber bereits die Warenzirkulation steht in einem dialektischen Verhältnis zum Kapitalismus. Letzterer entwickelte sich in dem Milieu erstere, aber indem er die die Logik der Ware auf die Spitze trieb, wurden Eigentum von Arbeit getrennt und die Notwendigkeit geschaffen, die Arbeit das Eigentum wieder einkassieren zu lassen, was auch das Ende der Ware, selbst der ursprünglichen, einfachen Warenproduktion mit sich bringt. (vgl. Engels, die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, III).

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Das Arbeitsgeld bei Marx (18)

Eigentlich bei Engels:

Alle gesellschaftlichen Bewegungen, alle wirklichen Fortschritte, die in England im Interesse der Arbeiter zustande gekommen, knüpfen sich an den Namen Owen. So setzte er 1819, nach fünfjähriger Anstrengung, das erste Gesetz zur Beschränkung der Weiber- und Kinderarbeit in den Fabriken durch. So präsidierte er dem ersten Kongreß, auf dem die Trades Unions von ganz England sich in eine einzige große Gewerksgenossenschaft vereinigten. So führte er als Übergangsmaßregeln zur vollständig kommunistischen Einrichtung der Gesellschaft einerseits die Kooperativgesellschaften ein (Konsum- und Produktivgenossenschaften), die seitdem wenigstens den praktischen Beweis geliefert haben, daß sowohl der Kaufmann wie der Fabrikant sehr entbehrliche Personen sind; andrerseits die Arbeitsbasars, Anstalten zum Austausch von Arbeitsprodukten vermittelst eines Arbeitspapiergelds, dessen Einheit die Arbeitsstunde bildete; Anstalten, die notwendig scheitern mußten, die aber die weit spätere Proudhonsche Tauschbank vollständig antizipierten, sich indes grade dadurch von dieser unterschieden, daß sie nicht das Universalheilmittel aller gesellschaftlichen Übel, sondern nur einen ersten Schritt zu einer weit radikalern Umgestaltung der Gesellschaft darstellten.” (Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, MEW 19, Seite 200.

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Inhalt vs. Form vs. Prozess in den Grundrissen

An dieser Stelle kann gut die Methode von Marx in den Grundrissen nachvollzogen werden:

Wenn gesagt wird, daß das Kapital „aufgehäufte (realisierte) Arbeit (eigentlich vergegenständlichte Arbeit) ist, die als Mittel zu neuer Arbeit (Produktion) dient“, so wird die einfache Materie des Kapitals betrachtet, abgesehn von der Formbestimmung, ohne die es nicht Kapital ist. Es heißt weiter nichts, als Kapital ist – Produktionsinstrument, denn im weitesten Sinn muß jeder, auch der rein von Natur gelieferte Gegenstand, wie Steine z.B., durch irgendeine Tätigkeit erst angeeignet werden, eh er als Instrument, als Produktionsmittel dienen kann. Danach hätte Kapital in allen Formen der Gesellschaft existiert, ist etwas durchaus unhistorisches.”  (MEW 42, Seite 182)

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Rosa Luxemburg zur sozialistischen Agrarpolitik

Die sozialistische Umgestaltung der Wirtschaftsverhältnisse setzt in Bezug auf die Agrarverhältnisse zweierlei voraus. – Zunächst die Nationalisierung gerade des Großgrundbesitzes als der technisch fortschrittlichsten Konzentration der agrarischen Produktionsmittel und Methoden, die allein dem Ausgangspunkt, der sozialistischen Wirtschaftsweise auf dem Lande dienen kann. Wenn man natürlich dem Kleinbauern seine Parzelle nicht wegzunehmen braucht und es ihm ruhig anheimstellen kann, sich durch die Vorteile des gesellschaftlichen Betriebes freiwillig zuerst für den genossenschaftlichen Zusammenschluß und schließlich für die Einordnung in den sozialen Gesamtbetrieb gewinnen zu lassen, so muß jede sozialistische Wirtschaftsreform auf dem Lande selbstverständlich mit dem Groß- und Mittelgrundbesitz anfangen. Sie muß hier das Eigentumsrecht vor allem auf die Nation oder, was bei sozialistischer Regierung dasselbe ist, wenn man will, auf den Staat übertragen; denn nur dies gewährt die Möglichkeit, die landwirtschaftliche Produktion nach zusammenhängenden großen sozialistischen Gesichtspunkten zu organisieren.

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Freiheit und Gleichheit mittels Tauschwertzirkulation

Wenn also die ökonomische Form, der Austausch, nach allen Seiten hin die Gleichheit der Subjekte setzt, so der Inhalt, der Stoff, individueller sowohl wie sachlicher, der zum Austausch treibt, die Freiheit. Gleichheit und Freiheit sind also nicht nur respektiert im Austausch, der auf Tauschwerten beruht, sondern der Austausch von Tauschwerten ist die produktive, reale Basis aller Gleichheit und Freiheit. Als reine Ideen sind sie bloß idealisierte Ausdrücke desselben; als entwickelt in juristischen, politischen, sozialen Beziehungen sind sie nur diese Basis in einer andren Potenz. Dies hat sich denn auch historisch bestätigt. Die Gleichheit und Freiheit in dieser Ausdehnung sind grade das Gegenteil der antiken Freiheit und Gleichheit, die eben den entwickelten Tauschwert nicht zur Grundlage haben, vielmehr an seiner Entwicklung kaputtgehn. Sie setzen Produktionsverhältnisse voraus, die in der alten Welt noch nicht realisiert waren; auch nicht im Mittelalter. Direkte Zwangsarbeit ist die Grundlage der ersten; das Gemeinwesen ruht auf dieser als existierender Unterlage; Arbeit selbst als Privilegium, als noch in ihrer Besonderung, nicht als allgemein Tauschwerte produzierend, geltend die Grundlage des zweiten. Weder ist die Arbeit Zwangsarbeit; noch, wie im zweiten Fall, findet sie statt mit Rücksicht auf ein Gemeinsames als ein Höhres (Korporationen).“ (Marx, Grundrisse, 170f)

Das interessante an diesem Passus ist, dass hinter einem nämlichen ökonomischen Vorgang unterschiedliche soziale Beziehungen stehen können, die denselben Vorgang einen ganz anderen Charakter geben, wie etwa der Geldverkehr im Laufe der Geschichte.

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Das Arbeitsgeld bei Marx (17)

Im Kapitel zum Kapital in den Grundrissen geht Marx darauf ein, dass Geld in der Warengesellschaft einen Wert nicht bloß anzeigt, sonden auch ist:

Aber Geld ist unmittelbar Gold und Silber. Als Maß betrachtet, ist das Geld noch als Formbestimmung vorherrschend; noch mehr als Münze, wo dies auch äußerlich in seinem Gepräge erscheint; aber in der dritten Bestimmung, d.h. in seiner Vollendung, wo Maß und Münze zu sein nur als Funktionen des Geldes erscheinen, ist alle Formbestimmung verschwunden, oder sie fällt unmittelbar mit seinem Metallsein zusammen.

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Das Geld als Repräsentant des Reichtums (2)

Es lohnt sich, den Gedankengang von Marx in den Grundrissen zu dem Thema Geld sich noch einmal vor Augen zu halten:

Geld ist Maß der Warenwerte, insofern in beiden, wenn Geld Edelmetall ist, die gleiche Arbeitszeit steckt. ABER die Bestimmung des Geldes als Maß der Werte wandelt sich sogleich in dem Moment in ihre Negation, als sie schlagend wird, also in der Zirkulation. Nun misst das Geld nicht den Wert, sondern steht für den Preis, der sich nur durch massenhafte Zirkulation bilden kann. Erst die Zirkulation häuft an verscheidenen Enden Geld als Reichtum an. ABER in der Bestimmung des Geldes als Repräsentant des Reichtums ist einerseits die Zirkulation dieses Reichtums ausgeschlossen, da er sich dann als Tauschwert nützlicher Dinge darstellen würde und nicht als allgemeiner Reichtum,  andererseits: wäre die Möglichkeit nicht gegeben, den Reichtum an Geld nicht wieder in die Zirkulation zu entlassen, das Geld wäre auch nicht Reichtum, sondern bloß Blech, das halt von Natur aus nicht rostet.

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Die Stalinisten und die Wertkritik

Ganz richtig schrieben die DDR-Stalinisten, als hätten sie das Auftreten der Wertkritik 40 Jahre späte geahnt, in dem Vorwort zu MEW 42:

Während der Ausarbeitung seiner Werttheorie in den „Grundrissen“ gelangte Marx bis zur Aufdeckung der Ware als ökonomische Zellenform des Kapitalismus. Das aber bedeutete, daß der Ausgangspunkt für die Analyse der ökonomischen Struktur der Gesellschaft nicht, wie Ricardo annahm, der Wert und auch nicht das Wertverhältnis der Waren sein kann, sondern vielmehr die Ware selbst, der stoffliche Träger dieses Verhältnisses.”

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Der Untergang der Antike

Marx in den Grundrissen zu der Rolle des Geldes, das in dem römischen Reich als Repräsentant des Reichtums nicht mehr Resultat der Zirkulation war, sondern zusammengestohlen. Der Reichtum wirkte nicht auf die Produktion zurück, steht golden und silbern neben der Produktionsweise.

Seite 149, 150 (MEW 42)

Die Analogie zu der Ausplünderung Süd-Amerikas durch Spanien und Portugal – so sehr sie sich aufdrängt – ist ganz und gar falsch, da hier der Geldschatz als Ferment der ursprünglichen kapitalistischen Akkumulation wirken konnte. Dies war in der Antike nicht möglich. Die Analogie ist nur speziell auf Spanien und Portugal bezogen nicht falsch, da das amerikanische Gold in den Schiffen Iberiens in England, Frankreich und den Niederlanden zur Entwicklung der Arbeit beitrug. Westeuropa arbeitete für das spanische Gold, Spanien nicht und verarmte wegen seines Reichtums an Gold.

Es ist also klar, daß mit der Lohnarbeit als Grundlage das Geld nicht auflösend, sondern produzierend wirkt; während das antike Gemeinwesen schon an sich mit der Lohnarbeit als allgemeiner Grundlage im Widerspruch steht.” (…) “Wo das Geld nicht selbst das Gemeinwesen, muß es das Gemeinwesen auflösen. Der Antike konnte unmittelbar Arbeit kaufen, einen Sklaven; aber der Sklave konnte mit seiner Arbeit nicht Geld kaufen. Die Vermehrung des Geldes konnte die Sklaven teurer, aber nicht die Arbeit produktiver machen.” (Grundrisse, Seite 151)

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Das Geld als Repräsentant des Reichtums (1)

Marx fasst in den Grundrissen die Bestimmungen des Geldes in drei wesentliche zusammen:

  • Maß der Werte
  • Zirkulationsmittel
  • Repräsentant des Reichtums

Letztere Bestimmung kennen wir im Kapitalismus auch als “Geldschatz”, der zwar passiv aber potentiell wieder als Geldkapital wirken kann. In Wirklichkeit zwischen Geldschatz und Geldkapital immer wieder hin und her wandert. Der Geldschatz wirkt hier als Relais-Station, als Puffer und überigens erklärt nur dies, weshalb eine Änderung des mathematischen Größenverhältnisses zwischen Geldmenge und Warenmenge nicht automatisch in Deflation oder Inflation mündet, was die Annhame der österreichischen Schule der Nationalökonomie wäre.

Weiters: Was wird aus Geldschatz in der Planwirtschaft? Nichts, wenn man die Analogie zr Lagerhaltung nicht aufstellt.

Nun aber zurück zu den Grundrissen. Denn hier kommen noch andere, interessante Aspekte hinzu. Als Repräsentant des Reichtums ist das Geld Ausgangspunkt und Endpunkt der Zirkulation und von dieser herausgehoben.

Das Geld ist daher der Gott unter den Waren. Als vereinzelter handgreiflicher Gegenstand kann das Geld daher zufällig gesucht, gefunden, gestohlen, entdeckt werden und der allgemeine Reichtum handgreiflich in den Besitz des einzelnen Individuums gebracht werden. Aus seiner Knechtsgestalt, in der es als bloßes Zirkulationsmittel erscheint, wird es plötzlich der Herrscher und Gott in der Welt der Waren.”

Hier könnte eine gesamte politische Ökonomie des Verbrechens und der Kriminalität ansetzen, die in dieser Hinsicht in zwei Teile zerfällt: Jenen Teil, der die Produktion von gesellschaftlichen Reichtum betrifft, also die Aneignung des Mehrwertes durch die Kapitalisten und einen anderen, davon relativ unabhängigen, der den Besitzwechsel von Geld als Repräsentant des Reichtums betrifft, also alles, was die bürgerliche Gesellschaft tatsächlich als Diebstahl auffasst.

Das Geld:

Es stellt die himmlische Existenz der Waren dar, während sie seine irdische darstellen. Jede Form des natürlichen Reichtums, eh er durch den Tauschwert ersetzt1 ist, unterstellt eine wesentliche Beziehung des Individuums zum Gegenstand, so daß es sich nach einer seiner Seiten hin selbst in der Sache vergegenständlicht und sein Besitzen der Sache zugleich als eine bestimmte Entwicklung seiner Individualität erscheint; der Reichtum an Schafen die Entwicklung des Individuums als Hirten, der Reichtum an Korn seine Entwicklung als Landmann etc. Das Geld dagegen, als das Individuum des allgemeinen Reichtums, als selbst aus der Zirkulation herkommend und nur das allgemeine repräsentierend, als nur gesellschaftliches Resultat, unterstellt durchaus keine individuelle Beziehung zu seinem Besitzer;”

Das ist der Grund, weshalb Diebstahl unabhängig von den Produktionsverhältnissen existieren kann.

“sein Besitzen ist nicht die Entwicklung irgendeiner der wesentlichen Seiten seiner Individualität, sondern vielmehr Besitz des Individualitätslosen, da dies gesellschaftliche [Verhältnis] zugleich als ein sinnlicher, äußerlicher Gegenstand existiert, dessen sich mechanisch bemächtigt werden kann und der ebensosehr verloren werden kann. Seine Beziehung zum Individuum erscheint also als eine rein zufällige; während diese Beziehung zu einer gar nicht mit seiner Individualität zusammenhängenden Sache ihm zugleich, durch den Charakter dieser Sache, die allgemeine Herrschaft über die Gesellschaft, über die ganze Welt der Genüsse, Arbeiten etc. gibt. (…)”

Nun kommt der quasi antropologische oder sozialpsychologische Konnex:

Das Geld ist daher nicht nur ein Gegenstand der Bereicherungssucht, sondern es ist der Gegenstand derselben. Sie ist wesentlich auri sacra fames. Die Bereicherungssucht als solche, als eine besondre Form des Triebs, d.h. als unterschieden von der Sucht nach besondrem Reichtum, also z.B. Sucht für Kleider, Waffen, Schmuck, Weiber, Wein etc., ist nur möglich, sobald der allgemeine Reichtum, der Reichtum als solcher, in einem besondren Ding individualisiert ist, d.h., sobald das Geld in seiner dritten Bestimmung gesetzt ist. Das Geld ist also nicht nur der Gegenstand, sondern zugleich die Quelle der Bereicherungssucht. Habsucht ist auch ohne Geld möglich; Bereicherungssucht ist selbst das Produkt einer bestimmten gesellschaftlichen Entwicklung, nicht natürlich im Gegensatz zum Geschichtlichen. Daher der Jammer der Alten über das Geld als die Quelle alles Bösen. Die Genußsucht in ihrer allgemeinen Form und der Geiz sind die zwei besondren Formen der Geldgier. Abstrakte Genußsucht unterstellt einen Gegenstand, der [die] Möglichkeit aller Genüsse enthielte. Die abstrakte Genußsucht verwirklicht das Geld in der Bestimmung, worin es der materielle Repräsentant des Reichtums ist; den Geiz, insofern es nur die allgemeine Form des Reichtums gegenüber den Waren als seinen2 besondren Substanzen ist. Um es als solches zu halten, muß er alle Beziehung auf die Gegenstände der besondren Bedürfnisse opfern, entsagen, um das Bedürfnis der Geldgier als solcher zu befriedigen. Die Geldgier oder Bereicherungssucht ist notwendig der Untergang der alten Gemeinwesen. Daher der Gegensatz dagegen. Es selbst ist das Gemeinwesen und kann kein andres über ihm stehendes dulden. Das unterstellt aber die völlige Entwicklung der Tauschwerte, also einer ihr entsprechenden Organisation der Gesellschaft.” (Grundrisse, 148, 149)

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Das Arbeitsgeld bei Marx (16)

wörtlich in den Grundrissen:

Als Tauschmittel erscheint das Geld als notwendiger Vermittler zwischen Produktion und Konsumtion. In dem System des entwickelten Geldes produziert man nur, um auszutauschen, oder man produziert nur, indem man austauscht. Das Geld weggestrichen, würde man also entweder auf eine niedrigre Stufe der Produktion zurückgeworfen (der der nebenbeispielende Tauschhandel entspricht) oder man würde zu einer höhren fortgehn, worin der Tauschwert nicht mehr die erste Bestimmung der Ware, weil die allgemeine Arbeit, deren Repräsentant [er] ist, nicht mehr als nur zur Gemeinschaftlichkeit vermittelte Privatarbeit erschiene.” (Grundrisse, Seite 143)

Die Planwirtschaft ohne Geld, … “man würde zu einer höhren fortgehn, worin der Tauschwert nicht mehr die erste Bestimmung der Ware, weil die allgemeine Arbeit, deren Repräsentant [er] ist, nicht mehr als nur zur Gemeinschaftlichkeit vermittelte Privatarbeit erschiene.”

Zum Einen weil die Vermittlung zwischen allgemeiner Arbeit und Privatarbeit der Plan und nicht das Wertgesetz besorgt, zum anderen es keine Privatarbeit auf eigene Rechnung gibt, wenn die Arbeiter nicht mehr Träger der Ware Arbeitskraft ist. Die Arbeit des Einzelnen ist bloßausführendes  Glied eines Ganzen.

Das zur Sache. Zu Marx selbst: Bei seinen gelegentlichen Exkursen Richtung nachkapitalistischen Ökonomie, ist immer der Endpunkt des Gedankens der Einzelne, nicht das Kollektiv. Das hängt damit zusammen, dass die ganze Methode der Marxschen Analyse (in den Grundrissen und im Kapital) vom einzelnen Warenbesitzer ausgeht, weil Warenbesitz immer individuell sein muss, abstrahiert von der Frage, ob es sich um die Ware Arbeitskraft oder um andere Waren handelt. Erst als dies (die Ware, das Geld, die Zirkulation) abgehandelt, geht die Analyse auf den kapitalistischen Produktionsprozess und die Rolle der Arbeitskraft als Quelle des Mehrwerts über. Der starting point ist aber die Ware und damit landet Marx bei der Aufhabung des Kapitalismus bei der Aufhebung des Warenbesitzes, und der ist von natur her individuell.

Will man Marxens Aussgagen zur nachkapitalistischen Ökonomie auswerten, muss man immer aber die Resultate von der individuellen Einheit auf eine kollektive Ebene stellen.


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Revisited: Die Theorie der ursprünglichen sozialistischen Akkumulation

Das Inhaltsverzeichnis:

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Struktur vs. Wirtschaftspolitik im Arbeiterstaat

Evgenij Preobrazenskij, Die neue Ökonomik, Moskau 1926, deutsch: Berlin 1971, 2. Auflage:

Noch einmal über die sozialistische Akkumulation. Eine Antwort auf Genosse Bucharin.”Aber was macht Genosse Buchain? Er verwechselt eine Analyse der Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung der Staatswirtschaft (eine Analyse, bei der man zeitweise vom ökonomischen und politischen Widerstand der Privatwirtschaft absehen muß) und die Schlußfolgerungen, die aus dieser Analyse gezogen werden, mit der aktuellen Wirtschaftspolitik des proletarischen Staates und “stellt” natürlich ohne besondere Schwierigkeiten einen Widerspruch “fest”. (…) Die Oktoberrevolution bedeutet einen Durchbruch der Menschheit auf einem Teil des Globus zu einer neuen Ökonomik. Diese Ökonomik nimmt Form an, kämpft um seine Existenz und festigt sich, wobei sie eine Reihe  von Gesetzmäßigkeiten entwicklet, die sie allein besitzt. Die Grundlage dieser neuen Ökonomik, die in die Gesetze der Warenwirtschaft einbricht und sie verändert, ist die Staatswirtschaft des Proletariats. Da diese Wirtschaft einmal existiert, kann sie nicht aufhören, um ihre Existenz zu kämpfen. Und um die Existenz der Staatswirtschaft kämpfen, die vom Ozean des Weltkapitalismus umgeben ist, bedeutet, für ihre Expansion zu kämpfen, für die Unterordnung der vorsozialistischen Formen in einigen Fällen, und in anderen für die Anpassung dieser Formen und in wieder anderen für ihre Absorbtion.” (Seite 288, 289)

Da die Expansion auch auf Kosten der Privatwirtschaft unvermeidlich ist, müssen wir unbedingt klären, durch welche Kanäle dieser Zufluß aus Mitteln in sie hineingelangt und welche Entwicklungstendezen die Staatswirtschaft in dieser Richtung hat, in ihren reinen Formen genommen, d.h. in Abstraktion vom Widerstand des Milieus der Privatwirtschaft und damit auch von der aktuellen Politik, die der Arbeiterstaat in Übereinstimmung mit ökonomischen und politischen Erwägungen durchführen muß. Gehen die spontanen Tendenzen der Staatswirtschaft in ihrer Entwicklung auf Kosten der privaten Produktion weiter als es augenblicklich für die staatliche Wirtschaftspolitik möglich ist? Selbstverständlich.” (Seite 289, 290).

Diese Gesetzmäßigkeiten sind historisch aus der Oktoberrevolution gewachsen, aus eben der Tatsache, dass die Staatswirtschaft des Proletariats existiert und sich entwicklelt. Das kann man beobachten und beschreiben. Das ermöglicht uns, uns in der wirtschaftlichen Situation zu orientieren und hilft uns, weniger Fehler in der praktischen Politik zu machen. In der Politik kann man sie nur undeutlich fühlen und tastend von Fall zu Fall handeln, und erhält die notwendige “Benachrichtigung” vom Leben post factum.” (Seite 290)

Der Unterschied zwischen ökonomischer Struktur und Wirtschaftspolitik ist – obwohl Preobrazenskij hier sehr deutlich den Begriff von “spontan” in Bezug auf die Planwirtschaft in den Mund nahm – für jene sehr schwer zu verstehen, die den Kapitalismus nicht verstehen. Das ist freilich die Grundlage der Analyse: Dass hier eine Unzahl von individuellen Entscheidung der Warenbseitzer existieren, die das gemeinsame Ganze wie Sand füllen aber an dessen Wesen als einzelne nichts ändern und nichts ändern können. Kapitalismus ist nicht lenkbar, seine ökonomischen Gesetze wirken ohne Entscheidung der einzelnen Unternehmer. Erst wenn man das im Kasten hat, kann man auch die Unterscheidung zwischen Struktur und Wirtschaftspolitik in der Planwirtschaft verstehen.

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Das Arbeitsgeld bei Marx (15)

In den Grundrissen zur Realisierung der Preise:

Setze den Totalpreis der zirkulierenden Waren = 10.000 Taler. Ihr Maß ist dann 1 Taler = x Gewicht Silber. Es seien nun 100 Taler nötig, um diese Waren zu zirkulieren in 6 Stunden; d.h., jeder Taler zahle den Preis von 100 Taler in 6 Stunden. Was nun wesentlich ist, daß 100 Taler, die Anzahl 100, vorhanden ist der metallischen Einheit, die die Totalsumme der Warenpreise mißt; 100 solcher Einheiten. Daß diese Einheiten aus Silber bestehn, ist für den Prozeß selbst gleichgültig. Dies erscheint schon darin, daß der eine Taler im Kreislauf der Zirkulation eine 100mal größre Silbermasse repräsentiert, als reell in ihm enthalten ist, obgleich er in jedem bestimmten Austausch nur das Gewicht Silber von 1 Taler repräsentiert. Im Ganzen der Zirkulation genommen repräsentiert der 1 Taler also 100 Taler, ein 100mal größeres Silbergewicht, als er wirklich enthält. Er ist in der Tat nur ein Zeichen für das Silbergewicht, das in 100 Talern enthalten ist. Er realisiert einen 100mal größren Preis als es wirklich, als Quantum Silber betrachtet, realisiert. Gesetzt, das £ St. z.B. sei 1/3 Unze Gold (es ist nicht so viel). Soweit der Preis einer Ware von 1 £ St. bezahlt wird, d.h. ihr Preis von 1 £ St. realisiert, sie gegen 1 £ St. ausgetauscht ist es entscheidend, daß das £ St. wirklich 1/3 Unze Gold enthält13. Wäre es ein falsches £ St., aus unedlem Metall komponiert, ein £ St. nur zum Schein, so wäre in der Tat nicht der Preis der Ware realisiert; um ihn zu realisieren, müßte sie in so viel von unedlem Metall bezahlt sein als = 1/3 Unze Gold. Nach diesem abgesonderten Moment der Zirkulation betrachtet, ist es also wesentlich, daß die Geldeinheit wirklich ein bestimmtes Quantum von Gold und Silber darstellt. Wenn wir aber das Ganze der Zirkulation nehmen, sie als mit sich zusammenschließenden Prozeß: W-G-G-W, verhält sich die Sache anders. Im ersten Fall wäre die Realisierung des Preises nur scheinbar: Nur Teil ihres Preises wäre realisiert. Der ideell an ihr gesetzte Preis wäre nicht reell gesetzt. Die Ware, die ideell = soviel Gewichtteile Gold gesetzt ist, würde im wirklichen Austausch nicht soviel Gewichtteile Gold gegen sich auslösen. Wenn aber ein falsches £ St. für ein echtes zirkulierte, täte es absolut im Ganzen der Zirkulation denselben Dienst, als ob es echt wäre. Wenn eine Ware A zum Preis von 1 £ gegen 1 falsches Pfund ausgetauscht und dies falsche Pfund wieder ausgetauscht wird gegen Ware B von 1 £ St., so hat das falsche Pfund absolut denselben Dienst getan, als ob es ein echtes wäre. Das wirkliche Pfund ist daher in diesem Prozeß in der Tat nur ein Zeichen, soweit nicht das Moment betrachtet wird, wonach es die Preise realisiert, sondern das Ganze des Prozesses, worin es nur als Zirkulationsmittel dient und worin die Realisierung der Preise nur ein Schein, verschwindende Vermittlung ist. Hier dient das Pfund Gold nur dazu, damit die Ware A gegen die Ware B von gleichem Preise ausgetauscht wird. Die wirkliche Realisation des Preises der Ware A ist hier die Ware B, und die wirkliche Realisation des Preises B ist die Ware A oder C oder D, was dasselbe für die Form des Verhältnisses ist, für das der besondre Inhalt der Ware ganz gleichgültig. Waren von gleichen Preisen werden ausgetauscht. Statt die Ware A direkt mit der Ware B auszutauschen, wird der Preis der Ware A mit der Ware B und der Preis der Ware B mit der Ware A ausgetauscht. Das Geld stellt so der Ware gegenüber nur ihren Preis dar. Die Waren werden zu ihrem Preis gegeneinander ausgetauscht. Der Preis der Ware selbst drückt an ihr ideell aus, daß sie die Anzahl einer gewissen natürlichen Einheit (Gewichtsteils) von Gold oder Silber, der Materie ist, worin das Geld verkörpert ist. Im Geld, oder ihrem realisierten Preis, tritt ihr nun eine wirkliche Anzahl dieser Einheit gegenüber. Soweit aber die Realisierung des Preises nicht das letzte ist, und es sich nicht darum handelt, den Preis der Ware als Preis zu haben, sondern als Preis einer andren Ware, ist die Materie des Geldes gleichgültig, z.B. das Gold und Silber. Das Geld wird Subjekt als Zirkulationsinstrument, als Tauschmittel, und die natürliche Materie, worin es sich darstellt, erscheint als ein Accident, dessen Bedeutung im Akt des Tausches selbst verschwindet; weil es nicht in dieser Materie ist, daß die gegen das Geld ausgetauschte Ware schließlich realisiert werden soll, sondern der Materie der andren Ware. Wir haben nämlich jetzt außer den Momenten, daß in der Zirkulation 1. das Geld die Preise realisiert, 2. die Eigentumstitel zirkuliert; 3. noch das, daß vermittelst ihrer geschieht, was direkt nicht geschehn konnte, daß der Tauschwert der Ware in jeder andren Ware ausgedrückt wird. Wenn 1 Elle Leinwand 2 sh kostet und 1 Pfund Zucker 1 sh, so wird die Elle Leinwand vermittelst der 2 sh in 2 Pfund Zucker realisiert, der Zucker daher in die Materie ihres Tauschwerts verwandelt, in die Materie, worin ihr Tauschwert realisiert wird.” (Grundrisse 139, 140)

Das scheint also dem Schluß in “Das Arbeitsgeld bei Marx” (  ) zu widersprechen.Wenn man aber in den Grundrissen weiterliest, wird schnell klar, um was es geht:

Der Zirkulationsprozeß, so es nicht um den individuellen Tausch geht, sondern um eine fortlaufende Kette, wo W-G-W-G … nur das ein Gleid darstellt, wird Geld zum bloßen Repräsentanten der Tauschwerte, das ist nicht identisch mit der Funktion von Geld als Wertmaßstab, bei dem ja echte Edelmetallproduktion (wenngleich unegachtet deren Menge) das Äquivalent darstellt und bei der einfachen Zirkulation die Menge relevant ist ungeachtet des Wertes des Edelmetalls, ersc heint bei der Funktion Geld als Repräsentant der Tauschwerte dieses als gleichgültig gegenüber dem Tauschwert selbst.

Das sind nur die unterschiedlichen Seiten eines Prozesses(Marx spricht in den Grundrissen als “widersprüchlich”), aus dem sich aber so viel ergibt, dass es auch nicht korrekt ist, anzunehmen, in der Planwirtschaft hätte Geld nur die Funktion als Wertmaßstab. Eigentlich hat “Geld” in der Planwirtschaft überhaupt nicht eine dieser Funktionen, sondern ist bloß Zähl-, oder Recheneinheit, um qualitativ unterschiedliches auf einen Nenner zu bringen.

Es wäre etwa genausodenkbar,  in der Planwirtschaft nur die lebendige Arbeitszeit (und nicht die lebendige und die tote), deren Einsatz ja bekannt ist, auf ein einzelnes Produkt herunterzubrechen. Das Arbeiter unterschiedlich sind und ihre Qualifikation unterschiedlich, braucht niemanden zu stören, denn wenn es um den Arbeitsprozess selbst geht, ist die Gesellschaft ja frei, die Arbeiter zu schulen bzw. sich selbst zu schulen. Und wenn ein Produkt um 1/10 mehr Arbeitszeit verschlang, weil gerade nicht die schnellsten oder am besten qualifiziertesten Arbeiter bei der Stelle waren, dann ist das eben so und die Zählung pro Produkt spiegelt diese Tatsache wider.

Wie kann dann die berühmte “Allokation der Ressourcen” stattfinden? In der Planwirtschaft brauchen wir dies nicht durch den Preis, weil wir ja selbst die Produktion leiten. Die Ressourcen sind bekannt, indem die Produktion unter Arbeiterkontrolle steht. Und wenn sie nicht überall bekannt ist, da spiegelt die Statistik (Arbeitszeit pro Stück) ja wider, wo die Arbeitsproduktivität am höchsten ist und die Gesellschaft kann daraus ihre Schlüsse ziehen.

Es zeigt sich daran, dass a) es immer einen Hacken hat, eine ökonomische Kategorie des Kapitalismus für die Planwirtschaft gedanklich weiterzuverwenden, das ist also schwierig (These der Inkomparabilität). Andererseits b) der Planwirtschaft, die viel einfacher funktioniert, tut dies nicht weh.

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Das Arbeitsgeld bei Marx (14)

Nocheinmal zum Unterschied zwischen dem Geld als Maß und dem Geld als Zirkulationsmittel:

Das Geld als Maß, als Element der Preisbestimmung, als messende Einheit der Tauschwerte bietet also das Phänomen dar, daß es 1. nur als vorgestellte Einheit nötig ist, wenn einmal der Tauschwert einer Unze Gold gegen eine beliebige Ware bestimmt ist; daß sein wirkliches Vorhandensein überflüssig ist und darum noch mehr die Quantität, in der es gegenwärtig ist; als Anzeiger (indicator des Werts8) ist sein amount9, in dem es in einem Lande existiert, gleichgültig; bloß als Recheneinheit nötig; 2. daß, während es so nur ideell gesetzt zu sein braucht, und in der Tat, als Preis der Ware, nur ideell an ihr gesetzt ist, es gleichzeitig als einfaches Quantum der natürlichen Substanz, in der es sich darstellt, als ein bestimmtes als Einheit angenommnes Gewicht Gold, Silber etc., den Vergleichungspunkt, die Einheit, das Maß abgibt. Die Tauschwerte (Waren) sind in der Vorstellung verwandelt in gewisse Gewichtteile von Gold oder Silber und ideell als = diesem vorgestellten Quantum Gold etc. gesetzt; als es ausdrückend. Gehn wir aber nun zur zweiten Bestimmung des Geldes über, als Tauschmittel und Verwirklicher der Preise, so haben wir gefunden, daß es hier in einer bestimmten Quantität vorhanden sein muß; daß das als Einheit gesetzte Gewicht Gold oder Silber in einer bestimmten Anzahl nötig ist, um dieser Bestimmung adäquat zu sein.” (Grundrisse, 137)

Daraus könnte man schließen, dass mit dem Wegfall der Warenwirtschaft das Geld als Zirkulationsmittel und damit materiell wegfällt, während das Geld als Maß der Werte ja immer ideel war.

Andererseits:

Insofern es den Preis der Waren realisiert, wird die Ware gegen ihr reales Äquivalent in Gold und Silber ausgetauscht; wird ihr Tauschwert wirklich in dem Geld als einer andern Ware ausgedrückt10; aber insofern dieser Prozeß nur stattfindet, um das Geld wieder in Ware zu verwandeln, um also die erste Ware gegen die zweite auszutauschen, erscheint das Geld nur verschwindend, und seine Substanz besteht nur darin, daß es fortwährend als dies Verschwinden erscheint, als dieser Träger der Vermittlung. Das Geld als Umlaufsmittel ist nur Umlaufsmittel. Die einzige ihm wesentliche Bestimmtheit, um in diesem Charakter dienen zu können, ist die der Quantität oder Anzahl, in der es umläuft. (Da die Anzahl mit durch die Geschwindigkeit bestimmt ist, braucht diese hier nicht besonders erwähnt zu werden.) Sofern es den Preis realisiert, ist seine materielle Existenz als Gold und Silber wesentlich; aber soweit diese Realisierung nur verschwindend ist und sich selbst aufheben soll, ist sie gleichgültig. Es ist nur ein Schein, als handle es sich darum, die Ware gegen Gold oder Silber als eine besondre Ware auszutauschen: ein Schein, der verschwindet, indem der Prozeß beendigt ist, sobald das Gold und Silber wieder gegen Ware und somit die Ware gegen die Ware ausgetauscht ist. Das Gold und Silber als bloßes Zirkulationsmittel oder das Zirkulationsmittel als Gold und Silber ist daher gleichgültig gegen seine Beschaffenheit als eine besondre natürliche Ware.” (Grundrisse, 138)

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Das Arbeitsgeld bei Marx (13)

Sehr gut ist der Unterschied von Preis und Tauschwert bzw. das Verhältnis zwischen beiden in dem Passus, in dem die Frage nach dem Preis des Geldes gestellt wird:

Das Geld hätte also so viele Preise, als es Waren gibt, deren Preis es selbst ausdrückte. Die Hauptbestimmung des Preises, die Einheit, fiele fort. Keine Ware drückte den Preis des Geldes aus, weil keine sein Verhältnis zu allen andren Waren, seinen allgemeinen Tauschwert, ausdrückte. Es ist aber das Spezifische des Preises, daß der Tauschwert selbst in seiner Allgemeinheit und doch einer bestimmten Ware ausgedrückt werden soll. Aber selbst das ist gleichgültig. Soweit das Geld als Materie erscheint, worin der Preis aller Waren ausgedrückt, gemessen wird, ist das Geld selbst als ein bestimmtes Quantum Gold, Silber etc., kurz seiner natürlichen Materie gesetzt; einfaches Quantum einer bestimmten Materie, nicht selbst als Tauschwert, als Verhältnis. So ist jede Ware, in der eine andre als Preis ausgedrückt wird, selbst nicht als Tauschwert gesetzt, sondern als einfaches Quantum ihrer selbst. In der Bestimmung des Geldes als Einheit der Tauschwerte, als ihr Maß, ihr allgemeiner Vergleichungspunkt, erscheint seine natürliche Materie, Gold, Silber, wesentlich, indem es als Preis der Ware nicht Tauschwert, nicht Verhältnis, sondern ein bestimmtes Gewicht Gold, Silber ist; z.B. ein Pfund, mit seinen Unterabteilungen, und so erscheint das Geld auch ursprünglich als Pfund, aes grave. Dies unterscheidet eben den Preis vom Tauschwert, und wir haben gesehn, daß der Tauschwert notwendig zur Preisbestimmung treibt. Daher der Unsinn jener, die die Arbeitszeit als solche zum Geld machen, d.h. den Unterschied zwischen Preis und Tauschwert setzen und nicht setzen wollen.” (Grundrisse, Seite 136, 137)

In der Gesellschaft der Warenbeitzer ist es ganz klar, dass nur ein echter Wert (bzw. die staatliche Garantie darauf) die Ware in dem Zirkulationsprozess “versichert”, eben der Tauschwert, der nur den Preis anzeigt, aber nicht der Preis ist, um Gegenteil, der Tauschwert schaft die Preisbestimmung und nicht umgekehrt.

Auch der Umkehrschluss ist erlaubt: In einer Gesellschaft ohne Warenbesitz können die Produkte frei zirkulieren, ohne der Rückversicherung durch ein Wertäquivalent. Der springende Punkt ist also der Besitz/Eigentum. Ist dieser generell aufgehoben, kann irgendein “Wertbetrag” der Produkte zum Zwecke der Kalkulation in Produktion/Verteilung auch ohne Tauschwert gesetzt werden, z.B. die Arbeitszeit, aufgewendet zur Produktion des Produktes. Aber statt dessen sind auch andere oder aber auch gar keine möglich.

Libera aes grave!


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Ullrich: Weltniveau

Otto Ullrich, Weltniveau, In der Sackgasse des Industriesystems, Berlin 1979.

Ullrichs Buch ist ähnlich interessant und inspirierend wie etwa “Die Alternative” von Rudolf Bahro. Indes, wie bei letzterem, bleibt am Ende nicht allzuviel, was für die Theorie der Planwirtschaft übernommen werden kann.

Auch hat sich herausgestellt, daß kein Mindestmaß der Produktivkraftentwicklung anzugeben ist, das notwendig und hinreichend wäre für eien sozialistische Gesellschaft. Ein Zweiphasenmodell, in dem angenommen wird, daß zunächst auf Kosten der Indivi duenProduktivkräfte entfaltet werden müssen, die dann in einer zweiten Phase zum Sozialismus führen, ist eine Ideologie von Zentralmächten. Auch die zweite Phase führt nicht zur Emanzipation, denn die entwickelten großindustriellen Produktivkräfte verhindern nun aus “sachlichen” Gründen eine sozialistische Gesellschaft. Sozialismus ist eine Frage der gesellschaftlichen Verfassung, der Verhältnisse der Menschen untereinander. Es ist nicht notwendig und, wie sich herausgestellt hat, sogar verhängnisvoll, diese Frage mit einem bestimmten Mindestmaß der technisch-organisatorischen Entfaltung von Arbeitsgeräten zu verknüpfen.” (Seite 21)

Daran ist – wie bei Bahro – das Sentiment richtig, dass die Planwirtschaften des 20. Jahrhunderts, zumindest ab einer bestimmten Phase, eine Entfremdung der Arbeit kennen, die sich kaum von jener im Kapitalismus unterscheidet. Bahro sah darin einen reaktinären aber gleichzeitig auch ökonomisch nützlichen Akt der nachholenden Entwicklung für die Reife der sozialistischen Produktivkräfte. Ullrich negiert beide Teile dieser Erklärung und sieht die Logik der Großindustrie als Ursache der Entfremdung und Enteignung der Arbeiter von der Verfügungsgewalt ihrer Produktion, eben auch in den mittlerweile verblichenen Planwirtschaften. Wir würden dies nicht der Großindustrie sondern einer bürokratischen Kaste anlasten, die seit Stalins Aufstieg die  Planwirtschaft wie einen Schimmelpilz überzog.

Ein Zweiphasenmodell, in dem angenommen wird, daß zunächst auf Kosten der Indivi duenProduktivkräfte entfaltet werden müssen, die dann in einer zweiten Phase zum Sozialismus führen, ist eine Ideologie von Zentralmächten”

... das ist vielleicht eine richtige politische Kritik an einer falschen Begründung für die Aneignung des Mehrprodukts durch die stalinistische Bürokratie. Aber ökonomisch lässt sich das nicht verallgemeinern, ganz im Gegenteil: Jede sozialistische Akkumulation kann nur durch einen relativen Konsumverzeicht zustande kommen.

Und: wiewohl Ullrich recht hatte, dass es keinen absoluten Stand der Produktivkraftentwicklung für den Sozialismus gibt, für den Kommunismus ist ein relativer Reifestand, relativ zur Arbeitszeit und den Kosnumbedürfnissen sehr wohl notwendig und deswegen “Sozialismus” nicht nur eine Angelegenheit der Beziehung der Menschen untereinander, sondern auch der Menschen zur Natur.

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Das Arbeitsgeld bei Marx (12)

Da die Arbeit Bewegung ist, ist die Zeit ihr natürliches Maß.” (Grundrisse 135)

Der barter in seiner rohsten Form unterstellt die Arbeit als Substanz und die Arbeitszeit als Maß der Waren; was dann auch heraustritt, sobald er regularisiert, kontinuierlich wird, er sich selbst die wechselseitigen Bedingungen seiner Erneuerung erhalten soll.” (Grundrisse 135)

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Das Arbeitszeitgeld bei Marx (11)

Hier zuerst zum echten Geld der Warenwirtschaft:

Wenn in der rezenten Literatur das Geld des Kapitalismus mit einem angenommenen Geld der Planwirtschaft verglichen wird, so wird die Gemeinsamkeit des Wertmaßstabs für andere Produkte hervorgehoben.

Dabei muss man klarstellen, dass die Eingenschaft des Wertmaßstabs nur ein Aspekt des echten Geldes unter mehreren nicht minder bedeutsamen ist. Geld ist also:

  • Wertmaßstab
  • Preisindikation – hier fügt Marx in den “Grundrissen” an, dass dieser nur durch massenhaften Warenverkehr wirkt und über den Kostpreis sich aus den Preisen anderer Produkte praktischerweise zusammensetzt (hier setzt unsere Analogie zum Arbeitszeitgeld an)
  • “Verdoppelung” der Warenwerte
  • Tauschmittel
  • Zirkulationsrad – hier fügt Marx in den “Grundrissen” die daraus notwendige Verselbsständigung von W-G-G-W als Handelkapital an
  • Schatzmittel
  • Ausgangspunnkt der Kapitalakkumulation

die hier genannten Eigenschaften hängen miteinander zusammen und bilden in der Warenwirtschaft eine Wesenseinheit aus, kurz: das Geld.

Nimmt man einen dieser Aspekte für die Planwirtschaft heraus, hat man etwas anderes in der Hand als Geld.

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planned economy nr. 9

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Das Arbeitsgeld bei Marx (10)

Weiter:

Wenn die Tauschwerte in den Preisen ideell in Geld verwandelt werden, werden sie im Tausch, im Kauf und Verkauf, reell in Geld verwandelt.” (Grundrisse, Seite 124)

Nun, negativ zum Arbeitsgeld, das Geld in der “warensozialistischen” Ökonomie (ein unglaublicher Begriff!).

In seiner Bestimmung als Maß ist das Geld gleichgültig gegen seine Quantität, oder ist die existierende Quantität des Geldes gleichgültig. In seiner Bestimmtheit als Tauschmittel, als Zirkulationsinstrument, ist seine Quantität gemessen.” (Grundrisse, Seite 126)

Dies deutlich sichtbar in den Planwirtschaften des 20. Jahrhunderts, wo Angebot und Nachfrage den Preis als Modifikation des Wertes nicht tangierten, was allerdings noch nicht für das Geld in der Planwirtschaft spricht.

Die Begründung in den stalinistischen Lehrbüchern zur Ökonomie, dass Geld die Teilung der Arbeit vermittle, wie dies bei Marx im ersten Band des Kapital (und in den Grundrissen), ist falsch.

Bei Marx z.B.:

Je weiter sich die Teilung der Arbeit  entwickelt, um so mehr hört das Produkt auf, ein Tauschmittel zu sein. Es tritt die Notwendigkeit eines allgemeinen Tauschmittels ein, unabhängig von der spezifischen Produktion eines jeden” (Grundrisse, Seite 129)

Selbstverständlich ist hier die Gesellschaft der Warenbesitzer vorausgesetzt. Ja mehr noch, die Prämisse des Ersten Bandes und der Grundrisse ist, dass alle Warenbesitzer sind und sie werden hier einmal in der Zirkulation der Waren gleichgesetzt: Der Unternehmer als Besitzer der Produktionsmitteln stellt Waren her, der Kleinproduzent stellt Waren her und die Arbeiter bieten ihre Ware Arbeitskraft am Markt an.

Den Austausch dieser Waren vermittelt das Geld. In der Planwirtschaft vermittelt nicht das Geld die Teilung der Arbeit, sondern der Plan!

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Kommentare (18)

notice

Buchtitel positiv: Die sozialistische Akkumulation

Untertitel negativ: Ökonomie der Planwirtschaft jenseits des Stalinimus

Buchtitel positiv: Die Struktur der Sozialismus

Untertitel negativ: Theorie der Planwirtschaft jenseits Wertkritik und Plausibilismus

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Die Grundrisse vs. Das Kapital?

Für viele Marx-Rezeptionisten um die Jahrtausendwende herum waren die Grundrisse die Quelle eines anderen, besseren Marxismus.

Zur recht und zu unrecht? Eher letzteres. Der Unterschied liegt einerseits in der Werkgeschichte. Die Grundrisse waren der inspirierte Entwurf für die akribische Durchführung in “Das Kapital”. Aber ein wenig auch von der Perspektive her: Die Grundrisse sind eine Spur mehr Hegel als Smith; das Kapital eine Spur mehr Smith als Hegel.

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Distribution in der Planwirtschaft?

Die Zirkulation ist das Setzen der Preise, die Bewegung, in der die Waren in Preise verwandelt werden: ihre Realisierung als Preise” (Grundrisse, 118)

Eine wesentliche Bestimmung der Zirkulation ist, daß sie Tauschwerte und zwar als Preise bestimmte Tauschwerte, zirkuliert. Jede Art des Arenaustauschs, z.B. barter, Naturallieferungen, feudale Dienstleistungen ect., konstituieren daher noch nicht die Zirkulation.” (Grundrisse, 119)

Daher falsch in planned economy.

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Das Arbeitsgeld bei Marx (9)

Hier wieder zu der “Geleisweiche”, ab der die Arbeitszeit entweder zum Tauschwert (Warengesellschaft) wird, oder einfach Maß der Arbeit:

Die Arbeit des einzelnen, im Akt der Produktion selbst betrachtet, ist das Geld, womit er unmittelbar das Produkt, den Gegenstand seiner besondren Tätigkeit, kauft; aber es ist ein besondres Geld, das eben nur dies bestimmte Produkt kauft. Um unmittelbar das allgemeine Geld zu sein, müßte sie von vornherein nicht besondre Arbeit, sondern allgemeine sein, d.h. von vornherein als Glied der allgemeinen Produktion gesetzt sein. In dieser Voraussetzung aber würde nicht erst der Austausch ihr den allgemeinen Charakter geben, sondern ihr vorausgesetzter gemeinschaftlicher Charakter würde die Teilnahme an den Produkten bestimmen. Der gemeinschaftliche Charakter der Produktion würde von vornherein das Produkt zu einem gemeinschaftlichen, allgemeinen machen. Der ursprünglich in der Produktion stattfindende Austausch – der kein Austausch von Tauschwerten wäre, sondern von Tätigkeiten, die durch gemeinschaftliche Bedürfnisse bestimmt wären, durch gemeinschaftliche Zwecke – würde von vornherein die Teilnahme des einzelnen an der gemeinschaftlichen Produktenwelt einschließen. Auf der Grundlage der Tauschwerte wird die Arbeit erst durch den Austausch als allgemein gesetzt. Auf dieser Grundlage wäre sie als solche gesetzt vor dem Austausch; d.h., der Austausch der Produkte wäre überhaupt nicht das Medium, wodurch die Teilnahme des einzelnen an der allgemeinen Produktion vermittelt würde. Vermittlung muß natürlich stattfinden.” (Grundrissse, Seite 103, 104)

Und weiters:

Im erstren Fall, der von der selbständigen Produktion der einzelnen ausgeht – sosehr diese selbständigen Produktionen durch ihre Beziehungen zueinander sich post festum bestimmen, modifizieren –, findet die Vermittlung statt durch den Austausch der Waren, den Tauschwert, das Geld, die alle Ausdrücke eines und desselben Verhältnisses sind. Im zweiten Fall ist die Voraussetzung selbst vermittelt; d.h., eine gemeinschaftliche Produktion, die Gemeinschaftlichkeit als Grundlage der Produktion, ist vorausgesetzt. Die Arbeit des einzelnen ist von vornherein als gesellschaftliche Arbeit gesetzt. Welches daher auch immer die besondre materielle Gestalt des Produkts sei, das er schafft oder schaffen hilft, was er mit seiner Arbeit gekauft hat, ist nicht ein bestimmtes besondres Produkt, sondern ein bestimmter Anteil an der gemeinschaftlichen Produktion. (…)”

Hier wiederum muß man aufpassen, Marx nicht zu wörtlich zu lesen: “was er mit seiner Arbeit gekauft hat”

– denn da setzten wiederum andere Mißverständnisse an, dass der Konsum eines einzelnen ident oder zumindest in Relation der individuell geleisteten Arbeitszeit sei (= Arbeitsgeldfetischismus). Weiters:

“(…) Er hat darum auch kein besondres Produkt auszutauschen. Sein Produkt ist kein Tauschwert. Das Produkt hat nicht erst in eine besondre Form umgesetzt zu werden, um einen allgemeinen Charakter für den einzelnen zu erhalten. Statt einer Teilung der Arbeit, die in dem Austausch von Tauschwerten sich notwendig erzeugt, fände eine Organisation der Arbeit statt, die den Anteil des einzelnen an der gemeinschaftlichen Konsumtion zur Folge hat. In dem ersten Fall wird der gesellschaftliche Charakter der Produktion erst durch die Erhebung der Produkte zu Tauschwerten und den Tausch dieser Tauschwerte post festum gesetzt. Im zweiten Fall ist der gesellschaftliche Charakter der Produktion vorausgesetzt, und die Teilnahme an der Produktenwelt, an der Konsumtion, ist nicht durch den Austausch voneinander unabhängiger Arbeiten oder Arbeitsprodukte vermittelt. Er ist vermittelt durch die gesellschaftlichen Produktionsbedingungen, innerhalb deren das Individuum tätig ist. Die Arbeit des einzelnen also unmittelbar zum Geld machen wollen (d.h. auch sein Produkt), zum realisierten Tauschwert, heißt, sie unmittelbar als allgemeine Arbeit bestimmen, d.h. eben die
Entstehung und Wesen des Geldes Bedingungen negieren, unter denen sie zu Geld und Tauschwerten gemacht werden muß und vom Privataustausch abhängt. Die Forderung kann bloß befriedigt werden unter Bedingungen, worin sie nicht mehr gestellt werden kann. Die Arbeit auf Grundlage der Tauschwerte setzt eben voraus, daß weder die Arbeit des einzelnen noch sein Produkt unmittelbar allgemein ist; daß es diese Form erst durch eine gegenständliche Vermittlung erlangt, durch ein von ihm verschiedenes Geld
.” (Grundrisse, Seite 104, 105)

Hier eine  eine bekanntere Stelle, die die Zentralität des Index Arbeitszeit in der Planwirtschaft verteidigt:

Gemeinschaftliche Produktion vorausgesetzt, bleibt die Zeitbestimmung natürlich wesentlich. Je weniger Zeit die Gesellschaft bedarf, um Weizen, Vieh etc. zu produzieren, desto mehr Zeit gewinnt sie zu andrer Produktion, materieller oder geistiger. Wie bei einem einzelnen Individuum hängt die Allseitigkeit ihrer Entwicklung, ihres Genusses und ihrer Tätigkeit von Zeitersparung ab. Ökonomie der Zeit, darin löst sich schließlich alle Ökonomie auf. Ebenso muß die Gesellschaft ihre Zeit zweckmäßig einteilen, um eine ihren Gesamtbedürfnissen gemäße Produktion zu erzielen; wieder einzelne seine Zeit richtig einteilen muß, um sich Kenntnisse in angemeßnen Proportionen zu erwerben oder um den verschiednen Anforderungen an seine Tätigkeit Genüge zu leisten. Ökonomie der Zeit sowohl wie planmäßige Verteilung der Arbeitszeit auf die verschiednen Zweige der Produktion bleibt also erstes ökonomisches Gesetz auf Grundlage der gemeinschaftlichen Produktion. Es wird sogar in viel höherem Grade Gesetz. Dies ist jedoch wesentlich verschieden vom Messen der Tauschwerte (Arbeiten oder Arbeitsprodukte) durch die Arbeitszeit. Die Arbeiten der einzelnen in demselben Arbeitszweig und die verschiednen Arten der Arbeit sind nicht nur quantitativ, sondern qualitativ verschieden. Was setzt der nur quantitative Unterschied von Dingen voraus? Die Dieselbigkeit ihrer Qualität. Also das quantitative Messen der Arbeiten die Ebenbürtigkeit, die Dieselbigkeit ihrer Qualität.” (Grundrisse, Seite 105)

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Das Arbeitsgeld bei Marx (8)

Nicht ganz entfernt mit dem Thema “Arbeitsgeld”:

a) Wertbestimmung: Als Basis in der Marktwirtschaft: gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit; als Basis in der Planwirtschaft: die konkrete Arbeitszeit

b) falsche Lohnvorstellungen für die Planwirtschaft

Aus a) + b): Berücksichtigt der “Lohn” die individuelle Leistung? August Bebel hatte dies vor mehr als 100 Jahren zu recht zurückgewiesen. In der Sowjetunion kam diese Frage degeneriert Anfang der 1930er Jahre und in den späten 1960er Jahren erneut auf, sowie bei den Reform- und Marktsozialisten, etwa in der CSSR.

Manche Debatten erledigen sich von selbst, weil der Fortschritt der Produktivkräfte sie ihrer Relevanz enthebt.

So auch hier. Die Arbeitsleistung ist nicht wie vor 1830 unter den Handwerkern von Fleiss und Begabung abhängig (deswegen auch die richtigen Argumente Bebels posthum entwertet!), sondern immer stärker von der Arbeitsorganisation, Technik, Verfahrensweisen … also von den Produktivkräften. In den letzten 60 Jahren geradezu weltweit ein Anstieg der Ratio “Kapital / Arbeit”. Es ist ganz klar, dass damit das konstante Kapital immer stärker die Arbeitsproduktivität bestimmt, als individueller Fleiss oder Begabung.

Die ganze Debatte bzgl. “individueller Lohnanreize” (1920 SU, 1960, 1970 bei Dobbs, Bettelheim & Co bis in die 2000er Jahre) völlig outdatet, abgesehen davon, dass sie meist falsch beantwortet wurde.

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Das Arbeitsgeld bei Marx (7)

Weiter in der Grundrissen. Hier eine weitere Schlüsselpassage, aus der deutlich wird, dass Arbeitszeitwert sich nur unter der Struktur der Warengesellschaft in Geld darstellt:

Adam Smith sagt, daß die Arbeit (Arbeitszeit) das ursprüngliche Geld ist, womit alle Waren gekauft werden. Den Akt der Produktion betrachtet, bleibt dies immer richtig (ebensowohl in bezug auf die Bestimmung der relativen Werte). Jede Ware wird in der Produktion fortwährend gegen Arbeitszeit ausgetauscht. Die Notwendigkeit eines von der Arbeitszeit unterschiednen Geldes kömmt grade dadurch herein, daß das Quotum Arbeitszeit ausgedrückt werden soll nicht in ihrem unmittelbaren und besondren Produkt, sondern in einem vermittelten und allgemeinen Produkt, in ihrem besondren Produkt als gleich und konvertibel gegen alle andren Produkte derselben Arbeitszeit; der Arbeitszeit nicht in einer Ware, sondern in allen Waren zugleich und darum in einer besondren Ware, die alle andren repräsentiert. Die Arbeitszeit kann nicht unmittelbar selbst das Geld sein (eine Forderung, die in andren Worten damit zusammenfällt, daß jede Ware unmittelbar ihr eignes Geld sein soll), eben weil sie faktisch stets nur in besondren Produkten existiert (als Gegenstand): Als allgemeiner Gegenstand kann sie nur symbolisch existieren, eben wieder in einer besondren Ware, die als Geld gesetzt wird. Die Arbeitszeit existiert nicht als allgemeiner, von den natürlichen Besonderheiten der Waren unabhängiger und abgeschiedner (losgelöster) Gegenstand des Austauschs. Als solcher müßte sie existieren, um die Bedingungen des Geldes unmittelbar zu erfüllen. Die Vergegenständlichung des allgemeinen, gesellschaftlichen Charakters der Arbeit (und darum der Arbeitszeit, die im Tauschwert enthalten) macht eben ihr Produkt zum Tauschwert; gibt der Ware die Eigenschaft des Geldes, die aber ein selbständig außer ihr existierendes Geldsubjekt wieder einschließt.” (Grundrisse, 100-101)

Dies lässt sich auch als Hinweis gegen die zeitgenössiche deutsche Wertkritik lesen: Nicht der Wert eines Produktes bedeutet die Subordination der Menschheit unter die Knute des Tauschwertes, sondern die Warenwirtschaft.

Adam Smith sagt, daß die Arbeit (Arbeitszeit) das ursprüngliche Geld ist, womit alle Waren gekauft werden.[57] Den Akt der Produktion betrachtet, bleibt dies immer richtig (ebensowohl in bezug auf die Bestimmung der relativen Werte). Jede Ware wird in der Produktion fortwährend gegen Arbeitszeit ausgetauscht. Die Notwendigkeit eines von der Arbeitszeit unterschiednen Geldes kömmt grade dadurch herein, daß das Quotum Arbeitszeit ausgedrückt werden soll nicht in ihrem unmittelbaren und besondren Produkt, sondern in einem vermittelten und allgemeinen Produkt, in ihrem besondren Produkt als gleich und konvertibel gegen alle andren Produkte derselben Arbeitszeit; der Arbeitszeit nicht in einer Ware, sondern in allen Waren zugleich und darum in einer besondren Ware, die alle andren repräsentiert. Die Arbeitszeit kann nicht unmittelbar selbst das Geld sein (eine Forderung, die in andren Worten damit zusammenfällt, daß jede Ware unmittelbar ihr eignes Geld sein soll), eben weil sie faktisch stets nur in besondren //101/ Produkten existiert (als Gegenstand): Als allgemeiner Gegenstand kann sie nur
29 In der Handschrift: dessen
Entstehung und Wesen des Geldes
symbolisch existieren, eben wieder in einer besondren Ware, die als Geld gesetzt wird. Die Arbeitszeit existiert nicht als allgemeiner, von den natürlichen Besonderheiten der Waren unabhängiger und abgeschiedner (losgelöster) Gegenstand des Austauschs. Als solcher müßte sie existieren, um die Bedingungen des Geldes unmittelbar zu erfüllen. Die Vergegenständlichung des allgemeinen, gesellschaftlichen Charakters der Arbeit (und darum der Arbeitszeit, die im Tauschwert enthalten) macht eben ihr Produkt zum Tauschwert; gibt der Ware die Eigenschaft des Geldes, die aber ein selbständig außer ihr existierendes Geldsubjekt wieder einschließt.

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Das Arbeitsgeld bei Marx (6)

Weiter zu dem Thema in den “Grundrissen”. Jetzt kommt eine Schlüsselstelle, aus der deutlich wird: Die bisherigen Überlegungen waren keine positive Darstellung der Stundenzetteln (Arbeitsgeld)  in der Planwirtschaft. Vielmehr kritisiert hier Marx die Vorstellung, die Produktionsverhältnisse ließen sich über eine Geldreform ändern. Aber lesen Sie selbst:

Die Notwendigkeit selbst, das Produkt oder die Tätigkeit der Individuen erst in die Form des Tauschwerts, in Geld, zu verwandeln, und daß sie erst in dieser sachlichen Form ihre gesellschaftliche Macht erhalten und beweisen, beweist zweierlei: 1. daß die Individuen nur noch für die Gesellschaft und in der Gesellschaft produzieren; 2. daß ihre Produktion nicht unmittelbar gesellschaftlich ist,” (Hervorhebung durch nikolaus)

Man könnte es auch so zusammenfassen: Punkt 1) ist die untere Grenze und Punkt 2) die obere Grenze der Warenwirtschaft. Weiter:

Die Individuen sind unter die gesellschaftliche Produktion subsumiert, die als ein Verhängnis außer ihnen existiert;”

Verhängnis – das ist extrem gut getroffen!

“aber die gesellschaftliche Produktion ist nicht unter die Individuen subsumiert, die sie als ihr gemeinsames Vermögen handhaben.”

Denn das wäre die Planwirtschaft. Von dieser ist also nicht die Rede.

Es kann also nichts falscher und abgeschmackter sein, als auf der Grundlage des Tauschwerts, des Geldes, die Kontrolle der vereinigten Individuen über ihre Gesamtproduktion vorauszusetzen, wie es oben mit der Stundenzettelbank geschah. Der private Austausch aller Arbeitsprodukte, Vermögen und Tätigkeiten steht im Gegensatz sowohl zu der auf Über- und Unterordnung (naturwüchsig oder politisch) der Individuen untereinander begründeten Verteilung (…) (welchen Charakter diese Über- und Unterordnung annehme: patriarchal, antik oder feudal) wie zu dem freien Austausch von Individuen, die assoziiert sind auf der Grundlage der gemeinsamen Aneignung und Kontrolle der Produktionsmittel.”

Letzteres wäre die Planwirtschaft. Also: der Warenaustausch steht im Gegensatz zur freien Assoziation. Dieser Gedankengang hat wohl auch die zeitgenössische deutsche Wertkritik zu der nicht falschen Kritik an dem Arbeitszeitgeldfetischismus inspiriert.

Wie die Teilung der Arbeit Agglomeration, Kombination, Kooperation, den Gegensatz der Privatinteressen, Klasseninteressen, die Konkurrenz, Konzentration des Kapitals, Monopol, Aktiengesellschaften erzeugt – lauter gegensätzliche Formen der Einheit, die den Gegensatz selbst hervorruft –, so erzeugt der Privataustausch den Welthandel, die private Unabhängigkeit eine vollkommne Abhängigkeit vom sog. Weltmarkt und die zersplitterten Akte des Austauschs ein Bank- und Kreditwesen, dessen Buchführung wenigstens die Ausgleichungen des Privataustauschs konstatiert. Im Wechselkurs – sosehr die Privatinteressen jeder Nation sie in ebenso viele Nationen teilen als sie fullgrown individuals besitzt und die Interessen der Exporters und Importers derselben Nation sich hier gegenüberstehn – erhält der Nationalhandel einen Schein von Existenz etc. etc. Niemand wird deswegen glauben, durch eine Börsenreform die Grundlagen des innren oder auswärtigen Privathandels aufheben zu können. Aber innerhalb der bürgerlichen, auf dem Tauschwert beruhenden Gesellschaft erzeugen sich sowohl Verkehrs- als Produktionsverhältnisse, die ebenso viel Minen sind, um sie zu sprengen. (Eine Masse gegensätzlicher Formen der gesellschaftlichen Einheit, deren gegensätzlicher Charakter jedoch nie durch stille Metamorphose zu sprengen ist. Andrerseits, wenn wir nicht in der Gesellschaft, wie sie ist, die materiellen Produktionsbedingungen und ihnen entsprechenden Verkehrsverhältnisse für eine klassenlose Gesellschaft verhüllt vorfänden, wären alle Sprengversuche Donquichoterie.)” (MEW 42, Seite 92, 93)

Nicht durch stille Metamorphose zu sprengen, aber zu sprengen, indem der Warencharakter der Produktion aufgehoben wird durch Enteignung der Produktionsmittelbesitzer. Erst dann und insofern reproduziert das Arbeitszeitgeld nicht die Unterordnung der Individuen unter dem Wert. Auf dieser Ebene wird die Kritik der deutschen Wertkritik gegenstandslos und Arbeitszeit wird ein Index der Planwirtschaft wie etwa Kilojoule …

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Das Arbeitsgeld bei Marx (5)

Es könnte nun gedacht werden, daß das Ausgeben von Stundenzetteln alle diese Schwierigkeiten überkömmt. (Die Existenz des Stundenzettels setzt natürlich schon Bedingungen voraus, die bei der Untersuchung des Verhältnisses von Tauschwert und Geld nicht unmittelbar gegeben sind und ohne welche beide existieren können und existieren: öffentlicher Kredit; Bank etc.; doch alles dies hier nicht weiter zu berühren; da natürlich die Männer des Stundenzettels ihn als letztes Produkt der „Serie“ betrachten, das, wenn es dem „reinen“ Begriff des Geldes am meisten entspricht, in der Realität zuletzt „erscheint“.) Zunächst: Wenn die Voraussetzungen, worunter der Preis der Waren = ihrem Tauschwert, als erfüllt vorausgesetzt werden: Decken von Nachfrage und Zufuhr; von Produktion und Konsumtion; in letzter Instanz Proportionate Production (die sog. Distributionsverhältnisse sind selbst Produktionsverhältnisse), so wird die Geldfrage ganz sekundär und speziell die Frage, ob tickets, blaue oder grüne, blecherne oder papierne, ausgegeben werden oder in welcher andren Form die gesellschaftliche Buchführung gehandhabt wird. Es ist dann höchst abgeschmackt, den Vorwand, als ob Untersuchungen über die wirklichen Geldverhältnisse angestellt werden sollten, beizubehalten.

Die Bank (any bank8) gibt die Stundenzettel aus. Die Ware a – dem Tauschwert x, d.h. = x Arbeitszeit, tauscht sich aus gegen Geld, repräsentierend x Arbeitszeit. Die Bank müßte ebenso die Ware kaufen, d.h. gegen ihren Geldrepräsentanten austauschen, wie z.B. jetzt die Bank von England für Gold Noten geben muß. Die Ware, das substantielle und darum zufällige Dasein des Tauschwerts, wird ausgetauscht gegen das symbolische Dasein des Tauschwerts als Tauschwerts. Es ist so keine Schwierigkeit, sie aus der Form der Ware in die Form des Geldes umzusetzen. Die Arbeitszeit, die in ihr enthalten ist, braucht nur authentisch verifiziert zu sein (was nebenbei gesagt nicht so leicht ist, wie die Feinheit und das Gewicht von Gold und Silber erproben) und erzeugt damit sofort ihre contrevaleur; ihr Gelddasein. Wie wir immer die Sache wenden und drehn mögen, in letzter Instanz läuft sie darauf hinaus: Die Bank, die die Stundenzettel ausgibt, käuft die Ware zu ihren Produktionskosten, käuft alle Waren, und zwar kostet ihr das Kaufen nichts als die Produktion von Papierschnitzeln, die dem Verkäufer anstatt des Tauschwerts, den er in einer bestimmten substantiellen Form besitzt, den symbolischen Tauschwert der Ware gibt, in andren Worten eine Anweisung auf alle andren Waren zum Belauf desselben Tauschwerts. Der Tauschwert als solcher kann natürlich nur symbolisch existieren, obgleich dieses Symbol, um es als Sache anwenden zu können – nicht bloß als Vorstellungsform –, sachliches Dasein besitzt; nicht nur ideelle Vorstellung ist, sondern wirklich vorgestellt in einer gegenständlichen Weise. (Ein Maß kann in der Hand behalten werden; der Tauschwert mißt, aber er tauscht nur aus, indem das Maß aus der einen Hand in die andre übergeht.

Also die Bank gibt für die Ware Geld; Geld, das exakt eine Anweisung auf den Tauschwert der Ware, d.h. auf alle Waren von demselben Wert, ist: Die Bank kauft. Die Bank ist der allgemeine Käufer, der Käufer nicht nur dieser oder jener Ware, sondern aller Ware. Denn sie soll eben den Umsatz jeder Ware in ihr symbolisches Dasein als Tauschwert bewerkstelligen. Wenn sie aber der allgemeine Käufer ist, muß sie auch der allgemeine Verkäufer sein, nicht nur das Dock, worin alle Waren deponiert werden, nicht nur das allgemeine Warenhaus, sondern der Besitzer der Waren, in demselben Sinn, wie es jeder andre Kaufmann ist. Ich habe meine Ware a gegen den Stundenzettel b ausgetauscht, der ihren Tauschwert vorstellt; aber nur, damit ich dies b nun beliebig wieder in allen wirklichen Waren c, d, e, etc. metamorphosieren kann. Kann nun dieses Geld zirkulieren außerhalb der Bank? Anders als zwischen dem Inhaber des Zettels und der Bank? Wodurch ist die Konvertibilität dieses Zettels gesichert? Es sind nur zwei Fälle möglich. Entweder sämtliche Wareninhaber (Produkte oder Arbeit) wollen ihre Ware zu ihrem Tauschwert verkaufen, oder einige wollen, andre nicht. Wenn sie alle zu ihrem Tauschwert verkaufen wollen, so werden sie nicht den Zufall abwarten, ob sich ein Käufer findet oder nicht, sondern gehn sofort zur Bank, treten ihr die Ware ab und erhalten ihr Tauschwertzeichen, Geld, dafür-. lösen sie gegen ihr eignes Geld ein. In diesem Fall ist die Bank zugleich der allgemeine Käufer und Verkäufer in einer Person. Oder das Gegenteil findet statt. In diesem Fall ist der Bankzettel bloßes Papier, behauptet bloß, das allgemein anerkannte Symbol des Tauschwerts zu sein, hat aber keinen Wert. Denn dies Symbol hat das eigen, daß es nicht nur den Tauschwert vorstellt, sondern im wirklichen Austausch derselbe ist. Im letztren Fall wäre der Bankzettel kein Geld, oder nur konventionelles Geld zwischen der Bank und ihren Kunden, nicht auf dem allgemeinen Markt. Es wäre dasselbe, was ein Dutzend Speisekarten sind, die ich im Abonnement bei einem Wirt erhalte, oder ein Dutzend Theaterbilletts, die beide Geld vorstellen, aber das eine nur Geld bei dieser bestimmten Speisetafel, das andre in diesem bestimmten Theater. Der Bankzettel hätte aufgehört, den Anforderungen des Geldes zu entsprechen, da er nicht im general public, sondern nur zwischen der Bank und ihren Kunden zirkulierte. Wir müssen also die letztre Unterstellung fallen lassen.

Die Bank wäre also der allgemeine Käufer und Verkäufer. Statt der Noten könnte sie auch Cheques ausgeben und statt dieser einfache Bookaccounts11 führen. Je nach der Summe der Warenwerte, die X an sie abgelassen, hätte er dieselbe Wertsumme in andren Waren an sie zu gut. Ein zweites Attribut der Bank wäre notwendig, den Tauschwert aller Waren, d.h. die in ihnen materialisierte Arbeitszeit, authentisch zu fixieren. Aber hier könnten ihre Funktionen nicht enden. Sie müßte die Arbeitszeit bestimmen, in der die Waren hervorgebracht werden können mit den Durchschnittsmitteln der Industrie, die Zeit, in der sie hervorgebracht werden müssen. Aber auch das wäre nicht hinreichend. Sie hätte nicht nur die Zeit zu bestimmen, in der ein gewisses Quantum Produkte hervorgebracht werden muß, und die Produzenten in solche Bedingungen zu setzen, daß ihre Arbeit gleich produktiv ist (also auch die Distribution der Arbeitsmittel auszugleichen und zu ordnen), sondern sie hätte die Quanta Arbeitszeit zu bestimmen, die auf die verschiednen Produktionszweige verwandt werden soll. Das letztre wäre nötig, da, um den Tauschwert zu realisieren, ihr Geld wirklich konvertibel zu machen, die allgemeine Produktion gesichert werden müßte und in solchen Verhältnissen, daß die Bedürfnisse der Austauschenden befriedigt werden. Das ist noch nicht alles. Der größte Austausch ist nicht der der Waren, sondern der der Arbeit gegen Waren. (Gleich drauf näher.) Die Arbeiter würden nicht ihre Arbeit an die Bank verkaufen, sondern den Tauschwert für das volle Produkt ihrer Arbeit erhalten etc. Genau dann besehn wäre die Bank nicht nur der allgemeine Käufer und Verkäufer: sondern auch der allgemeine Produzent. In der Tat wäre sie entweder die despotische Regierung der Produktion und Verwalterin der Distribution, oder sie wäre in der Tat nichts als ein board12, was für die gemeinsam arbeitende Gesellschaft Buch und Rechnung führte. Die Gemeinsamkeit der Produktionsmittel ist vorausgesetzt etc., etc. Die Saint-Simonisten machten ihre Bank zum Papsttum der Produktion.

Die Auflösung aller Produkte und Tätigkeiten in Tauschwerte setzt voraus sowohl die Auflösung aller festen persönlichen (historischen) Abhängigkeitsverhältnisse in der Produktion als die allseitige Abhängigkeit der Produzenten voneinander. Die Produktion sowohl jedes einzelnen ist’ abhängig von der Produktion aller andern; als die Verwandlung seines Produkts in Lebensmittel für ihn selbst abhängig geworden ist von der Konsumtion aller andern. Preise sind alt; ebenso der Austausch; aber sowohl die Bestimmung der einen mehr und mehr durch die Produktionskosten wie das Übergreifen des andern über alle Produktionsverhältnisse sind erst vollständig entwickelt und entwickeln sich stets vollständiger in der bürgerlichen Gesellschaft, der Gesellschaft der freien Konkurrenz. Was Adam Smith, in echter 18.-Jahrhundertweise in die antehistorische Periode setzt, der Geschichte vorhergehn läßt, ist vielmehr ihr Produkt.” (Grundrisse – Das Kapitel vom Geld – Heft I, MEW 42, Seite 87ff))

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planned economy nr 8

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Das Arbeitsgeld bei Marx (4)

Es ist auch nützlich, das Arbeitsgeld gegenüber dem echten Geld abzugrenzen:

Die Bestimmung des Produkts im Tauschwert bringt es also notwendig mit sich, daß der Tauschwert eine vom Produkt getrennte, losgelöste Existenz erhält. Der von den Waren selbst losgelöste und selbst als eine Ware neben ihnen, existierende Tauschwert ist – Geld” (…) “Die Eigenschaften des Geldes als 1. Maß des Warenaustausches; 2. als Austauschmittel; 3. als Repräsentant der Waren (deswegen als der Gegenstand der Kontrakte); 4. als allgemeine Ware neben den besondren Waren.” (Grundrisse, Seite 80)

Hier setzten bereits Missverständnisse an, die das Geld in der Planwirtschaft nicht bloß als Maß, sondern auch als Austauschmittel sehen.

Das Produkt wird zur Ware; die Ware wird zum Tauschwert; der Tauschwert der Ware ist ihre immanente Geldeigenschaft; diese ihre Geldeigenschaft löst sich von ihr als Geld los, gewinnt eine allgemeine, von allen besondren Waren und ihrer natürlichen Existenzweise gesonderte soziale Existenz; das Verhältnis des Produkts zu sich als Tauschwert wird sein Verhältnis zu einem neben ihm existierenden Gelde oder aller Produkte zu dem außer ihnen allen existierenden Geld. Wie der wirkliche Austausch der Produkte ihren Tauschwert erzeugt, so erzeugt ihr Tauschwert das Geld.” (…) “Das Bedürfnis des Austauschs und die Verwandlung des Produkts in reinen Tauschwert schreitet voran im selben Maß wie die Teilung der Arbeit, d.h. mit dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion.” (…)

Hier setzten die nächsten Missverständnisse an, die das Geld in der Planwirtschaft zwar als Übergangsform, aber abhängig von der Teilung der Arbeit sehen – einTeufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt.

“Aber in demselben Maße, wie dieser wächst, wächst die Macht des Geldes, d.h. setzt sich das Tauschverhältnis als eine den Produzenten gegenüber äußere und von ihnen unabhängige Macht fest. Was ursprünglich als Mittel zur Förderung der Produktion erschien, wird zu einem den Produzenten fremden Verhältnis. In demselben Verhältnis, wie die Produzenten vom Austausch abhängig werden, scheint der Austausch von ihnen unabhängig zu werden und die Kluft zwischen dem Produkt als Produkt und dem Produkt als Tauschwert zu wachsen. Das Geld bringt diese Gegensätze und Widersprüche nicht hervor; sondern die Entwicklung dieser Widersprüche und Gegensätze bringt die scheinbar transzendentale Macht des Geldes hervor.” (Grundrisse, Seite 81)

Nebenbei, letzterer Satz ein Argument gegen die Geldreformer.

Der Tauschwert der Ware, als besondere Existenz neben der Ware selbst, ist Geld. (…) Der Prozeß ist also einfach der: Das Produkt wird Ware, d.h. bloßes Moment des Austausches. Die Ware wird in Tauschwert verwandelt.” Grundrisse, Seite 77, Seite 79.

Mit Austausch ist in diesem Zusammenhang der Warentausch gemeint, also zum Zwecke der Realisierung des Tauschwertes, für den Kapitalisten: des Mehrwertes.

Demgegenüber steht das Arbeitsgeld nicht neben dem Produkt, als Anfang des Kapitals. Der Prozess ist also einfach der: Das Produkt wird nicht Ware, sondern bleibt Gebrauchswert und existiert somit nicht wegen des Austausches. Das Arbeitsgeld hat keine Substanz, ist ist bloße ideele Recheneinheit, die sich metrisch auf die Verausgabung von ökonomischen Ressourcen bei der Produktion der Produkte bezieht.

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“Die Internationale” und die Theorie der Planwirtschaft (1)

Bucharin und “Die Internationale” 1922

von Martin Seelos

Bucharin_und_Die Internatioanle_1922.pdf

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Das Arbeitsgeld bei Marx (3)

In den Grundrissen findet sich eine interessante Kritik an dem Arbeitsgeld (vulgo Stundenzettel). Aus der gesamten Argumentation wird deutlich, dass sich die Kritik an Proudhons Ansatz bezieht, über eine Änderung der Distributionsmittel (dem Geld) eine Änderung der Produktionsverhältnisse herbeiführen zu wollen. Deutlicher: Die Kritik von Marx an den Stundenzetteln bezieht sich auf die Stundenzetteln unter den Verhältnissen der Warenwirtschaft, mit Tausch von gleichen Äquivalenten, Markt, Angebot und Nachfrage … kurz der Wirtschaft individueller Warenbesitzer und Produzenten. Der Passus sagt aberauch implizit etwas aus über die Aufhebung des Unterschiedes zwischen Wert und Preis durch die Aufhebung der Warenwirtschaft (Planwirtschaft):

Der Wert (der reale Tauschwert) aller Waren (die Arbeit eingeschlossen) ist durch ihre Produktionskosten bestimmt, in andren Worten, durch die Arbeitszeit, die zu ihrer Hervorbringung erheischt wird. Der Preis ist dieser ihr Tauschwert in Geld ausgedrückt. Die Ersetzung des Metallgeldes (und des von ihm seine Denomination erhaltenden Papier- oder Kreditgeldes) durch Arbeitsgeld, das seine Denomination von der Arbeitszeit selbst erhielte, würde also den realen Wert (Tauschwert) der Waren und ihren nominellen Wert, Preis, Geldwert gleichsetzen. Gleichsetzung des realen Werts und des nominellen Werts, des Werts und des Preises. Dies würde aber nur erreicht unter der Voraussetzung, daß Wert und Preis nur nominell verschieden sind. Solches ist aber keineswegs der Fall. Der durch die Arbeitszeit bestimmte Wert der Waren ist nur ihr Durchschnittswert. Ein Durchschnitt, der als äußerliche Abstraktion erscheint, soweit er als die Durchschnittszahl einer Epoche herausaddiert wird, z.B. 1 Pfund Kaffee 1 sh, wenn der Durchschnitt, sage der Kaffeepreise von 25 Jahren, gezogen wird; der aber sehr real ist, wenn er zugleich als die Trieb kraft und das bewegende Prinzip der Oszillationen erkannt wird, die die Warenpreise während einer bestimmten Epoche durchlaufen. Diese Realität ist nicht nur von theoretischer Wichtigkeit- Sie bildet die Grundlage der kaufmännischen Spekulation, deren Wahrscheinlichkeitsrechnung sowohl von den mittleren Durchschnittspreisen, die ihr als Zentrum der Oszillation gelten, als von Durchschnittshöhen und Durchschnittstiefen der Oszillation über oder unter dieses Zentrum ausgeht. Von diesem Durchschnittswert der Ware ist ihr Marktwert stets verschieden und steht stets entweder unter oder über ihm. Der Marktwert gleicht sich aus zum Realwert durch seine beständigen Oszillationen, nie durch eine Gleichung mit dem Realwert als einem Dritten, sondern durch stete Ungleichsetzung seiner selbst (nicht, wie Hegel sagen würde, durch abstrakte Identität, sondern durch beständige Negation der Negation, d.h. seiner selbst als der Negation des Realwerts). Daß der Realwert selbst wieder – unabhängig von seiner Beherrschung der Oszillationen des Marktpreises (abgesehn von ihm als dem Gesetze dieser Oszillationen) – sich selbst verneint und den Realwert der Waren beständig in Widerspruch mit seiner eignen Bestimmung setzt, den Realwert der vorhandnen Waren depreziiert oder appreziiert – habe ich in meinem Pamphlet gegen Proudhon gezeigt und ist an diesem Ort nicht näher darauf einzugehn.
Der Preis unterscheidet sich also vom Wert, nicht nur wie das Nominelle vom Realen; nicht nur durch die Denomination in Gold und Silber, sondern dadurch, daß der letztre als Gesetz der Bewegungen erscheint, die der erstre durchläuft. Sie sind aber beständig verschieden und decken sich nie oder nur ganz zufällig und ausnahmsweise. Der Warenpreis steht beständig über oder unter dem Warenwert, und der Warenwert selbst existiert nur in dem up and down61 der Warenpreise. Nachfrage und Zufuhr bestimmen beständig die Warenpreise; decken sich nie oder nur zufällig; aber die Produktionskosten bestimmen ihrerseits die Oszillationen der Nachfrage und Zufuhr. Das Gold oder Silber, worin der Preis einer Ware, ihr Marktwert, ausgedrückt wird, ist selbst ein bestimmtes Quantum aufgehäufter Arbeit, ein bestimmtes Maß materialisierter Arbeitszeit. Unter der Voraussetzung, daß die Produktionskosten der Ware und die Produktionskosten des Goldes und Silbers dieselben bleiben, heißt das Steigen oder Fallen ihres Marktpreises nichts, als daß eine Ware, = x Arbeitszeit, beständig > oder < als x Arbeitszeit im Markt kommandiert, über oder unter ihrem durch die Arbeitszeit bestimmten Durchschnittswert steht. Die erste Grundillusion der Stundenzettler besteht darin, daß, indem sie die nominelle Verschiedenheit zwischen Realwert und Marktwert, zwischen Tauschwert und Preis, aufheben – also den Wert statt in einer bestimmten Vergegenständlichung der Arbeitszeit, say Gold und Silber, in der Arbeitszeit selbst ausdrücken –, sie auch den wirklichen Unterschied und Widerspruch zwischen Preis und Wert beseitigen. So versteht sich von selbst, wie die bloße Einführung des Stundenzettels alle Krisen, alle Mißstände der bürgerlichen Produktion beseitigte. Der Geldpreis der Waren = ihrem Realwert; die Nachfrage = der Zufuhr; die Produktion = der Konsumtion; das Geld zugleich abgeschafft und konserviert; die Arbeitszeit, deren Produkt die Ware ist, die in der Ware materialisiert wird, brauchte bloß konstatiert zu werden, um ein ihr entsprechendes Gegengebild in einem Wertzeichen, Geld, in Stundenzetteln zu erzeugen. Jede Ware wäre so direkt in Geld verwandelt und Gold und Silber ihrerseits zum Rang aller andren Waren herabgesetzt.
Es bedarf keiner Ausführung, daß der Widerspruch zwischen Tauschwert und Preis – des Durchschnittspreises und der Preise, deren Durchschnitt er ist –, der Unterschied zwischen den Größen und ihrer Durchschnittsgröße, nicht dadurch aufgehoben wird, daß man den bloßen Namensunterschied zwischen beiden aufhebt, also statt zu sagen: 1 Pfund Brot kostet 8d, sagt, 1 Pfund Brot =x1 Arbeitsstunde. Umgekehrt, wenn 8d =x1 Arbeitsstunde, und wenn die Arbeitszeit, die in einem Pfunde Brot materialisiert ist, mehr oder weniger als x1Arbeitsstunde, so würde der Unterschied zwischen Wert und Preis, dadurch daß das Maß des Werts zugleich das Element wäre, worin der Preis ausgedrückt wird, ihren Unterschied nur grell hervortreten lassen, der im Gold- oder Silberpreis versteckt ist. Es käme eine unendliche Gleichung heraus. x1 Arbeitsstunde (enthalten in 8d oder ausgedrückt durch einen Zettel) > < als x1 Arbeitsstunde (enthalten in dem Pfund Brot).
Der Stundenzettel, der die Durchschnittsarbeitszeit repräsentiert, würde nie der wirklichen Arbeitszeit entsprechen und nie gegen sie konvertibel sein; d.h., die in einer Ware vergegenständlichte Arbeitszeit würde nie eine sich gleiche Quantität Arbeitsgeld kommandieren und umgekehrt, sondern mehr oder weniger, wie jetzt jede Oszillation der Marktwerte in einem Steigen oder Fallen ihrer Gold- und Silberpreise sich ausdrückt.
Die beständige Depreziation der Waren – in längren Perioden – gegen die Stundenzettel, von der wir früher sprachen, ging aus dem Gesetz der steigenden Produktivität der Arbeitszeit, aus den Störungen im relativen Wert selbst hervor, die durch sein eignes inhärentes Prinzip, die Arbeitszeit, geschaffen werden. Die Inkonvertibilität, der Stundenzettel, von der wir jetzt sprechen, ist nichts als ein andrer Ausdruck für die Inkonvertibilität zwischen Realwert und Marktwert, Tauschwert und Preis. Der Stundenzettel repräsentierte im Gegensatz zu allen Waren eine ideale Arbeitszeit, die sich bald gegen mehr, bald gegen weniger der wirklichen austauschte und in dem Zettel eine abgesonderte, eigne Existenz erhielte, die dieser wirklichen Ungleichheit entspräche. Das allgemeine Äquivalent, Zirkulationsmittel und Maß der Waren träte ihnen wieder gegenüber individualisiert, eignen Gesetzen folgend, entfremdet, d.h. mit allen Eigenschaften des jetzigen Geldes, ohne seine Dienste zu leisten. Aber die Konfusion würde dadurch eine ganz andre Höhe erhalten, daß das Medium, worin die Waren, diese vergegenständlichten Quanta von Arbeitszeit, verglichen werden, nicht eine dritte Ware, sondern ihr eignes Wertmaß, die Arbeitszeit, selbst wäre. Ware a, die Vergegenständlichung von 3 Stunden Arbeitszeit, ist = 2 Arbeitsstundenzettel; Ware b, die Vergegenständlichung ditto von 3 Arbeitsstunden, ist = 4 Arbeitsstundenzettel. Dieser Widerspruch ist in der Tat, nur verhüllt, in den Geldpreisen ausgedrückt. Der Unterschied zwischen Preis und Wert, zwischen der Ware, gemessen durch die Arbeitszeit, deren Produkt sie ist, und dem Produkt der Arbeitszeit, gegen die [sie] sich austauscht, dieser Unterschied erheischt eine dritte Ware als Maß, worin sich der wirkliche Tauschwert der Ware ausdrückt. Weil der Preis nicht gleich dem Wert ist, kann das wertbestimmende Element – die Arbeitszeit – nicht das Element sein, worin die Preise ausgedrückt werden, weil die Arbeitszeit sich zugleich als das bestimmende und das nicht bestimmende, als das gleiche und ungleiche ihrer selbst auszudrücken hätte. Weil die Arbeitszeit als Wertmaß nur ideal existiert, kann sie nicht als Materie der Vergleichung der Preise dienen. (Hier zugleich geht Licht auf, wie und warum das Wertverhältnis im Geld eine materielle und besonderte Existenz erhält. Dies weiter auszuführen.) Der Unterschied von Preis und Wert erheischt, daß die Werte als Preise an einem andren Maßstab als ihrem eignen gemessen werden. Preis im Unterschied vom Wert ist notwendig Geldpreis. Hier erscheint, daß der nominelle Unterschied zwischen Preis und Wert durch ihren realen bedingt ist
.” (MEW 42; DIETZ VERLAG BERLIN; 1983, Seite 72-75, Hervorhebung vom Autor)

Erst wenn die Produkte keine Ware sind, können Wert und Preis zusammenfallen, nein: müssen Wert und Preis zusammenfallen.

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Kommentar

Das Arbeitsgeld bei Marx (2)

1/2 Unze Gold ist in der Tat nichts als materialisiert, vergegenständlichte, x Stunden Arbeitszeit. Aber das Gold ist vergangene Arbeitszeit, bestimmte Arbeitszeit. Sein Titel würde ein bestimmtes Quantum Arbeit überhaupt zu seinem Maßstab machen. Das Pfund Gold müßte konvertibel sein gegen x Stunden Arbeitszeit, sie jeden Augenblick kaufen können.” (Marx, Grundrisse, Das Kapitel vom Geld, Heft 1, MEW 42, Seite 70)

Hier wird schön deutlich, dass der Begriff Wert in der Warenwirtschaft und der Begriff Wert in der Planwirtschaft proper wenig miteinander zu tun haben. Ersterer bezieht sich auf ein Medium, das einen generellen Abgleich der in den Waren steckenden Arbeitszeiten ermöglicht und sich deswegen nicht auf den konkreten Arbeitszeitwert dieser oder jener Ware oder des Geldes bezieht.

In der Planwirtschaft hingegen ist der “Wert” der Produkte, so damit nicht der Nutzwert verstanden wird, sondern die ökonomischen Kosten, jedoch immer eine konkrete Verausgabung von Arbeitszeit, vergangen und nicht gegenwärtig. Wenig durchdacht wäre es, in diesem Zusammenhang von “gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit” zu sprechen. Nein, nicht wenig durchdacht, sondern einfach ganz falsch. Die GNA bleibt Element der Warenwirtschaft und sonst nichts.

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Kommentare (3)

Das Arbeitsgeld bei Marx (1)

Die Bezugnahme in den “Grundrissen” fand zuerst einma gegen die Proudhonisten statt. Das Thema ist daher,ob die Umgestalltung der Gesellschaft bei der Umgestalltung der Distributionsverhältnisse beginnen soll und kann. Die Antwort liegt auf der Hand. Aber Vorsicht: Wer genau liesst, wird merken, dass – was die Entstehung des Kapitalimus betrifft – Marx nicht von dem kausalen Primat der Produktion über die Distribution ausgeht. Achten Sie auf den Begriff “Moment”. Doch lesen Sie selbst:

Wir sind hier bei der Grundfrage angelangt, die mit dem Ausgangspunkt nicht mehr zusammenhängt. Die Frage wäre allgemein. Können durch Änderung im Zirkulationsinstrument – in der Organisation der Zirkulation – die bestehenden Produktionsverhältnisse und die ihnen entsprechenden Distributionsverhältnisse revolutioniert werden? Fragt sich weiter: Kann eine solche Transformation der Zirkulation vorgenommen werden, ohne die bestehnden Produktionsverhältnisse und die auf ihnen beruhenden gesellschaftlichen Verhältnisse anzutasten? Wenn jede solche Transformation der Zirkulation selbst wieder Veränderungen der andren Produktionsbedingungen und gesellschaftliche Umwälzungen voraussetzte, so fiele natürlich von vornherein die Lehre, die ihre Zirkulationskunststücke vorschlägt, um einerseits den gewaltsamen Charakter der Veränderungen zu vermeiden, andrerseits diese Veränderungen selbst nicht zur Voraussetzung, sondern umgekehrt zum allmählichen Resultat der Zirkulationsumwandlung machen will. Die Falschheit dieser Grundvoraussetzung würde hinreichen, das gleiche Mißverständnis über den innern Zusammenhang der Produktions-, Distributions- und Zirkulationsverhältnisse zu beweisen. Die oben angedeutete historische Instanz kann natürlich nicht den Ausschlag geben, da die modernen Kreditinstitute ebensosehr Wirkung als Ursache der Konzentration des Kapitals waren, nur ein Moment in derselben bilden und Konzentration des Vermögens ebensosehr durch Mangel an Zirkulation (wie im alten Rom) als durch erleichterte Zirkulation beschleunigt wird. Es wäre ferner zu untersuchen oder schlüge vielmehr in die allgemeine Frage, ob die verschiednen zivilisierten Formen des Geldes – Metallgeld, Papiergeld, Kreditgeld, Arbeitsgeld (letztres als sozialistische Form) – erreichen können, was von ihnen verlangt17 wird, ohne das in der Kategorie Geld ausgedrückte Produktionsverhältnis selbst aufzuheben, und ob es dann andrerseits nicht wieder eine sich selbst auflösende Forderung ist, durch die formelle Umwandlung eines Verhältnisses sich über wesentliche Bedingungen desselben wegsetzen zu wollen? Die verschiednen Formen des  Geldes mögen der gesellschaftlichen Produktion auf verschiednen Stufen besser entsprechen, die eine Übelstände beseitigen, denen die andre nicht gewachsen ist; keine aber, solange sie Formen des Geldes bleiben und solange das Geld ein wesentliches Produktionsverhältnis bleibt, kann die dem Verhältnis des Geldes inhärenten Widersprüche aufheben, sondern sie nur in einer oder der andern Form repräsentieren. Keine Form der Lohnarbeit, obgleich die eine Mißstände der andren überwältigen mag, kann die Mißstände der Lohnarbeit selbst überwältigen. Ein Hebel mag besser den Widerstand der ruhenden Materie überwinden, als der andre. Jeder beruht darauf, daß der Widerstand bleibt. Diese allgemeine Frage über das Verhältnis der Zirkulation zu den übrigen Produktionsverhältnissen kann natürlich erst am Schluß aufgeworfen werden. Verdächtig bleibt es von vornherein, daß Proudhon und Konsorten sie nicht einmal in ihrer reinen Form aufstellen, sondern nur gelegentlich darüber deklamieren.” MEW 42; DIETZ VERLAG BERLIN; 1983, Seite 58, 59

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Kommentar

Die Frage der Klassik

Die Frage, was die klassische Form der ökonomischen Kategorien sei und weshalb diese Frage für die Theorie der Planwirtschaft von Bedeutung, wurde von Diskussionsteilnehmern dieses Blogs ein paar mal gestellt.

In den unterschiedlichen Gesellschaftsformationen wie asiatische, antike, feudale oder kapitalistischen Produktionsweise wie auch zum Teil in der Planwirtschaft und im Kommunismus können dieselben ökonomische Kategorien (wie etwa Zins, Arbeit, Lohn, Gewalt, Natur …) auftreten. Aber nur in einer Gesellschaftsformation in ihrer klassischen Art und Weise. In den anderen entweder verfrüht, unreif oder verkümmert und degeneriert.

Damit ist die Frage der Klassik gestellt. Diese ist einerseits wichtig, um eine Gesellschaftsformation an der sie prägenden Kategorie zu charakterisieren, andererseits um von dem richtigen Standpunkt auf andere Gesellschaftsformationen blicken zu können. Marx brachte in diesem Zusammenhang das Bonmont „Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen“ – als dies geschrieben wurde, war die Annahme, das der Mensch vom Affen abstammt, die fortschrittlichste Idee. Für die Theorie der Planwirtschaft ist der Aspekt der Klassik der erste „starting point“, wo wir uns vergegenwärtigen müssen, dass wir uns der zukünftigen Formation mit den Kategorien und der Blickperspektive des Kapitalismus nähern. Und nicht anders können.

Der konzentrierteste Text bei Marx zu der Frage der Klassik findet sich in der Einleitung zu den Grundrissen der politischen Ökonomie, sozusagen sein Entwurf und Masterplan für das gesamte Lebenswerk Marx´.

Auch dieses Passage finde ich sehr erhellend:

Die bürgerliche Gesellschaft ist die entwickeltste und mannigfaltigste historische Organisation der Produktion. Die Kategorien, die ihre Verhältnisse ausdrücken, das Verständnis ihrer Gliederung, gewährt daher zugleich Einsicht in die Gliederung und die Produktionsverhältnisse aller der untergegangnen Gesellschaftsformen, mit deren Trümmern und Elementen sie sich aufgebaut, von denen teils noch unüberwundne Reste sich in ihr fortschleppen, bloße Andeutungen sich zu ausgebildeten Bedeutungen entwickelt haben etc. Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen. Die Andeutungen auf Höhres in den untergeordneten Tierarten können dagegen nur verstanden werden, wenn das Höhere selbst schon bekannt ist. Die bürgerliche Ökonomie liefert so den Schlüssel zur antiken etc. Keineswegs aber in der Art der Ökonomen, die alle historischen Unterschiede verwischen und in allen Gesellschaftsformen die bürgerlichen sehen. Man kann Tribut, Zehnten etc. verstehn, wenn man die Grundrente kennt. Man muß sie aber nicht identifizieren. Da ferner die bürgerliche Gesellschaft selbst nur eine gegensätzliche Form der Entwicklung, so werden Verhältnisse frührer Formen oft nur ganz verkümmert in ihr anzutreffen sein, oder gar travestiert. Z.B. Gemeindeeigentum. Wenn daher wahr ist daß die Kategorien der bürgerlichen Ökonomie eine Wahrheit für alle andren Gesellschaftsformen besitzen, so ist das nur cum grano salis <in ganz bestimmter Richtung> zu nehmen. Sie können dieselben entwickelt, verkümmert, karikiert etc. enthalten, immer in wesentlichem Unterschied. Die sogenannte historische Entwicklung beruht überhaupt darauf, daß die letzte Form die vergangnen als Stufen zu sich selbst betrachtet und, da sie selten und nur unter ganz bestimmten Bedingungen fähig ist, sich selbst zu kritisieren – es ist hier natürlich nicht von solchen historischen Perioden die Rede, die sich selbst als Verfallzeit vorkommen -, sie immer einseitig auffaßt. Die christliche Religion war erst fähig, zum objektiven Verständnis der frühern Mythologien zu verhelfen, sobald ihre Selbstkritik zu einem gewissen Grad sozusagen dunamei <der Möglichkeit nach> fertig war. So kam die bürgerliche Ökonomie erst zum Verständnis der feudalen, antiken, orientalen, sobald die Selbstkritik der bürgerlichen Gesellschaft begonnen. Soweit die bürgerliche Ökonomie nicht mythologisierend sich rein identifiziert mit dem Vergangnen, glich ihre Kritik der frühern, namentlich der Feudalen, mit der sie noch direkt zu kämpfen hatte, der Kritik die das Christentum am Heidentum, oder auch der Protestantismus am Katholizismus ausübte.

Wie überhaupt bei jeder historischen, sozialen Wissenschaft, ist bei dem Gange der ökonomischen Kategorien immer festzuhalten, daß, wie in der Wirklichkeit, so im Kopf, das Subjekt, hier die moderne bürgerliche Gesellschaft, gegeben ist, und daß die Kategorien daher Daseinsformen, Existenzbestimmungen, oft nur einzelne Seiten dieser bestimmten Gesellschaft, dieses Subjekts, ausdrücken, und daß sie daher auch wissenschaftlich keineswegs da erst anfängt, wo nun von ihr als solcher die Rede ist. (…)

Es wäre also untubar und falsch, die ökonomischen Kategorien in der Folge aufeinander folgen zu lassen, in der sie historisch die bestimmenden waren. Vielmehr ist ihre Reihenfolge bestimmt durch die Beziehung, die sie in der modernen bürgerlichen Gesellschaft aufeinander haben, und die genau das umgekehrte von dem ist, was als ihre naturgemäße erscheint oder der Reihe der historischen Entwicklung entspricht. Es handelt sich nicht um das Verhältnis, das die ökonomischen Verhältnisse in der Aufeinanderfolge verschiedener Gesellschaftsformen historisch einnehmen. Noch weniger um ihre Reihenfolge “in der Idee” (Proudhon) (einer verschwimmelten Vorstellung der historischen Bewegung). Sondern um ihre Gliederung innerhalb der modernen bürgerlichen Gesellschaft.“1

Die Frage, die sich hier quasi von selbst stellt, ist: Gibt es nun ökonomische Kategorien, die in sich das Potential zur Klassik tragen, weil sie Ausdruck von Produktionsverhältnissen, wie Privateigentum z.B. haben und gibt es im Gegenzug auch ökonomische Kategorien, die nicht Ausdruck von Verhältnissen sind, wie etwa „Arbeit“, die aber anderseits durch die Verhältnisse formbar sind. Bei Marx gibt es in den Grundrissen Andeutungen in diese Richtung. Aber es ist auch reizvoll, einmal davon auszugehen, dass es diese Unterscheidung nicht gebe …

Einen anderen Aspekt, den Marx unschlagbar gut getroffen hat, betrifft das Zurückschauen:

Nehmen wir z.B. das Verhältnis der griechischen Kunst und dann Shakespeares zur Gegenwart. Bekannt, daß die griechische Mythologie nicht nur das Arsenal der griechischen Kunst, sondern ihr Boden. Ist die Anschauung der Natur und der gesellschaftlichen Verhältnisse, die der griechischen Phantasie und daher der griechischen [Mythologie] zugrunde liegt, möglich mit Selfaktors und Eisenbahnen und Lokomotiven und elektrischen Telegraphen? Wo bleibt Vulkan gegen Roberts et Co., Jupiter gegen den Blitzableiter und Hermes gegen den Crédit mobilier? Alle Mythologie überwindet und beherrscht und gestaltet die Naturkräfte in der Einbildung und durch die Einbildung: verschwindet also mit der wirklichen Herrschaft über dieselben. Was wird aus der Fama neben Printinghouse Square? Die griechische Kunst setzt die griechische Mythologie voraus, d.h. die Natur und die gesellschaftlichen Formen selbst schon in einer unbewußt künstlerischen Weise verarbeitet durch die Volksphantasie. Das ist ihr Material. Nicht jede beliebige Mythologie, d.h. nicht jede beliebige unbewußt künstlerische Verarbeitung der Natur (hier darunter alles Gegenständliche, also die Gesellschaft eingeschlossen). Ägyptische Mythologie konnte nie der Boden oder der Mutterschoß griechischer Kunst sein. Aber jedenfalls eine Mythologie. Also keinesfalls eine Gesellschaftsentwicklung, die alles mythologische Verhältnis zur Natur ausschließt, alles mythologiserende Verhältnis zu ihr; also vom Künstler eine von Mythologie unabhängige Phantasie verlangt.

Von einer andren Seite: Ist Achilles möglich mit Pulver und Blei? Oder überhaupt die ” Iliade” mit der Druckerpresse oder gar Druckmaschine? Hört das Singen und Sagen und die Muse mit dem Preßbengel nicht notwendig auf <In der Handschrift: aus>, also verschwinden nicht notwendige Bedingungen der epischen Poesie?

Aber die Schwierigkeit liegt nicht darin, zu verstehn, daß griechische Kunst und Epos an gewisse gesellschaftliche Entwicklungsformen geknüpft sind. Die Schwierigkeit ist, daß sie für uns noch Kunstgenuß gewähren und in gewisser Beziehung als Norm und unerreichbare Muster gelten.

Ein Mann kann nicht wieder zum Kinde werden, oder er wird kindisch.

Aber freut ihn die Naivetät des Kindes nicht, und muß er nicht selbst wieder auf einer höhren Stufe streben, seine Wahrheit zu reproduzieren? Lebt in der Kindernatur nicht in jeder Epoche ihr eigner Charakter in seiner Naturwahrheit auf? Warum sollte die geschichtliche Kindheit der Menschheit, wo sie am schönsten entfaltet, als eine nie wiederkehrende Stufe nicht ewigen Reiz ausüben? Es gibt ungezogene Kinder und altkluge Kinder. Viele der alten Völker gehören in diese Kategorie. Normale Kinder waren die Griechen. Der Reiz ihrer Kunst für uns steht nicht im Widerspruch zu der unentwickelten Gesellschaftsstufe, worauf sie wuchs. Ist vielmehr ihr Resultat und hängt vielmehr unzertrennlich damit zusammen, daß die unreifen gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie entstand und allein entstehn konnte, nie wiederkehren können.“2

***

1. Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 13, 7. Auflage 1971, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1961, Berlin/DDR. S. 637.

2. Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 13, 7. Auflage 1971, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1961, Berlin/DDR. S. 641-642.

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Kommentar

Die Grundrente

in planned economy nr. 4 wird nach- oder sollte man besser sagen, vorgezeichnet, was aus der Bodenrente im Übergang zur Planwirtschaft wird. Dabei wird die Analyse der Bodenrente aus dem Dritten Band des Kapitals von Marx als Basis genommen.

Nur zwecks historischer Einordung soll hinzugefügt werden: Die Bodenrente als Geldrente. Denn wie Ahlers et. al., Die vorkapitalistischen Produktionsweisen, Erlangen 1973, Seite 64ff, sehr schön darstellen, ist diese die letzte Form, hervorgegangen aus der Produktenrente und diese aus der Arbeitsrente. Ahlers et. al. abschießend zu dieser Mutation:

Fassen wir zusammen: Die feudale Form der Aneignung des Mehrprodukts beruht auf dem System der Rentengrundherrschaft, die in drei Formen vorhanden ist, wobei sich historisch die jeweils höhere aus der jeweils niedrigeren bildet. Das Natural- bzw. das Geldpachtsystem bestimmt und modifiziert im Laufe der Entwicklung die Stellung des unmittelbaren Produzenten zu seinem Hauptproduktionsmittel, dem Boden. Dieser Prozeß stellt sich in der Entwicklung des Feudalismus dar als eine zunehmende Verdinglichung der persönlichen Abhängigkeitsverhältnisse, die sich ausdrückt in dem allmählichen Übergang von der Leibeigenschaft – Ausbeutung in Form der Arbeitsrente – zur Grundherrschaft – Ausbeutung in Form der Geldrente. Die Produktenrente stellt in diesem Entwicklungsprozeß – der seine Basis in der Weiterentwicklung der Produktivkräfte, dem Eindringen der Warenproduktion auf dem Land, der ökonomischen und sozialen Krise des Adels und dem Aufkommen antifeudqaler Kräfte hat – die Übergangsform zwischen zwei Polen dar.” (Seite 66)

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Zur Methodologie ökonomischer Untersuchungen

13 Seiten zum Thema:

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Kommentare (9)

Diskussion zur Untersuchungsmethode (1)

In diesem Beitrag möchte ich den Kommentar von Gerhard E. zu dem Artikel  Ahlers Vorkapitalistische – ein guter Wegweiser beantworten.

Hallo Gerhard,

vielen Dank für Deinen Beitrag, auf den ich in zwei Punkten eingehen möchte. Ein Punkt scheint mir besonders wichtig, das ist die Frage,

# welche konkrete Realität (Kapitalismus, Kapitalismus des 19. Jahrhunderts oder die Planwirtschaften des 20. Jahrhunderts) als Grundlage der ökonomischen Theorie der Planwirtschaft herhalten kann und welche Rolle die Ökonomen der Arbeiterstaaten (Lange, Kornai, Varga, Kosta, Sik, Strumilin usw.) bei der Weiterentwicklung ebendieser Theorie einnahmen.

Auch interessant, aber hier weniger zentral, ist ein anderer Frage, die Du aufgeworfen hast:

# Die der antiken Produktionsweise und des darauffolgenden „dunklen Mittelalters“.

Ich möchte mit dem zweiten Punkt beginnen, der – so glaube ich – kurz gehalten werden kann. Zuerst einmal teile ich die Charakterisierung des europäischen Mittelalters als “dunkles Zeitalter” nicht. Und, nebenbei erwähnt, auch im bürgerlich-akademischen Wissenschaftsbetrieb ist man, villeicht aus entgegengesetzten Gründen, davon abgegangen. Meine Sichtweise: ganz einfach und „teleologisch“ ist in Europa das Feudalsystem die notwendige Durchgangsphase auf dem Weg zum industriellen Kapitalismus gewesen. Und hatte somit als Element der eigenen dialektischen Aufhebung eine progressive Rolle. Abgesehn davon, dass im Vergleich zu der Sklavenhaltungs-Produktionsweise der Antike das Feudalsystem produktiver und humaner war.

Nun deutest Du in Deinem Kommentar richtig an, dass das antike Rom bereits einige Elemente des heutigen, kapitalistischen Überbaus (Rechtssystem …) errichtet hatte. Ich plane ein kultur magazin zu der Frage der attischen Demokratie und der antiken Produktionsweise herauszugeben, so dass ich auf dieses Heft verweisen möchte und mich an dieser Stelle auf folgendes beschränke: In der antiken Produktionsweise waren einige Elemente des Kapitalismus bereits angelegt, wie (1) der Privatbesitz am Grund und Boden sowie später (2) die Warenproduktion und der „Welthandel Mittelmeer“. Aber diese Elemente standen noch in einem sozialen Gegensatz zueinander und konnten auf Basis der Dominanz der Sklavenhaltung auch nicht progressiv – sprich: in einem Übergang zum industriellen Kapitalismus – aufgelöst werden. Die, wie ich es nun nenne „vor-reife Proletarisierung“ wurde politisch und militärisch aufgehoben, aber nicht ökonomisch. Sprich: Die durch den Übergang zur Warenproduktion und zum Welthandel proletarisierten Produzenten wurden durch Staatsämter (Beispiel Perikles´ Diäten) neutralisiert oder bildeten das Menschenmaterial zur weiteren Militarisierung. Beispiel: Athens Flottenaufrüstung ab 490 b.c.. Das nun als Ruderer auf den Trieren eingesetzte Personal waren „Banausen“, also Handwerker, die nun auch politische Rechte bekamen, weil im Kriegsdienst eingesetzt. Als die Oligarchie diese Rechte später wieder einkassierte, wurde “Banause” zu einem abwertenden Begriff).

Ähnlich Roms Entwicklung von einer Bauernrepublik der freien Grundeigentümer zum Kaisertum mit einem aufgeblähten Staatssektor und zunehmend destruktiv wirkenden Steuerlast. Die Proletarisierung war vor-reif, weil sie zwar wegen der Existenz der Sklavenarbeit zustande kam, aber gegenüber dieser sich die Lohnarbeit nicht als Hauptarbeitsform durchsetzen konnte. Und weil die billigere Sklaverei jene Arbeitsform darstellt, die für die Entwicklung von zusammengesetzter Arbeit (Marx), also höherer Qualifikation auf Basis von höherstehender Technik kaum, geeignet war. Aus dem Widerspruch der antiken Produktionsweise gab es keine ökonomisch progressive Aufhebung. Nur eine militärische.

Wie immer bei solch pauschalen Diskussionen gilt: ja, es gibt auch Ausnahmen … aber letztlich zählt: was dominiert das Geschehen im großen und ganzen.

Nun zum größeren Punkt.

Die Frage der Klassik und der sozialistischen Autoren. Ich sagte zweierlei, was Dich offensichtlich zum Widerspruch veranlasste. Erstens dass die ökonomische Analyse einer Produktionsweise nur in Bezug auf deren historisch klassischen Form bzw. Ausprägung Sinn macht und zweitens dass gerade dies im Falle der Planwirtschaft bis dato leider nicht möglich gewesen ist. Also: Ein Karl Marx war erst mit dem Aufkommen des industriellen Kapitalismus möglich und ein Karl Marx hat für die Analyse der allgemeinen ökonomischen Gesetze des Kapitalismus den englischen Kapitalismus gewählt, weil dieser in den 1860er Jahren am weitesten entwickelt war. An sich gelten aber die dabei herausgefundenen Gesetzmäßigkeiten auch für die Früh- und die Spätform. Als: Lohn, Mehrarbeit, Ausbeutung, Akkumulation, Geldkapital, Ware, Warenkreislauf usw. gibt es auch in der Zeit der Nanotechnologie bzw. gab es  auch bereits vor Marx. Aber was heißt denn letzteres? Dass das Buch „Das Kapital“ bereits im 18. Jahrhundert möglich gewesen wäre? Wohl kaum. Oder dass die Analyse des Kapitalismus erst in Zeiten der Nanotechnologie möglich geworden ist? Wohl kaum.

Nun zur Planwirtschaft. Hier sage ich nur, dass die Planwirtschaften des 20. Jahrhunderts auf globaler Ebene den Kapitalismus nicht eingeholt haben, also die Produktivkräfte nicht weiter als jene des Kapitalismus entwickelt hatten. Zu einem anderen Eindruck zu gelangen, scheint mir, ehrlich gesagt, so gut wie ausgeschlossen. Und die gesamte Diskussion zu dem „sozialistischen Experiment“ kreist ja gerade darum, was die Gründe seines Scheiterns gewesen sind. Vor diesem Hintergrund war doch die wiederholte Proklamation der Stalinisten, man hätte den Kapitalismus eingeholt oder befände sich bereits auf dem Weg zum Kommunismus, selbsterklärend. Eigentlich war das Gegenteil der Fall, die stalinistische Diktatur führte in die ökonomische Selbstblockade und diese war die Grundlage der politischen Aufgabe der Arbeiterstaaten.

So, gehen wir wieder einen Schritt retour. Welche ökonomischen Analysekriterien entstanden auf der Basis dieses „entwickelten Sozialismus“ analog zu jenen, die Marx auf der Basis des englischen Kapitalismus zur Analyse des Kapitalismus an sich entwickelt hat? Mir sind keine bekannt. Und ich vermute, es gibt eine einfache Erklärung für dieses Fehlen: Die Planwirtschaften des 20. Jahrhunderts waren noch meilenweit von jenem „Reifestadium“ entfernt, das allein die Basis von neuen, eigenen, ökonomischen Kategorien abgeben kann, die sich von jenen der vorangegangenen und überwundenen Produktionsweise im Wesen abheben. Die unreife Planwirtschaft gibt die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten der Planwirtschaft an sich genauso verzerrt wieder, wie der Kapitalismus des 16. Jahrhunderts jene des Kapitalismus an sich.

Also, qua Logik, wir verwenden die Marxschen Kategorien, die eigentlich zur Analyse des Kapitalismus entwickelt wurden und wenden uns mit diesen Instrumentarium der Planwirtschaft zu – mit welchen Folgen auch immer.

So, was bedeutet dies nun für die Aufgabe heute, ökonomische Gesetzmäßigkeiten der Planwirtschaft an sich, also nicht einer bestimmten historischen Materialisierung derselben, aufzustellen? Es bedeutet, dass wir dies nicht in Analogie zu Marx machen können, der den Kapitalismus auf der empirischen Grundlage des englischen Kapitalismus analysierte. Wir können nicht, was die richtige Analogie wäre, die ökonomischen Gesetze der Planwirtschaft aus der Planwirtschaft der Sowjetunion ziehen. Daher bleiben uns nur die ökonomischen Kategorien des Kapitalismus, die wir weiter verwenden und mit denen wir arbeiten, natürlich kritisch, abstrahierend und angepasst. Also zum Beispiel: was wird aus der Arbeitskraft, was wird aus der Arbeit, was wird aus dem Lohn, was wird aus der Akkumulation, was wird aus der Reproduktion und so weiter.

Übrigens haben dies auch 90% der von Dir angeführten Ostblock-Ökonomen so gehalten, ihr Analyseinstrumentarium war zu 90% der Marxismus und wir debattieren hier noch gar nicht die Frage, wie gut sie ihn angewendet haben. Du müsstest Dich also mit deinem Einwand gegen die von Dir präferierten Ökonomen Lange, Kornai, Varga, Kosta, Sik, Strumilin wenden und diesen posthum zurufen: „Wieso verwendet ihr für die Analyse der Planwirtschaft jene Kriterien, die Marx aus der Analyse des englischen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts gezogen hat und wieso verwendet ihr stattdessen nicht irgendeinen Sowjetismus statt Marxismus?“

Die Pointe ist, dass die meisten dieser Ostblock-Autoren noch viel dichter an den Kategorien des Kapitalismus dran klebten, als dies meine Wenigkeit tut, denn diese verwendeten großteils ungeniert den Begriffe und Kategorien Mehrarbeit sowie Ware und deren Derivate wie Geld und Lohn als Strukturelemente der Planwirtschaft. Wenn nun aber eingewendet werden würde, dass Geld und Lohn eben als Reste der alten Zeit noch in der Planwirtschaft des 20. Jahrhunderts weiterexistierten und daher nicht ignoriert werden können, dann ist mein Einwand: Eben, sage ich ja, diese Planwirtschaften waren noch nicht in ihrem Reifestadium …

Was ist aber mit den geschätzten 10%, die erst zusammen mit den 90% den Krug voll machen? Das sind Autoren bzw. Ansätze, die sich tatsächlich nicht auf das Analyseinstrumentarium beziehen, das Marx für die Analyse des Kapitalismus herangezogen hat. Ich denke da an die matrial balances, eines Joseph Green von den US-amerikanischen comunist voice und dessen Dreiteiler Labor-money and socialist planning, der sich sich im Kern wie ein Vorläufer der deutschen Wertkritik liest. Oder ich denke an den Versuch, für die Messung ökonomischer Flussgrößen Alternativen zu monetären Einheiten heranzuziehen (Arbeitszeit etwa oder Kalorien). Matrizen dieser Art wurden von zahlreichen sowjetischen Ökonomen wie Nemtschinow verfeinert. Freilich, ganz neu sind diese Ansätze nicht, die material balances oder die Matrizen als Reproduktionsschema für die Planwirtschaft haben in den Tableau économique Quesnays zumindest einen entfernten Onkel und im Marxschen Reproduktionsschema einen Cousin.

Zudem: Auch diese Ansätze, die auf einer höheren Abstraktionsstufe als die Kategorien der Warenwirtschaft stehen, gehen zumindest noch von einem Äquivalenzprinzip aus, auch wenn dieses nicht monetär gefasst ist. Und das ist ja auch ganz naheliegend, solange die Planwirtschaft nicht allseits Überfluss produziert, ein Zustand der zugleich die Aufhebung ihrer eigenen Existenzberechtigung wäre. Du sagst in Deinem Kommentar ganz richtig: „Eine Planung ohne das Zählen gibt es nicht.“

In Summe aber sind die ökonomischen Kategorien zur Analyse der Planwirtschaft zumindest zu 90% jene, die für die Analyse des Kapitalismus entwickelt wurden. Das finde ich zuerst einmal auch ganz richtig, wenngleich die Anwendung derselben zur Analyse der Planwirtschaft keineswegs unproblematisch und unaufwendig ist. Hier ist eine ganze Latte an Arbeit notwendig und der Großteil meiner Arbeit in planned economy kreist um genau diese Anforderung. Aber eine Alternative sehe ich nicht und wer eine hat, sollte diese offen auf den Tisch legen.

Ich denke, dass wir uns bei der Analyse der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten der Planwirtschaft erst dann von den marxistischen Kategorien ( ja, letztlich des 19. Jahrhunderts!) lösen können, wenn sich die soziale und ökonomische Realität um uns herum auf einem höheren Stand der Produktivkräfte befindet, als im fortschrittlichsten Kapitalismus. Diesen Stand hat die Menschheit aber noch nicht erreicht. Erst wenn irgend ein Äquivalenzprinzip ein gedanklicher Luxus gegenüber dem materiellen Luxus und Überfluss der Produktion ist, werden wohl weniger krämerische Begriffe, Kriterien, Messeinheiten und Kategorien zur Anwendung kommen als jene der politischen Ökonomie. Über diese können wir bis dato nur mutmaßen.

Der Witz an dieser Tatsache ist ja, dass dies eine Realität wäre, die dem klassischem Verständnis von Kommunismus recht nahe kommt. An diesem Punkt (oder Fläche, oder Terrain?) angelangt, hebt sich aber eine besondere Planwirtschaft auf – somit auch die Strukturanalyse derselben. Daraus könnte geschlossen werden: Gerade, wenn eine Alternative zu den Analysekategorien des Kapitalismus angewandt auf die Planwirtschaft möglich wäre, ist sie nicht mehr nötig. Damit erübrigt sich jegliche Planung und Ökonomie, was übrig bleibt ist bloß die technische Zusammensetzung. Ingenieurswissen genügt.

So gesehen hast Du mit deiner Infragestellung des Begriffs „Klassik“ oder „Reife“ ja auch einen wunden Punkt meiner Terminologie getroffen, denn eine Klassik bzw. Reife einer Ökonomie, die den Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus darstellt, ist eigentlich keine Klassik, da es sich ja um einen Übergang handelt. – Hier bitte nicht verwechseln mit dem Begriff “Übergangsgesellschaft” oder “Übergangsökonomie” in den Debatten der 1920er Jahren und der Sowjetunion, denn hier war wie bei Preobrazenskij und Bucharin der Übergang vom Kriegskapitalismus zur Planwirtschaft gemeint, also das Ringen von Wertgesetz mit dem Plan, dem der proletarische Staat nachhalf. Aber nicht – eine Abstraktionsstufe höher – der Übergang vom Kapitalismus an sich zum Kommunismus an sich. Aus dieser Perspektive heraus behandelte Preobrazenskij den Übergang zum Übergang. Nun zurück zu meinem wunden Punkt: Wo die Planwirtschaft an sich den Übergang zum Übergang überwunden hat und sich nicht mehr verunreinigt durch die Reste der Vergangenheit rein gestaltet, also in ihrer klassischen, reifen Form, an diesem Punkt beginnt ihre eigene Auflösung. Das Kriterium der Klassik wird also benötigt, um bei der Analyse der abstrakten Form nicht einer unreifen Realität, wie es die Planwirtschaften des 20. Jahrhunderts darstellen, aufzusitzen. Aber im realen Ablauf wird es keine Klassik geben, sondern einen Übergang zum Kommunismus. Insofern ist mein Analyse-Ansatz in einem nicht lösbaren Widerspruch verfangen.

Freilich ist das nicht nur mein persönlicher Widerspruch, sondern ein objektiv gegebener. Und das war auch der Haarriss, den Stalin und Bucharin gegen Preobrazenskij in der 1925er Debatte ausschlachteten, indem sie Preobrazenskijs Kritik an der Abweichung der Bucharinschen Wirtschaftspolitik von den Gesetzmäßigkeiten der Planwirtschaft konterten, eine solche Gesetzmäßigkeit gebe es gar nicht. Es gebe nur Wirtschaftspolitik. Das ist zwar nicht richtig, aber tatsächlich ist das Verhältnis zwischen ökonomischer Struktur und Wirtschaftspolitik in der nachkapitalistischen Gesellschaft dynamischer und labiler als im Kapitalismus.(1)

Ein Wort noch zu Deinem Satz: „Dass all die Theoretiker unter die Rubrik Stalinismus abgebucht werden, ist aus meiner Sicht werde redlich noch gerechtfertigt.“ Du meinst hier ja die Strumilin, Lange, Kornai und so weiter. Dazu erstens: ich finde es ganz richtig, auch diese Autoren zu lesen und ich tue dies auch immer wieder mal. Aber man muss quellenkritisch lesen und mit in Betracht ziehen, unter welchen Verhältnissen und in welchem Kontext geschrieben wurde. Bei Dir kommt es so rüber, als hättest Du einen längst verschollenen Schatz geborgen. Die Freude mag ich Dir ja nicht nehmen. Aber für die Öffentlichkeit ist es wichtig, die Dinge in die passenden Verhältnisse zu rücken: In der Sowjetunion seit den 1920er Jahren und in den anderen Planwirtschaften nach dem 2. Weltkrieg hatten Arbeiten zur Ökonomie nicht nur einen wissenschaftliche, sondern auch einen politischen Charakter. Unglücklicherweise vermischte sich beides. So ist etwa die Kontroverse zwischen Nikolai Bucharin und Evegenij Preobrazenskij nicht nur eine wissenschaftlichen, sondern gleichzeitig eine politische. Wer den Machtkampf – ja: blutigen Bürgerkrieg – zwischen der Bürokratie und der Arbeiteravantgarde nicht kennt oder nicht zur Kenntnis nehmen möchte, kann den Schlagabtausch auf dem Gebiet der Ökonomie nicht verstehen. Anderes Beispiel: Als Stalin Anfang der 1950er Jahre den Fortbestand der „Warenwirtschaft im Sozialismus“ dekretierte und gleichzeitig die Diskussion im Stile eines orientalischen Despoten als beendet erklärten, waren alle roten Ökonomieprofessoren qua ihrer Anstellung gezwungen, dies nachzuplappern, auch wenn sie persönlich von dem Unsinn keineswegs überzeugt waren. Im Laufe der Zeit mutierte die politische Ökonomie, eigentlich ein extrem spannendes Fach, zur öden Rechtfertigungsideologie der herrschenden Kaste. Ja gewiss, es gab auch unter den Ökonomen des stalinistischen Machtapparates einige, die sich insgeheim ein unabhängiges Köpfchen behielten und oft erschrieben sie sich ein Spezialgebiet, in dem die Dogmatik noch nicht gewütet hat. Aber dort, wo bereits ein Dogma gesetzt wurde – als ein Beispiel führte ich die nicht unwichtige Frage der Ware im Sozialismus an – schrieben sie nicht gegen dieses an. Eine andere Reaktion in den 1970er und 1980er Jahren war, die als falsch erkannten Dogmen einfach zu ignorieren, nicht aber sie kritisch abzuarbeiten.

Das hier gesagte trifft auf die Dissidenten natürlich nicht zu. Schade eigentlich, dass Du diese, wie etwa Rudolf Bahro, nicht anführst. Freilich sollte man auch die Dissidenten im Kontext lesen. Zu den Dissidenten zähle ich übrigens nicht die Marktsozialisten der 1960er Jahre wie Sik oder Kosta, da diese ja die Existenz der bürokratischen Kaste nicht abschaffen, sondern nur reformieren wollten. Sie waren sozusagen die Reformisten gegenüber dem Stalinismus, nicht die Revolutionäre. Stalinismus ist nicht allein eine verbrecherische Politik bzw. Praxis – wie dies das Verständnis der bürgerlichen Öffentlichkeit ist – sondern eine soziale Beziehung, die Existenz einer bürokratischen Kaste, die die Produzenten entmachtet und auf deren Kosten lebt. Die Planwirtschaft des 20. Jahrhunderts zu studieren und die Existenz dieser Kaste ignorieren wäre etwa so wie den Kapitalismus ohne Bourgeoisie verstehen zu wollen. Das kann nicht gut gehen.

Anmerkung:

(1) Mehr zu dem Verhältnis Wirtschatfspolitik zur ökonomischen Basis in der Planwirtschaft in: Martin Seelos, Das Marxsche Reproduktionsschema, die Planwirtschaft und die deutsche Wertkritik, Wien 2012 in:  http://plannedeconomy.blogworld.at/2012/04/08/deutsche-wertkritik-und-planwirtschaft/ oder: http://xmartin.lima-city.de/DateienBlogPW/20120409_Wertkritik_und_Planwirtschaft/Wertkritik_und_Planwirtschaft.pdf

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Zur Methode der politischen Ökonomie

Der bekannte Satz von Marx, dass sie Abstraktion das Labor der Ökonomie sei, reicht nicht aus, um Marxens ökonomische Erkenntnistheorie zu fassen. Denn diese Abstraktion ist bloß der notwendige Umweg retour zum Konkreten, das als Gedanklich-Konkretes sich freilich vom Real-Konkreten und dem Zufällig-Konkreten unterschiedet.

Die Ökonomen des 17. Jahrhunderts z.B. fangen immer mit dem lebendigen Ganzen, der Bevölkerung, der Nation, Staat, mehreren Staaten etc. an; sie enden aber immer damit, daß sie durch Analyse einige bestimmende abstrakte, allgemeine Beziehungen, wie Teilung der Arbeit, Geld, Wert etc. herausfinden. Sobald diese einzelnen Momente mehr oder weniger fixiert und abstrahiert waren, begannen die ökonomischen Systeme, die von den einfachen, wie Arbeit, Teilung der Arbeit, Bedürfnis, Tauschwert, aufsteigen bis zum Staat, Austausch der Nationen und Weltmarkt Das letztre ist offenbar die wissenschaftlich richtige Methode. Das Konkrete ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen. Im Denken erscheint es daher als Prozeß der Zusammenfassung, als Resultat, nicht als Ausgangspunkt, obgleich es der wirkliche Ausgangspunkt und daher auch der Ausgangspunkt der Anschauung und der Vorstellung ist. Im ersten Weg wurde die volle Vorstellung zu abstrakter Bestimmung verflüchtigt; im zweiten führen die abstrakten Bestimmungen zur Reproduktion des Konkreten im Weg des Denkens. Hegel geriet daher auf die Illusion, das Reale als Resultat des sich in sich zusammenfassenden, in sich vertiefenden und aus sich selbst sich bewegenden Denkens zu fassen, während die Methode, vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen, nur die Art für das Denken ist, sich das Konkrete anzueignen, es als ein geistig Konkretes zu reproduzieren. Keineswegs aber der Entstehungsprozeß des Konkreten selbst.” (Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 13, 7. Auflage 1971, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1961, Berlin/DDR. S. 632.)


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